PGA ChampionshipDeChambeau, der Golf-Influencer

Lesezeit: 4 Min.

Künftig voraussichtlich mehr bei der Öffentlichkeitsarbeit als auf dem Grün zu finden: Bryson DeChambeau.
Künftig voraussichtlich mehr bei der Öffentlichkeitsarbeit als auf dem Grün zu finden: Bryson DeChambeau. Carl Recine/Getty Images
  • Bryson DeChambeau steht vor einem Karrierewandel, nachdem Saudi-Arabien die Finanzierung der LIV-Tour im Herbst komplett einstellen möchte.
  • Eine Rückkehr zur PGA Tour scheint unrealistisch, da DeChambeau diese 2023 verklagt hatte und die Feindschaft bestehen blieb.
  • DeChambeau erwägt, seinen Youtube-Channel zu verdreifachen und nur noch ausgewählte Turniere zu spielen, um Content Creator zu werden.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Bryson DeChambeau wollte schon immer anders sein, und nirgends konnte er das besser als bei der saudischen LIV-Tour. Nun erfindet sich der Trump-Unterstützer wieder mal neu – als Content Creator und Gelegenheitsgolfer.

Von Felix Haselsteiner

SZ bei Google bevorzugen

Anders wollte Bryson DeChambeau immer schon sein, man muss nur zurückdenken an seine Kopfbedeckung. 2016, als er im Alter von 22 Jahren seine ersten Auftritte auf der großen Bühne hinlegte, trug DeChambeau eine Schiebermütze. Wie ein Golfer aus der Vergangenheit wirkte der Kalifornier, weil er sich mit seiner unorthodoxen Kopfbedeckung optisch an den 1920er-Jahren orientierte und am legendären Ben Hogan, dessen Markenzeichen die Mütze einst war. Gleichzeitig war DeChambeau aber auch ein Golfer aus der Zukunft, mit seinem kuriosen Ansatz, dass alle seine Schläger gleich lang sind, was er auf mathematische und physikalische Erkenntnisse stützte.

„The Scientist“ nannte man den auf den Grüns stets rechnenden DeChambeau mit seiner Schiebermütze damals, zu Beginn seiner Karriere. Dann, in Covid-Zeiten, als er in Fitnessstudios eine weitere, neue Herangehensweise entdeckte und Muskelmasse aufbaute, wurde er nicht mehr mit Ben, sondern mit dem Wrestler Hulk Hogan verglichen. Auch das aber änderte in einer Hinsicht nichts: Allzu viel Zuneigung bekam DeChambeau für sein Dasein nie in seiner eigentümlich traditionellen Sportart. Das Publikum betrachtete ihn eher als etwas wunderlichen Einzelgänger, bei Turnieren machten sich Zuschauer immer wieder über ihn lustig.

Doch schließlich, im Sommer 2022, fand DeChambeau endlich den Partner an seiner Seite, den er benötigte, um erfolgreich anders sein zu können: Als der saudi-arabische Staatsfonds PIF vor vier Jahren die LIV-Tour präsentierte, war DeChambeau eine der ersten großen Verpflichtungen. Die Saudis wollten genauso mit den Traditionen brechen wie er. Und stellten dafür auch noch Milliarden US-Dollar zur Verfügung.

Saudi-Arabien und der Golfsport
:Aufgewacht aus dem Fiebertraum

Saudi-Arabien stellt plötzlich sein Engagement bei der defizitären LIV Tour infrage – und kündigt Rückzüge von anderen Veranstaltungen an. Die Sportwelt steht wieder einmal vor Umwälzungen.

Von Felix Haselsteiner

Wie füreinander geschaffen war dieses Traumpaar, zumindest auf den ersten Blick. LIV Golf lebte von der Figur DeChambeau. Und er wiederum war der eine LIV-Spieler, der auch in den USA kaum in Vergessenheit geriet. Dazu war er als Charakter zu interessant und streitbar: Die Mischung aus Muskeln und Maga-Bewegung funktionierte, DeChambeau bekam neben dem Sport ein Profil als großer öffentlicher Unterstützer des US-Präsidenten Donald Trump. Und nicht zuletzt als sogenannter Content Creator, der sein Leben in den sozialen Medien vermarktete.

Unbeirrbar anders war Bryson DeChambeau auf seinem Weg und verdammt erfolgreich damit. Bis ihn vor einigen Wochen sein Partner aus der Wüste sitzen ließ – und nun auf einmal die Frage im Raum steht, ob er sich auf spektakuläre Art und Weise verspekuliert hat.

