Golf:Kniffliger Kreislauf

GOLF - International Austrian Amateur Championships HIMBERG,AUSTRIA,01.AUG.21 - GOLF - International Austrian Amateur C

Führt die Teilnehmerliste der DM mit einem Handicap von -6,9 an: die 16-jährige Helen Briem vom Stuttgarter Golfclub Solitude.

(Foto: Walter Luger/imago images/GEPA pictures)

Zwei 16-Jährige führen die Felder der deutschen Meisterschaften im Golfclub Valley an. Die Veranstaltung auf der hoch gelobten Anlage leidet allerdings darunter, dass ihr viele Teilnehmer fernbleiben.

Von Gerald Kleffmann

Für Ulrich Eckhardt steht fest: "Valley ist einer der wenigen Plätze in Deutschland, der immer in einem exzellenten Zustand ist. Er hat stets gute Grüns, was viel zu selten ist." Schnell und hart müssen sie sein, "nur da werden Spieler wirklich gefordert". Überdies bietet die Anlage bei Holzkirchen "eine gute Länge und ein schönes Design", kurzum: Valley sei ein idealer Kurs für eine deutsche Meisterschaft, wie sie der Golfclub von diesem Donnerstag an bis Sonntag austrägt.

Der Bundestrainer Herren würde gerne mehr solcher Plätze in Deutschland zur Verfügung haben, "es gibt leider viel zu wenige Anlagen auf diesem Niveau", sagt Eckhardt, der natürlich weiß, was dieses Defizit bedeutet: Es fehlen Plätze, die "das ganze Jahr über herausfordernd sind" und Talenten die Möglichkeiten geben, Grenzen auszuloten, sich zu verbessern. "Das ist eine der größten Baustellen, die wir im deutschen Golf haben", gibt Eckhardt zu, der trotzdem positiv klingt. Der 54-Jährige, seit 2007 in leitender Funktion, ist erstens Berufsoptimist und zweitens gewohnt, mit kniffligen Situationen umgehen zu müssen.

"Vier Runden plötzlich alleine zu bestreiten, ist doch eine ganz andere Belastung"

Dass es hierzulande zu wenige Plätze von internationalem Niveau gibt, führt direkt zum zweiten Problem: Die talentierten Spieler verlassen früh das Land. Aus seinem Team, sonst zahlreich bestückt wie eine Fußballtruppe, sind derzeit gerade zwei Akteure übrig geblieben, Philipp Katich und Laurenz Schiergen. "Die anderen sind entweder in die USA gezogen, um dort aufs College zu gehen. Oder sie sind Pro geworden", erklärt Eckhardt. Danny Wilde, der Head Pro, also der oberste Golfcoach von Valley und Ausrichter, verweist auf eine weitere Kausalität: "Da das Turnier aufgrund der schwächeren Besetzung punktemäßig nicht so günstig bewertet ist im Hinblick auf die Amateur-Weltrangliste, meiden einige auch die Meisterschaft." Somit ergibt es etwa für die hoch gehandelten Tiger Christensen und Jonas Baumgartner, die nun aufs US-College gehen, wenig Sinn, eigens für die Veranstaltung einzufliegen.

Ein früherer Termin wäre zudem attraktiver, doch da hat der DGV den Wettkampfkalender etwa mit Ligenrunden bestückt. Einige der Probleme, die bei der deutschen Meisterschaft sichtbar werden, spiegeln somit wider, wo es im deutschen Golf hakt. Inzwischen setzt man eben eher mehr auf den Mannschaftssport. Wilde würde einen "Mittelweg" befürworten, also gerne auch Einzelmeisterschaften gestärkt sehen. "Vier Runden plötzlich alleine zu bestreiten, ist doch eine ganz andere Belastung", weiß der 46-Jährige. "Es ist schade, dass die deutsche Meisterschaft nicht mehr den Stellenwert wie früher hat", sagt Wilde, aber auch er, ganz der Pragmatiker, sucht nach dem Nützlichen in der komplizierten Lage. "Viele Junge haben die Chance, Erfahrung zu sammeln", und: "Wie auf einer Messe können sich über mehrere Tage die Trainer des DGV und der Klubs austauschen, das ist gut."

Angeführt werden die Teilnehmerlisten von zwei 16-Jährigen. Tim Wiedemeyer vom Münchener Golf Club und Helen Briem vom Stuttgarter Golfclub Solitude haben gerade auf europäischer Ebene schon Erfolge vorzuweisen, ihre Handicaps von -7,0 (Wiedemeyer) und -6,9 (Briem) sind herausragend. Noch ist der Olchinger Wiedemeyer im U18-Kader des DGV, aber auch "er geht nach Amerika, das steht schon fest", sagt Eckhardt. Diese Kreisläufe machen den Aufbau der Talente, zumindest aus Sicht des Verbandes, schwierig, umso mehr interpretiert Eckhardt die deutsche Meisterschaft auch als Sichtung, wobei viele Starter gar nicht mehr das Ziel haben, Golfprofi zu werden. Einige studieren oder arbeiten gar bereits. Um mitspielen zu dürfen, müssen Frauen ein Handicap von +0,6 und Männer von -2,0 besitzen. Das ist aber allemal stark genug, um interessantes Golf zu sehen. Der Eintritt für Besucher ist frei, es gilt die 3G-Regel.

© SZ/sewi/lib
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