Golf Der Preis des Wettbietens

Schöne Aussicht - und schön teuer: der geplante Ryder-Cup-Platz in den Hügeln bei Rom.

(Foto: Marco Simone Golf und Countryclub / oh)

Italien hat hoch gepokert, um den Ryder Cup 2022 auszurichten - zu hoch? Weil Garantien fehlen, macht sich Deutschland wieder Hoffnung.

Von Frieder Pfeiffer

Nun also der 28. Februar. Der nächste Stichtag für die Organisatoren des Ryder Cup 2022 in Italien. Es ist nicht der erste, doch dieses Mal soll es der letzte sein. Ende des Monats muss der italienische Verband der Ryder Cup Limited in England endgültig eine geforderte Bürgschaft über 97 Millionen Euro präsentieren. Eine solche Staatsgarantie hatte der Senat in Rom jüngst jedoch vorerst abgelehnt hatte. In römischen Hinterzimmern reden sich die italienischen Golfherren derzeit die Münder fusselig im verzweifelten Versuch, den Ryder Cup, den prestigeträchtigen Kontinentalvergleich zwischen den besten Golfern Europas und der USA, nicht doch noch zu verlieren.

Ende 2015 hatte sich Italien in einem Wettstreit mit Deutschland, Österreich und Spanien vor allem aufgrund monetärer Versprechungen durchgesetzt. 159 Millionen Euro sind für den dreitägigen Wettbewerb angesetzt - nicht nur für die fällige Lizenzsumme, auch für die verbindlich zugesagte Etablierung von Turnieren auf der European Tour über einen längeren Zeitraum. Im Vergleich kam Frankreich, das 2018 dran ist, mit 40 Millionen Euro deutlich billiger weg. Keith Pelley, der 2015 frisch inthronisierte Boss der European Tour, hatte in der Bewerbungsphase das Wettbieten aktiv unterstützt. Die Konkurrenz konnte oder wollte am Ende nicht mehr mitziehen, Italien blieb dran - und versprach dann womöglich Dinge, die nun nicht zu halten sind.

Denn neben der fehlenden Bürgschaft wird auch über die rund 60 Millionen Euro aus Steuermitteln diskutiert. Im italienischen Haushalt ist der Posten nicht zweifelsfrei als Ryder-Cup-Ausgabe deklariert, vielmehr geht es allgemein um "Jugend und Sport". Vor diesem Hintergrund reagiert mancher aus dem Kreis der ehemaligen Konkurrenten mit Unverständnis. Während Claus Kobold, Präsident des deutschen Golf-Verbandes, angesichts der Umstände, die für ihn "nicht gänzlich überraschend" kommen, zurückhaltend argumentiert und "in aller Ruhe abwarten" will, was die zuständigen Organe entscheiden, sind aus Österreich deutlichere Worte zu vernehmen. "Schon ein bisschen enttäuscht" sei er von den Kollegen in Italien, sagt Robert Fiegl, Generalsekretär des österreichischen Verbandes. "Wir sind ja irgendwie Freunde, in jedem Fall Geschäftspartner. Und jetzt sehen wir, wie hoch gepokert wurde." Die österreichische Kampagne habe nichts versprochen, was nicht zu halten gewesen wäre. Wenn die Lage nun richtig eingeschätzt würde, gelte das für Italien nicht. "Eigentlich macht das niemand", findet Fiegl. Auch beim deutschen Verband halten sie die Garantiesumme laut Kobold für "außergewöhnlich hoch".

Die Berliner Bewerbung müsste rasch wieder aufgelegt werden

In Deutschland und Österreich haben sie immer wieder den Blick nach Italien gewagt - und insgeheim gehofft. Vor allem der Rücktritt des dem Event gegenüber freundlich gestimmten Ministerpräsidenten Matteo Renzi und der Rückzug Roms aus dem Rennen um Olympische Sommerspiele war für Kobold ein deutliches Indiz, "dass die Ryder-Cup-Finanzierung noch einmal in Frage gestellt werden könnte." In Österreich verzichtete man sogar darauf, die Bewerbungsgesellschaft abzuwickeln. "Wir haben spekuliert", so Fiegl.

Nun könnten Deutschland, Österreich und Spanien ganz schnell wieder im Rennen sein. Auch wenn die European Tour derzeit noch keine Abkehr vom eingeschlagenen Weg andeutet, ist der Blick nach Italien nun Dauerzustand. "Wir haben 16 Monate mit Hochdruck gearbeitet, viel Geld investiert", sagt Fiegl. "Da sagen wir jetzt nicht einfach 'Schau mer mal, was passiert'. Wir sind natürlich hoch interessiert, was am 1. März passiert."

Für Fiegl gibt es bei einem Scheitern der italienischen Bewerbung nur einen möglichen Weg: "Logisch wäre, die drei anderen Bewerber anzusprechen." Viel Zeit bliebe denen nicht: Deutschlands Bewerbung mit dem Platz in Bad Saarow bei Berlin müsste weitgehend neu aufgerollt werden, die Bewerbungsgesellschaft gibt es nicht mehr, und die nötigen Umbaumaßnahmen waren im Laufe des Verfahrens vor knapp zwei Jahren als mindestens weitreichend beschrieben worden. Der Österreicher Fiegl erhofft sich dadurch einen Startvorteil, nicht nur weil der Platz im Golfclub Fontana bei Wien bereits die passenden Ausmaße besitzt. "Die Regierung ist die gleiche, unsere Partner sind die gleichen. Wir sind ganz schnell zurück im Spiel."

In Wiesbaden telefonieren sie in diesen Tagen öfter mal mit den Kollegen in Österreich. Dennoch bleibt Kobold vorsichtiger, wenn er sagt: "Sollte man auf uns zukommen, werden wir uns alles sorgfältig anhören und bewerten. Keinesfalls wird sich der DGV jetzt in hektische Betriebsamkeit stürzen und finanzielle Risiken eingehen."

Die von Italien veranschlagten 159 Millionen Euro wären bei einer Neuvergabe wohl nicht realistisch, was eine Neuvergabe des größten Golfturniers der Welt auch für die European Tour zum Problem machen würde. Eben erst hatte Tour-Boss Pelley den Turnierkalender mit starkem Fokus auf Preisgeldbörsen reformiert. Zumindest in Bezug auf die italienischen Events würde viel Geld fehlen. Geht es nach Fiegl, sollte die Entscheidung dennoch zeitnah fallen, sonst drohe ein "Gesichtsverlust. Das Rumeiern muss ein Ende haben".