Süddeutsche Zeitung

Golf:Burger, Bier und Fahnen

Der Solheim Cup zwischen Europa und den USA lebt mehr von der Entwicklung dieses Duells als vom sportlichen Wert - die besten Spielerinnen fehlen.

Auf dem Tisch stapeln sich die Burger-Boxen aus Pappe, überall hängen Fahnen, sogar die schlangenartigen Kissen auf dem Boden sind mit Stars and Stripes verziert, der unverwechselbaren Farbkombination der amerikanischen Flagge. Weiter auf den Fotos zu sehen, die nun in Gleneagles aufgenommen wurden: riesengroße Kühlschränke, gefüllt mit Budweiser-Bier und Softdrinks, Bildschirme, die an Kinoleinwände erinnern, dicke Teppiche. Wie das Team USA selbst im Internet berichtete, dröhnte Stevie Wonder aus den Boxen, "Feeling it all over", lautete eine seiner Zeilen, und genau darum geht es, so die Botschaft, auch dieser Auswahl.

Wie Zuhause sollen sich die zwölf Spielerinnen und Kapitänin Juli Inkster fühlen. Und deshalb hat das Team USA, wie es offiziell heißt, einen Raum im berühmten Gleneagles Hotel so umdekoriert und gestaltet, dass er die Heimat kurzerhand nach Schottland holt. "Eine Herausforderung des Solheim Cups ist, dass Golf ein Einzelsport ist, und die Europäerinnen haben den Vorteil, dass sie hier mehr Teamwettbewerbe spielen", schrieb Inkster, die selbst sieben Majortitel errang, in einem Beitrag. Also versucht sie, zum dritten Mal in Serie ihren Akteurinnen ein Gemeinschaftsgefühl der besonderen Art zu vermitteln.

Der Solheim Cup ist das Pendant zum weitaus bekannteren Ryder Cup im Männergolf, bei dem zwölf Europäer gegen zwölf Amerikaner antreten. 1927 wurde dieses Kontinentalduell eingeführt, wobei seinerzeit nur Briten für Europa partizipierten. Der Solheim Cup, initiiert vom Golfschlägerhersteller Karsten Solheim (Ping), erlebte 1990 seine Premiere. Gespielt wird wie beim Ryder Cup alle zwei Jahre abwechselnd auf den Kontinenten, im selben Modus (zwölf pro Team, klassische Vierer, Vierball, Einzel), und dort, wo der Solheim Cup stattfand, war er immer ein Erfolg. 2015 war auch Deutschland erstmals Gastgeber, dank des Engagements des Unternehmers Dietmar Hopp richtete der GC St. Leon-Rot die Veranstaltung aus. Fast 70 000 Zuschauer kamen damals. Für Gleneagles sind 80 000 Tickets verkauft, und wie beim Ryder Cup, der 2014 auch eine Stunde nordöstlich von Glasgow abgehalten wurde, wird die Stimmung an den drei Spieltagen ab diesem Freitag prächtig sein. Die Deutsche Caroline Masson aus Gladbeck, die bereits zum vierten Mal dabei ist, sagte der "Sportschau": "Du kommst zum ersten Abschlag, und es ist ein bisschen wie im Fußballstadion."

Suzann Pettersen ist gar, nach einer Mutterpause, als 635. im Ranking ins Team gerückt

Was die weite Welt des Golfsports betrifft, ist der Solheim Cup aber dennoch eher noch ein Randereignis. Bezeichnend: Noch am Tag vor dem ersten Abschlag bestimmte in den meisten englischsprachigen Golfmedien und Portalen eine Wahl die Schlagzeilen. Dass der Nordire Rory McIllroy und nicht US-Profi Brooks Koepka zum PGA-Spieler der Saison gekürt wurde, sorgte für Debatten.

Dieses Ungleichgewicht hat nicht nur damit zu tun, dass das globale Männergolf so dominant ist (und Events sowie Spieler besser vermarktet). Sondern auch damit, dass im Fall des Solheim Cups ein Nachteil besteht. Denn anders als im Ryder Cup treten bei den Frauen nicht durchgängig die besten Vertreterinnen ihres Sports an, was wiederum an sehr anderen Machtverhältnissen im Frauengolf liegt. Spielerinnen aus Südkorea und inzwischen auch vermehrt aus Thailand, Japan und China prägen die Weltspitze. Acht der ersten zehn der Weltrangliste fehlen in Gleneagles somit, nur Lexi Thompson (3.) und Nelly Korda (10.) aus den USA vertreten diese Elite. Von den besten 50 Spielerinnen der Welt sind wiederum kraft ihrer Herkunft 32 Proetten nicht teilnahmeberechtigt. Die Norwegerin Suzann Pettersen ist gar, nach einer Mutterpause, als 635. ins Team gerückt, wenn auch per sogenanntem Pick der Kapitänin Catriona Matthew. Angesichts dieser Verzerrung wirkt es doch zu paukenschlagend, wenn der Solheim Cup selbst damit wirbt, es finde nun der "Höhepunkt des Frauengolfs" statt.

Die Diskussionen, dass ein anderes Duell sportlich schlüssiger wäre, sind nicht neu, aber die frühere Spitzenspielerin Karen Stupples brachte im britischen Guardian auf den Punkt, worin das Besondere des Solheim Cups begründet ist: "Ich denke, es geht um die Wurzeln dieses Turniers und die Wurzeln des Ryder Cups", sagte die Engländerin. Am Anfang sei es ein Kampf wie bei David gegen Goliath gewesen, nun hätten sich die Leute daran gewöhnt. "Würde eine koreanische Gigantin gegen eine amerikanische Gigantin spielen, wäre es nicht das gleiche Gefühl." Rivalität lebt eben auch von seiner Geschichte, und aus diesem Grund wird der Solheim Cup auch wieder in Gleneagles funktionieren.

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SZ vom 13.09.2019
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