„Ich hätte nicht damit gerechnet“, sagte DeChambeau in der vergangenen Woche über die Entscheidung, die sein Leben veränderte. Dass der PIF die Milliarden-Finanzierung der LIV Tour im Herbst komplett einstellen möchte, war für den gesamten Sport eine überraschende Nachricht. Vor allem aber für DeChambeau: „Noch ein paar Monate zuvor hieß es: ‚Wir bleiben bis 2032. Wir haben die Finanzierung bis 2032‘, und das habe ich allen weitergegeben, denn genau das war mir gesagt worden. Und dann, na ja, habe ich nichts mehr gehört.“

Die Enttäuschung konnte man diesmal sogar öffentlich heraushören, spekuliert wurde über interne Spannungen bereits länger. Der Golf Digest berichtete vor einigen Tagen, dass DeChambeau schon länger klar gewesen sei, dass das saudi-arabische Versprechen, den Golfsport mit ihm an der Spitze neu zu erfinden, sich als Reinfall herausgestellt hatte. Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit LIV Golf hatte es im vergangenen Herbst gegeben, sie sollen nach übereinstimmenden Medienberichten an DeChambeaus Forderung von angeblich einer halben Milliarde US-Dollar Handgeld gescheitert sein. Und schließlich daran, dass es nun keinen Finanzier mehr geben wird, der ihm auch nur annähernd so viel Geld bezahlen kann.

„Ich würde gerne meinen Youtube-Channel verdreifachen, vielleicht sogar mehr. Und dann würde ich die Turniere spielen, die mich wollen.“

Die neue Realität, in der sich die LIV-Spieler um DeChambeau wiederfinden, ist die eines leeren Buffets. Die Milliarden aus Saudi-Arabien haben zwar den ersten Hunger gestillt, aber gerade als sich alle an das feine Essen gewöhnt hatten, endete der Nachschub: Ob und wie es mit LIV Golf ohne saudi-arabische Beteiligung weitergehen wird, ist derzeit unklar. Wenn, dann wird es eine verkleinerte, finanziell weniger lukrative Variante der Tour sein, die 2027 stattfindet.

Für die meisten bedeutet das, von nun an freundlich zur Alten Welt zu sein. Die europäische DP World Tour und die US-amerikanische PGA Tour sind endgültig wieder im Fokus: „Wenn man der bestmögliche Golfspieler sein möchte, ist das der Platz“, sagte etwa Rory McIlroy vor dem zweiten Major-Turnier des Jahres, der PGA Championship, die von Donnerstag an in Philadelphia stattfindet.

Daher sollen beide Touren in den vergangenen Wochen zahlreiche Anfragen von LIV-Spielern bekommen, ob eine Rückkehr nicht doch möglich sei. Unter gewissen Bedingungen, wie sie etwa für Brooks Koepka galten, der seit Januar wieder in den USA spielt. Vergessen sind auf einmal die Gerichtsprozesse, die mit saudi-arabischem Geld für die LIV-Spieler finanziert wurden und in denen sie ihre Ex-Touren verklagten: DeChambeau war einer von elf Spielern, die der PGA Tour 2023 vor Gericht vorwarfen, ihnen keine Freigabe für LIV-Turniere gegeben zu haben. Die Klage wurde abgewiesen, aber die Feindschaft blieb bestehen und wurde von beiden Seiten öffentlich fortgeführt.

Dass DeChambeau daher im Herbst auf die PGA Tour zurückkehrt, in die aus seiner Sicht alte Welt der Schiebermütze, scheint kaum realistisch. „Egos müssten beiseitegelassen werden“, äußerte sich DeChambeau vor einigen Tagen in einem Interview mit ESPN dazu, nur um dann bei seinem Ego zu bleiben: Eine mögliche Strafe bei einer Rückkehr etwa sei „meiner Meinung nach ziemlich bedauerlich, wenn man bedenkt, was ich für sie tun könnte“, sagte der 32-Jährige, dem allerdings eine weitere Option bleibt. Eine, die – wie passend in diesem Fall – etwas anders ist als die Normalität im Sport.

2,7 Millionen Menschen folgen DeChambeaus Kanal auf Youtube, 4,5 Millionen auf Instagram, 2,3 Millionen auf Tiktok. Das ist die neue Realität, der er sich nun eventuell komplett hingeben möchte: „Ich würde gerne meinen Youtube-Channel verdreifachen, vielleicht sogar mehr“, sagte DeChambeau dazu: „Und dann würde ich die Turniere spielen, die mich wollen.“ Damit wäre DeChambeau der erste Profisportler, der inmitten der besten Zeit seiner Karriere auf regelmäßigen Sport verzichtet, um Content Creator zu werden. Ob eine Karriere möglich ist, die nur aus den vier jährlichen Major-Turnieren, ein paar Einladungsturnieren und Golfrunden für Youtube besteht, weiß allerdings niemand.

Bei all der Einzigartigkeit, die Bryson DeChambeau in seiner Karriere ausgezeichnet hat, im Kampf gegen die Zweifler: Diese Wette auf sich selbst wäre wohl die größte, die er jemals eingegangen ist.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Golfer Gary Woodland
:Die Angst als größter Gegner

Trotz einer posttraumatischen Belastungsstörung infolge einer Gehirnoperation hat Gary Woodland in den Golfsport zurückgefunden – und sich die Teilnahme am Masters in Augusta erkämpft.

Von Felix Haselsteiner

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: