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Golf:Kaltstart für Kaymer

Austrian Golf Open - Previews

Noch auf der Suche nach dem richtigen Gefühl: Martin Kaymer bereitet sich auf dem Golfplatz von Atzenbrugg auf das Turnier der Europa-Tour vor.

(Foto: Andrew Redington/Getty)

Europas Golftour wird im österreichischen Spätwinter fortgesetzt. Deutschlands Nummer eins hofft dabei in jeglicher Hinsicht auf einen "heißen Sommer".

Von Felix Haselsteiner, Atzenbrugg/München

Das richtige Gefühl zu bekommen, sagt Martin Kaymer, sei momentan schwierig - und meint das erst mal wortwörtlich. Die European Tour gastiert an diesem Wochenende im Diamond Country Club im niederösterreichischen Atzenbrugg, wo die Austrian Open nach einer Auszeit ein Comeback im europäischen Golf-Turnierkalender gibt. Den Platz haben sie in Österreich schon gut hergerichtet, das Wetter jedoch tat sein übriges: Am Dienstag spielten die Profis ihre Proberunden bei Temperaturen um null Grad und Schneefall, weshalb Kaymer gleich zweimal das Gefühl abhanden ging: Zum einen, weil er den Platz nicht richtig kennen lernen konnte ("Das kommt dann am Donnerstag und Freitag hoffentlich"), zum anderen waren die eiskalten Hände vor allem bei den kurzen, gefühlvollen Schlägen nicht von Vorteil. "Es wird mehr ein Kampf als eine Runde Golf", so Kaymers Ausblick auf die kommenden Tage.

Die Entscheidung, in dieser Woche in Österreich zu spielen, bereut Kaymer dennoch nicht, allein "weil das Essen hier immer gut ist", wie er mit einem Lächeln anmerkte. In gewisser Weise war sie auch alternativlos: Die European Tour ist weiterhin auf Sparflamme unterwegs, wegen der Pandemie, auch das Turnier in Österreich wurde kurzfristig ausgeschrieben und ist mit einem vergleichsweise geringen Preisgeld von einer Million Euro bewertet. "Ich bin froh, dass wir überhaupt spielen können", sagte Kaymer bei einer Video-Pressekonferenz am Mittwoch. Für ihn gehe es allerdings ohnehin um Punkte in der Weltrangliste und weniger um die Prämien. Aktuell liegt der 36-Jährige auf Rang 99, ein Vorstoß unter die besten 50 oder 60 würde ihm wiederum mehr Einladungen für größere Turniere verschaffen.

Einen großen Traum hegt er schon: noch einmal beim Ryder Cup zu spielen

Neben dem Gefühl für den Platz und dem Gefühl in den kalten Händen ist es auch eine gewisse Unsicherheit, die Kaymer derzeit begleitet. Anders als in den vergangenen zehn Jahren verbrachte der zweimalige Major-Sieger den gesamten Winter diesmal in Deutschland. Seine üblichen Trainingswochen in den USA im Spätherbst, die ihm stets zur Vorbereitung auf die kommende Saison dienten, fielen aufgrund der Reisebeschränkungen aus. Stattdessen stellte Kaymer seinen Trainingsplan um, spielte im Januar und Februar recht unvorbereitet im Mittleren Osten sowie zuletzt auf der US PGA Tour in Florida, wo er den Cut verpasste. "Spielerisch war ich vielleicht sogar bereit. Für mich ist aber wichtig, dass ich auch im Kopf weiß, dass ich gewinnen kann, dass ich da bereit bin", sagte Kaymer. Die Turniere in Europa seien nun wichtig, um das Spiel zu testen, bevor im Sommer jene zwei Majors anstehen, für die Kaymer weiterhin aufgrund seiner Siege in den Jahren 2010 und 2014 qualifiziert ist: die US Open und das PGA Championship.

Kaymer blickt nüchtern auf den Rest des Jahres, mit jenem Realismus, der ihn in seiner Karriere immer ausgezeichnet hat. Er müsse sich schrittweise verbessern und brauche sich nicht mit Dingen zu beschäftigen, die im Moment weit entfernt seien: "Ich brauche mich nicht mit der Nummer eins der Welt zu vergleichen, nur weil ich da mal war." Als Nummer 99 gelte es, die Nummer 98 zu erreichen - und so weiter. Aktuell wäre es Fehl am Platz, "zu einem Turnier in Amerika zu reisen und zu glauben, dass ich dort gewinnen kann", sagte Kaymer. Das könne sich jedoch in wenigen Wochen ändern, weshalb die kleinen Turniere für ihn auch von großer Bedeutung sind: "Auch ein Sieg bei einem kleinen Turnier ist ein irrsinniger Erfolg." Dass sich Kaymer nach fast sieben Jahren ohne Turniersieg mittlerweile in Position gebracht hat, um auf europäischem Niveau gewinnen zu können, zeigten seine herausragenden Ergebnisse im vergangenen Sommer, als er viermal unter die besten Zehn vorstieß.

Um sich noch einmal einen großen Traum zu erfüllen und im Herbst beim Ryder Cup zu spielen, brauche Kaymer auf jeden Fall einen "heißen Sommer", sagte er. Inmitten des kalten, österreichischen Winters und nach einer eher durchwachsenen Vorbereitung scheint der sowohl klimatisch als auch sportlich noch ein wenig entfernt zu sein. Andererseits: Für Überraschungen war Kaymer in seiner Karriere schon immer zu haben.

© SZ/jkn/klef
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