GolfDer verlorene Filou

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Hat das Siegen verlernt: Golfprofi Cameron Smith.
Hat das Siegen verlernt: Golfprofi Cameron Smith. Ashley Landis/AP
  • Cameron Smith gewann 2022 die Open Championship in St. Andrews und galt als australischer Golf-Magier mit raffinierten kurzen Schlägen.
  • Smith wechselte für 100 bis 140 Millionen US-Dollar zur saudi-arabischen LIV Tour und verlor das Siegen.
  • Der 32-Jährige lehnte im Januar ein Rückkehr-Angebot der PGA Tour ab, kämpft mit dem Selbstvertrauen und hinterfragt sein Spiel.
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Cameron Smith dominierte im Golfsport auf wundersame Weise, ehe ihm die Raffinesse abhandenkam. Über einen 32-Jährigen, der sich gegen den Totalabsturz stemmt.

Von Felix Haselsteiner

Um den Absturz des Cameron Smith wirklich zu verstehen, braucht es erst die Erinnerung an den Höhenflug. An einen goldenen, hochsommerlichen Sonntag im schottischen St. Andrews, der Heimat des Golfsports. Auf dem Old Course gewann Smith nicht nur die Open Championship, er dominierte auf eine wundersame Art und Weise: Mit einem Mullet und einem Schnurrbart ausgestattet zog der Australier damals aus, um Rory McIlroy noch den Titel zu stehlen. So fein und präzise manövrierte Smith sich 2022 über die Golfplätze der Welt, so raffiniert waren seine kurzen Schläge, dass ihm die Kommentatoren damals den „Wizard of Aus“ nannten, den australischen Magier.

29 Jahre alt war Cameron Smith, im Sommer 2022, als ein ganzer Sport ihn als authentischen Helden aus Down Under feierte. Bis sich Smith dagegen entschied, diese Rolle weiterzuspielen und womöglich Teil einer Ära zu werden. Sondern stattdessen abkassierte – und einen beachtlichen Niedergang erlebte.

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Bis heute ist die genaue Summe, die Smith aus Saudi-Arabien überwiesen bekam, etwas umstritten. Fest steht: Es waren heaps of dough, wie man in Australien sagt. Zwischen 100 und 140 Millionen US-Dollar soll Smith erhalten haben, als Handgeld für seinen Wechsel auf die LIV Tour, die damals als finanzkräftiges Start-up auftrat und einige der weltweit besten Spieler überzeugte, die etablierte PGA Tour zu verlassen. So auch Smith, der am Höhepunkt seiner Karriere, mit einem Major-Titel in der Tasche, den besten Zeitpunkt für einen Cash-Out gekommen sah.

Verständlich war das, aus mehreren Blickwinkeln: Für die LIV Tour war das sportverrückte Australien ein interessanter, von den USA weitgehend ignorierter Markt. Und für Smith war es eine Gelegenheit, häufiger vor heimischem Publikum zu spielen und generell mehr Zeit für ein besseres Leben mit nahezu unendlich großem finanziellem Spielraum zu haben. Genau das nämlich machte Smith als Figur so interessant: Ein Filou am Golfschläger war der Mann mit der Vokuhila-Frisur, der nie verbissen wirkte, sondern seine Zeit gerne beim Fischen verbringt. „Mehr Zeit mit Freunden und Familie“, sei der Hauptgrund für seinen Wechsel gewesen, sagte Smith einmal. Und vielleicht kann man mit diesem Satz teilweise erklären, was in den vergangenen Jahren geschehen ist.

Am Freitagnachmittag stand in Augusta fest, dass sich die katastrophale Serie des einstigen Helden fortsetzt. Zum sechsten Mal in Folge verpasste er bei einem Major-Turnier den Cut, den Sprung ins Wochenende. Im Golfsport ist das eine beachtliche Statistik, vielleicht am ehesten vergleichbar mit Niederlagen in der ersten oder zweiten Runde im Tennis.

„Ich hinterfrage sehr viel auf dem Platz im Moment“, sagt Smith

Die Gründe für diesen Absturz sind auf den ersten Blick offensichtlich – wenngleich diejenigen, die Smith kennen, versuchen mehr zu erkennen als nur einen heute 32-Jährigen, der bei all den Dollars sein Golfspiel verloren hat. „Ich glaube nicht, dass es allein die Einstellung ist, dass er es nicht mehr genug möchte“, sagte Ian Baker-Finch. Der Australier ist einer der anerkanntesten Experten im Golfsport, er sieht in Smith weiterhin einen „Weltklasse-Spieler“. Allerdings einen, der unter dem Konzept der LIV Tour besonders leidet. Auf verhältnismäßig einfachen Plätzen wird die saudi-arabische Tour gespielt, auf denen die großen, starken Spieler eher gewinnen als die kundigen Techniker wie Smith. Der hat zuletzt sein Selbstvertrauen verloren, wie er offen zugibt: „Ich hinterfrage sehr viel auf dem Platz im Moment“, sagte Smith am Donnerstag in Augusta: „Es ist, was es ist. Ich versuche es ein bisschen wegzulächeln.“

Bleibt die Frage, wie lange ihm dazu noch Gelegenheit bleibt: Die fünfjährigen Startberechtigungen, die er 2022 mit seinem Sieg bei der British Open erhielt, laufen 2027 aus. Für einen Erfolg beim Masters etwa bleibt ihm nur noch das Turnier im kommenden Jahr. Was der reiche, aber etwas verloren wirkende Smith zuletzt ausschloss: Eine Rückkehr in die Vergangenheit. Ein Angebot der PGA Tour aus dem Januar lehnte er ab. Dabei hätten ihm die Amerikaner als einem der wenigen LIV-Spieler überhaupt die Tür geöffnet, was den Stellenwert untermauert, den Smith weiterhin als Charakter in seinem Sport genießt. Trotz all der verpassten Sprünge ins Wochenende.

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