Golf:Maskerade in Augusta

Augusta National Women's Amateur - Final Round

Premieren-Siegerin: die US-Golferin Jennifer Kupcho, 21 Jahre alt, mit Augustas Klubchef Fred Ridley.

(Foto: Kevin C. Cox/AFP)

Die Golferin Jennifer Kupcho, beste Amateurin der Welt, siegt bei der Premiere des Frauenturniers in Georgia. Aus anderer Sicht war der Jubel nicht so groß. Berechtigte Kritik an der Veranstaltung bleibt auch nach dem Turnierende nicht aus.

Von Gerald Kleffmann, Augusta/München

Das sportliche Ende beinhaltete Facetten, die die Turnierpremiere dieser Augusta National Women's Amateur unvergessen machen dürfte, wie viele Beteiligte nach der Veranstaltung schwärmten. Am Samstag, vor der dritten und letzten Runde, traten frühere Profi-Champions an den Abschlag, um symbolisch jeweils die Runde zu eröffnen mit ihren Abschlägen. Die Südkoreanerin Pak Se-ri, die Mexikanerin Lorena Ochoa, die Amerikanerin Nancy Lopez und die Schwedin Annika Sörenstam genossen den Jubel der Zuschauer, die sich entlang der Bahnen im Augusta National Golf Club postiert hatten. Es waren einige Tausend.

Die Siegergeschichte war dann auch eine nach dem Geschmack der Amerikaner. Landsfrau Jennifer Kupcho, beste Amateurin der Welt, siegte mit einem Putt zum Birdie auf dem 18. Grün. Zuvor hatte es ein bisschen Drama gegeben. Die 21-Jährige von der Wake Forest University in Nord-Carolina hatte einen Migräneanfall erlitten, Sehschwächen waren bei ihr aufgetreten. "Ich gebe nie auf", sagte Kupcho strahlend nach der Siegerehrung in einem TV-Interview und lobte die Organisatoren: "So wie alles aufgezogen wurde und wie wir behandelt wurden, war das eine Erfahrung fürs ganze Leben und eine, an die ich mich immer erinnern werde." Aus ihrer jungen Sicht war diese Freude verständlich. Aus anderer Sicht war der Jubel weniger groß.

Im Kontext der lange umstrittenen Mitgliedspolitik des Augusta National Golf Club wirkte die Selbstbeweihräucherung des Ausrichters eher realitätsfremd. Andererseits: Sie passte zur DNA dieses Klubs. Die penibel gepflegte Anlage im US-Bundesstaat Georgia wurde 1932 gegründet und erfand das Masters, bei dem seit 1934 die besten Männer um das grüne Siegerjackett kämpfen. Afro-Amerikaner waren indes bis 1990 als Mitglieder unerwünscht, Frauen gar bis 2012. "Nach dem Dinner gab es eine lange Schlange, alle wollte danke sagen dafür, dass wir das hier machen", behauptete Fred Ridley, seit 2017 Chairman des Klubs - er ordnete sein neues Event so ein, als habe es Diskriminierung nie gegeben. Grundsätzlich lag Ridley, zuvor Präsident des US-Golfverbandes, richtig im Glauben, dass das Amateurturnier einen "bedeutenden und nachhaltigen Einfluss auf die Zukunft des Frauengolfs" haben dürfte. Aber selbst renommierten US-Medien, die sonst ihren Golfsport hochleben lassen, ging das Eigenlob-Getrommel des Augusta National Golf Club zu weit.

"Vielleicht wird der Einfluss da sein", schrieb die Plattform Golf.com, "aber wenn der Klub die Erleuchtung einige Jahrzehnte früher gehabt hätte, wüssten wir heute schon, wie der Einfluss der Augusta National Women's Amateur aussehen würde."

Die Organisatoren waren bei ihrem PR-Feuer so dreist gewesen, dass sie die Einführung ihres Frauenturniers auf eine Ebene mit Frauenleistungen der US-Geschichte gestellt hatten: Ähnlich groß seien die Taten von Sandra Day O'Connor und Amelia Earhart gewesen. O'Connor war von 1981 bis 2006 als erste Frau Richterin am Obersten Gerichtshof der USA. Earhart war vor mehr als 100 Jahren Frauenrechtlerin und Flugpionierin; sie hatte als erste Frau allein den Atlantik überquert. "Bahnbrechende Momente wie diese inspirieren", schrieb das Augusta-Turnier hinter O'Connors und Earharts Erwähnungen in einer Kurzmeldung und setzte hinter ein Hashtag das Kürzel des eigenen Turniers.

Golf.com nannte diese Vergleiche "heuchlerisch" - und erinnerte daran, dass Augusta keineswegs Barrieren durchbrochen und Entwicklungen zugunsten Frauen vorangetrieben habe. Sondern dass dies alles nur auf Druck geschah.

Druck zum Beispiel, den Martha Burk aufgebaut hatte. Die Frauenrechtlerin hatte Anfang des Jahrtausends den Mut aufgebracht, sich mit Augusta anzulegen. In einem Beitrag für den britischen Telegraph ordnete sie das Frauenturnier nun so ein: "Das Turnier ist ein Schritt nach vorne, aber ein sehr kleiner." Und: "Die Tür wurde für PR-Zwecke nur ein wenig geöffnet." Sie kaufe das Ganze nicht ab. Auch sei es eine "berechnende Geste", dass nur Amateurinnen und nicht Profis auf den Platz sowie nur an einem der drei Turniertage die Frauen in Augusta spielen durften; die ersten zwei Runden fanden im Nachbarort Evans statt. Burk war selbstredend nicht als Gast anwesend, bezeichnend überdies, dass die vier Promi-Frauen, die den symbolischen Abschlag durchführten, nie als scharfe Augusta-Kritikerinnen aufgefallen waren.

Vielleicht war aber von dem Männer-Golfklub nicht mehr zu erwarten als eine Maskerade. Zahlen werden selten bekannt gegeben oder bestätigt, aber es heißt, unter den 300 Mitgliedern seien bis heute immer noch keine zehn Frauen. So sieht es im Inneren des Augusta National Golf Clubs 2019 aus, bei dem sich das Frauengolf nun bedanken soll.

© SZ vom 08.04.2019
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