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Golf-Masters:Der Stille im grünen Jacket

Hideki Matsuyama gewinnt in Augusta als erster Japaner ein Major-Turnier im Golf. Es ist die Geschichte eines schüchternen jungen Mannes, der nun zu den Pionieren seiner Sportart zählt.

Von Felix Haselsteiner

Butler Cabin war für Hideki Matsuyama kein unbekanntes Terrain. Ein paar hundert Meter vom 18. Grün in Augusta entfernt liegt das weiße Häuschen, wo sich nach dem Turnierende stets eine kleine Gruppe zu einer Zeremonie einfindet: Der Chairman des Augusta National Golf Club, Fred Ridley, heißt dann den Masters-Champion und den besten Amateurspieler des Turniers willkommen, CBS-Chef-Kommentator Jim Nantz stellt Fragen, und der Vorjahressieger überreicht das grüne Jackett an seinen Nachfolger.

2011, als Matsuyama als erster Japaner überhaupt nach Augusta reiste, nahm er bereits an dieser Zeremonie teil, er wurde mit dem Silver Cup als bester Amateur ausgezeichnet. Am Sonntagnachmittag, zehn Jahre später, kehrte er nach Butler Cabin zurück. Wieder waren der Chairman und Nantz da, auch Dustin Johnson als Vorjahressieger saß daneben. Diesmal war Matsuyama der Masters-Champion.

Um zu erklären, wie außergewöhnlich es war, dass diesmal Hideki Matsuyama, 29, aus Matsuyama in der Provinz Ehime, das prestigeträchtigste Turnier des Golfsports gewann, braucht es einen kurzen Blick in die Geschichte. Jahrzehntelang wurden Major-Turniere im Golfsport von Schotten, Engländern und vor allem von Amerikanern gewonnen. Golf war zu Hause in den rauen Küstengebieten des Vereinigten Königreichs und der Upperclass der USA. Es brauchte Pioniere wie den Südafrikaner Gary Player, den Spanier Severiano Ballesteros und auch einen jungen Schwaben namens Bernhard Langer, um diese Dominanz in den 70er- und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts zu brechen.

Selbst die japanische Presse weiß vergleichsweise wenig über den undurchdringlichen Matsuyama

Matsuyama fügt sich nun ein in diese Reihe der Pioniere, er ist der erste Japaner, der ein Major-Championship gewonnen hat, wovon auch die Beteiligten in Butler Cabin etwas überfordert wirkten. Normalerweise schwelgen Masters-Sieger in den Momenten ihres großen Triumphes mit rührigen Worten in Erinnerungen, lassen ihren Emotionen freien Lauf, wertschätzen die Großartigkeit des Turniers und den langen Weg zu diesem Punkt.

Matsuyama hingegen antwortete auf die Frage von Chairman Ridley, wie es sich denn anfühle, der erste japanische Major-Sieger zu sein, mit einem kaum hörbaren japanischen Satz, den sein Helfer und Begleiter Bob Turner übersetzte: "I'm really happy." So einfach, so glücklich.

Golf: Masters Tournament Hideki Matsuyama of Japan reacts after missing a par putt on the first green during the final r

Unrunder Start: Hideki Matsuyama verlor gleich am ersten Loch der Schussrunde einen Schlag...

(Foto: Kyodo/Imago)

Turner reist seit Jahren mit Matsuyama von Turnier zu Turnier und übersetzt die meist kurzen Antworten des Japaners in ebenso kurzen Einzeiler. Selbst die japanische Presse, die der PGA-Tour in Scharen hinterher reist, weiß vergleichsweise wenig über den schüchternen, undurchdringlichen Matsuyama, der einmal beiläufig auf einer Pressekonferenz erzählte, er sei Vater geworden - dabei wusste niemand, dass er überhaupt eine Partnerin hatte. Über Matsuyama wusste man stets nur, was offensichtlich war: dass er ein genialer Golfspieler ist, mit einer markanten, 0,2 Sekunden langen Pause, die er im Rückschwung einlegt, bevor er wuchtig auf den Ball haut.

Matsuyama brachte dem Golfsport am Sonntag nun auf seine ganz eigene Art und Weise eine Lektion bei: Dass große Siege große Emotionen auslösen, diese aber auch mit sehr viel Würde und Zurückhaltung gezeigt werden können. Matsuyama schien fast irritiert, als sein Gegner Xander Schauffele ihm eine kurze, herzliche Umarmung gab. Er sagte, er freue sich am meisten für seinen Caddie, Shota Hayafuji, der an seiner Seite noch kein Turnier gewonnen habe.

In Japan werden die besten Golfschläger der Welt dort handgeschmiedet, wo früher Samurai-Schwerter gefertigt wurden

Matsuyama vergoss keine Tränen, obwohl er allen Grund dazu gehabt hätte. Obwohl seine Geschichte bei diesem Turnier vor zehn Jahren nicht nur damit begann, dass er bester Amateur wurde, sondern auch damit, dass er damals fast nicht angetreten wäre, weil seine japanische Heimatprovinz wenige Monate zuvor von einem Tsunami zerstört worden war. Er hätte sich auch ganz persönlich froh darüber zeigen können, dass er nach neun Jahren, die er konstant in den Top-30 der Weltrangliste verbracht hatte und nach sieben Top-10-Platzierungen bei Major-Turnieren, endlich einen großen Sieg feiern konnte.

Und Matsuyama hätte auch aus Erleichterung weinen können, denn er spielte am Sonntag nicht nur für sich, sondern für ganz Japan. Ein Land, das so begeistert von dieser Sportart ist, dass die besten Golfschläger der Welt dort handgeschmiedet werden, wo früher Samurai-Schwerter gefertigt wurden. Diesem Druck standzuhalten, war am Sonntag Matsuyamas größte Aufgabe gewesen. Er hatte sie bravourös gemeistert - die meiste Zeit.

The Masters

Unrundes Ende: Nachdem er lange souverän gewirkt hatte, verlor Matsuyama auf den letzten vier Löchern fast seinen ganzen Vorsprung ein, ehe er am Ende knapp gewann.

(Foto: Mike Segar/Reuters)

Nur einmal kurz hatte es in der Schlussrunde so ausgesehen, als werde Matsuyama doch einbrechen, als könne er den sicher geglaubten Sieg noch verspielen: Auf Loch 15 und 16 spielte er überraschende Bogeys und war kurzzeitig nur noch mit zwei Schlägen Vorsprung in Führung. Die Konkurrenz jedoch blieb zu fehlerhaft, um ihn unter Druck zu setzen: Schauffele, mit dem Japaner in der finalen Gruppe, beendete mit einem Schlag ins Wasser auf Loch 16 seine vorübergehende Aufholjagd.

Als Hideki Matsuyama bei der Siegerehrung kurz die Hände in die Höhe hob, ein wenig so wie einst Muhammad Ali, begann in Japan gerade ein neuer Tag. Was er denjenigen sagen wollte, die nun aufwachten, wurde Matsuyama gefragt. Er antwortete mit einem Satz, den Jahrzehnte früher schon Spieler wie Player oder Ballesteros in ähnlicher Form gesagt hatten: "Es ist überwältigend zu denken, dass in Japan viele junge Spieler das heute sehen können. Hoffentlich werden sie irgendwann in meine Fußstapfen treten."

© SZ/bek/moe/bkl
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