Süddeutsche Zeitung

Golf:Arm in Arm

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Der Norweger Viktor Hovland wehrt einen Angriff von Martin Kaymer erfolgreich ab und gewinnt das Münchner Golfturnier.

Von Felix Haselsteiner, Eichenried

Gerade als es danach aussah, als würden die BMW International Open ihr märchenhaftes Ende mit einem Heimsieg bekommen, fand Viktor Hovland sich wieder auf den Eichenrieder Grüns zurecht. Der junge Norweger war als Führender in den Schlusstag gestartet, hatte drei Schläge Vorsprung vor seinen Verfolgern und somit eine mehr als komfortable Ausgangsposition gehabt. Doch der 23-Jährige spielte seine finalen 18 Löcher bei weitem nicht so souverän wie die ersten 54, er ließ die Konkurrenten noch einmal in seine Nähe kommen - nur um dann mit drei Birdies auf den Löchern 13, 16 und 18 doch zu beweisen, dass dieser Turniersieg ihm gehörte. Mit einem finalen Score von 269 Schlägen - 19 unter Par - gewann Hovland als erster Norweger ein Turnier der European Tour.

"Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll", sagte Hovland später bei der Siegerehrung: "Ich habe das europäische Gefühl vermisst nach so vielen Turnieren in den USA." Er habe sich "in München sehr wohlgefühlt", so Hovland mit dem Pokal in der Hand. Sportlich betrachtet war die Analyse, warum es doch noch knapp wurde, recht simpel: Auf den Grüns hatte ihn auf den letzten 18 Löchern sein Gespür verlassen, Hovland spielte zwar weitgehend ohne große Fehler, aber eben etwas glücklos mit dem Putter in den Händen.

Nutznießer dieser Schwächephase war Martin Kaymer. Ein Sieg beim Heimturnier wäre für den 36-jährigen Rheinländer, der seit 2014 kein Golfturnier mehr gewinnen konnte, mindestens so besonders gewesen wie für den Standort Eichenried, der in dieser Woche mit nur ein paar Hundert Zuschauern am Tag auskommen musste. Kaymer versuchte alles, um noch eine Aufholjagd möglich zu machen und spielte am Schlusstag sein bestes Golf: Zehn Birdies und zwei Bogeys brachten ihm eine Runde mit 64 Schlägen ein, acht Schläge unter dem Platzstandard.

"Ich war sehr zufrieden, wie ich heute gespielt hatte", sagte Kaymer nach dem Turnier: "Ich wusste, dass es vom Spielerischen her möglich ist, hier so zu spielen, wenn es gut läuft." Es sei für ihn einfach wichtig gewesen, zu zeigen, dass sein Spiel wieder auf dem hohen Niveau ist, das er braucht, um Turniere zu gewinnen: "Das habe ich schon lange nicht mehr so gefühlt." Insbesondere den letzten Putt seiner Runde hob Kaymer hervor: Auf Loch 18 hatte er mit einem sehenswerten Schlag aus etwa 100 Metern fast eingelocht und schließlich den Rückputt zu einem abschließenden Birdie verwandelt. "Das war ein Putt, den man machen muss, wenn man dieses Turnier gewinnen will. Wenn der nicht reingeht, kannst du dich ins Auto setzen und nach Hause fahren", sagte Kaymer.

Hovland schloss die Runde mit einem Birdie ab

Der Schlussakkord der Runde des besten Deutschen im Turnier war gleichzeitig auch einer der wenigen Momente des Wochenendes, an denen Turnierstimmung aufkam: Rund um das 18. Grün hatten sich fast alle Zuschauer auf der Anlage versammelt, es brandete Applaus und Jubel auf, als Kaymer einlochte und mit insgesamt 17 Schlägen unter Par die Führung übernahm. Dann jedoch kam Hovland zurück. Sein Schlaggewinn auf Loch 16 brachte ihm einen Vorsprung von zwei Schlägen bei noch zwei verbliebenen Löchern, auch wenn die Verunsicherung weiterhin spürbar war. Auf Loch 17, einem Par 3, verpasste er das Par und hatte nur noch einen Schlag Vorsprung auf dem letzten Loch des Turniers - das reichte jedoch. Ein abschließendes Birdie auf dem 18. Loch war der würdige Abschluss einer herausragenden Leistung über vier Tage.

Am Ausgang des Grüns in Richtung der Medienzone wartete auf Hovland bereits der Zweitplatzierte Kaymer, gratulierte ihm - und legte väterlich den Arm um die Schultern des 23-Jährigen. Kaymer und Hovland wird eine gewisse Ähnlichkeit nachgesagt, beide sind ruhige, freundliche Typen, die ihren Sport reflektiert betrachten. Das zeigte auch Kaymers Geste, dem jüngeren Konkurrenten sofort aufrichtig zu gratulieren. Es könnte durchaus sein, dass das Bild der beiden, wie sie Arm in Arm nebeneinander hergehen, später im Jahr noch einmal so ähnlich zu sehen sein wird: Dass Hovland eine der großen europäischen Hoffnungen beim Ryder Cup in September ist, hat er mit seinem Sieg in München noch einmal untermauert. Kaymer wird ihn dann allerdings nicht mehr als Gegner begleiten oder gar, wie auf den letzten 18 Löchern in Eichenried, als Jäger, sondern als Vizekapitän des europäischen Teams.

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