Gold für Eric Frenzel"Wie er da attackiert hat, ist sensationell"

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Schrie im Ziel seinen Jubel heraus: Eric Frenzel.
Schrie im Ziel seinen Jubel heraus: Eric Frenzel. REUTERS
  • Kombinierer Eric Frenzel kann sein Olympia-Gold aus Sotschi verteidigen, weil er am letzten Berg die entscheidende Attacke setzt.
  • Dabei galten diesmal andere als Favoriten.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen der Winterspiele.

Von Thomas Hummel

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Wenn der Größte seiner Sportart bei Olympia siegt, dann ist das kaum verwunderlich. Doch Eric Frenzel, der König der Nordischen Kombinierer, wirkte bei seinem Zieleinlauf keineswegs wie einer, der den Erfolg erwartet hatte. Und er wusste: Auf der Anlage in Pyeongchang hatte auch das Glück mitgespielt.

"Ich bin sprachlos. Ich habe so geschrien, dass ich fast keine Stimme mehr habe, und muss mit den Tränen kämpfen", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch nach dem Wettkampf. Gold im kleinen Wettbewerb der Kombinierer, also dem Springen auf der Normalschanze und dem Langlauf über zehn Kilometer, für Eric Frenzel ist das ein weiteres Kapitel zum Legendenstatus in seiner Sportart.

Andere galten diesmal als Favoriten

In Sotschi 2014 hatte er bereits Gold in diesem Wettbewerb gewonnen, dazu war er fünfmal Weltmeister, fünfmal Gesamt-Weltcup-Sieger. Jetzt ist Frenzel 29 Jahre alt und die Konkurrenz läuft wieder hinterher. Dabei hat sie eigentlich gehofft, endlich dem Frenzel die Titel streitig machen zu können.

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:Kombinierer Frenzel sprintet zu Gold

Der deutsche Fahnenträger holt einen Rückstand von 36 Sekunden auf und verteidigt seine Gold-Medaille aus Sotschi. Johannes Rydzek verpasst nach einer Aufholjagd das Podest.

In der aktuellen Weltcup-Wertung liegt Frenzel nur auf Rang acht, nur ein Rennen hatte er in diesem Winter gewinnen können. Vor allem beim Springen hatte wenig geklappt. Von der Schanze sind rätselhafte Form-Einbrüche bisweilen kaum zu erklären, nicht selten räumt auch bei den Spezialisten ein Athlet über Monate alles ab und findet sich plötzlich ganz weit hinten wieder. Die Detailsuche nach den Ursachen kann mühsam sein, es heißt, Frenzel sei auf verklebte Muskelgruppen gestoßen, die ihn in der Anfahrtshocke behindert hätten. Zudem habe das Material nicht gestimmt.

Frenzel kam im Laufe der Saison wieder heran, doch Favoriten bei Olympia waren andere. Die Führenden im Weltcup etwa, der Japaner Akito Watabe sowie die beiden Norweger Jan Schmid und Jörgen Graabak. Auch Frenzels Teamkollegen Fabian Rießle und Johannes Rydzek wurden höher gehandelt. Rydzek ist immerhin viermaliger Weltmeister von 2017 und Sportler des Jahres in Deutschland gewesen.

Doch dann kam das Springen im Alpensia Jumping Park. Und der sibirische Wind aus dem Norden. Und damit der Umstand, dass einige Favoriten viel zu früh landeten. Rießle, Schmid und Graabak erwischte es besonders hart, auch Rydzek war als Elfter weit abgeschlagen. "Gefährlich war es nicht, aber es war halt Lotterie. Letztendlich hat der Wind entschieden, wer die Möglichkeit hat, eine Medaille zu gewinnen oder nicht", sagte Weinbuch. Frenzel hatte hingegen Glück, sprang auf 106,5 Meter und fand sich mit dem fünften Platz in einer guten Position wieder.

Das Langlaufen wurde dann zwischenzeitlich fast zu einem Steher-Wettbewerb. Keiner aus der Spitzengruppe wollte die Lokomotive spielen und die anderen mitziehen. So durfte der starke Läufer Rydzek fast noch hoffen, heranlaufen zu können. Bis Eric Frenzel selbst das Tempo anzog und von vorne das Rennen bestimmte. Am letzten Anstieg sprintete er derart den Berg hinauf, dass auch der Japaner Watabe als letzter Verfolger nicht mehr mithalten konnte. "Mein Ziel war es, die Geschwindigkeit hochzuhalten", sagte er später, weil im Endspurt wohl der ein oder andere schneller gewesen wäre: "Ich habe versucht, mein Heil in der Offensive zu suchen, nur nach vorne zu schauen. Als ich im Zielbereich einlief und gesehen habe, dass keiner mehr hinter mir ist, hab ich es realisiert."

Die anderen Deutschen kamen alle in die Top Ten. Vinzenz Geiger wurde Neunter, Rießle lief noch auf Rang sieben vor, Rydzek auf Rang fünf. Rydzek huldigte dem neuen Olympiasieger aus dem eigenen Team: "Hut ab, dass er den Sieg von Sotschi nach dieser Saison wiederholt. Er ist ein ganz Großer. Wie er da attackiert hat, das ist sensationell."

Frenzel sprach anschließend von viel Arbeit, die sich nun in Südkorea gelohnt hatte. Und von seiner Familie, die ihm großen Rückhalt gegeben hatte in den schwierigen Wochen zuvor. Frenzel ist schon mit 18 Jahren Vater geworden, seine Ehefrau Laura ist noch zwei Jahre jünger. So erlebte der elfjährige Sohn Philipp den Olympiasieger zusammen mit der Mutter auf der Tribüne live mit, laut einer Nachrichtenagentur sei er wild auf und ab gehüpft. Die Frenzels haben inzwischen zwei weitere Kinder bekommen, die allerdings wohl zu klein sind für die lange Reise nach Südkorea.

Zwei Wettbewerbe warten jetzt noch bei diesen Winterspielen auf die Kombinierer. Seit Hermann Weinbuch 1996 das Amt des Bundestrainers übernahm, sind die Deutschen die Nummer eins in dieser Sportart. Der Sieg Frenzels war die 45. Medaille in seiner Amtszeit. Und wer Frenzel zuhörte am Mittwochabend in Pyeongchang, der musste den Eindruck haben, dass hier noch einige dazukommen werden. Am kommenden Dienstag steht der Einzelwettbewerb von der Großschanze an, zwei Tage später steigt die Teamentscheidung. "Ich denke, wir sind momentan alle gut drauf", sagte Frenzel: "Wir werden weiter angreifen."

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