Gold für Beachvolleyballer Reckermann und Brink:"Volleyball-Gott auf unserer Seite“

Doch Reckermann und Brink wirkten bereits in den Runden zuvor fokussiert und konzentriert. Nach dem Halbfinale erklärten die unterlegenen Niederländer verzweifelt, diese Deutschen hätten einfach keine Fehler gemacht. Und sie zeigten auch keine Emotionen, keinem Gegner wollten sie Anhaltspunkte geben über ihren Gemütszustand. An dieser Wand des Willens zerbrachen die Gegner gerade in engen Situationen. So entschieden die Deutschen auch den ersten Satz im Finale.

Olympics Day 13 - Beach Volleyball

Der Moment ihrer Träume: Jonas Reckermann und Julius Brink gewinnen Gold in London.

(Foto: Getty Images)

Zwei Satzbälle hatten Alison Cerutti und Emanuel Rego, sie verballerten diese keineswegs, ihre Gegner leisteten sich in dieser wichtigen Phase vielmehr einfach keine Schwächen. Die Deutschen wehrten die Satzbälle ab und holten sich den Durchgang mit 23:21. Das war umso wichtiger, weil die Brasilianer im zweiten Satz extrem stark spielten. Alison ist der vermutlich brachialste Angreifer auf der Beach-Tour, Emanuel technisch und strategisch eine Ikone seines Sports. 21:16 ging der zweite Satz an die beiden, es ging in den dritten Durchgang.

Schon jetzt war klar, dass sich um diese Partie Legenden bilden würden. Spektakuläre Ballwechsel ließen die 15.000 im Stadion immer wieder aufspringen. Die Aufschläge flatterten und rasten übers Feld, am Netz boten sich die großen Alison und Reckermann ein angsteinflößendes Kraftduell, die beiden kleineren Emanuel und Brink gruben in der Feldabwehr die Angriffsbälle aus dem Sand. Dazu faszinierten die Spieler mit Techniken und taktischen Spielzügen auf allerhöchstem Niveau.

Schon während des verlorenen zweiten Satzes musste Reckermann den emotionalen Brink wieder hochziehen. "Als ich so bisschen gezweifelt hab', sagte er mir: 'Komm, komm, kühler Kopf!' Das macht uns aus: Als ich mich da aus der Mitte verpisst habe. Er aber hat gesagt: Geht weiter, direkt abgehakt! Das war sehr stark von ihm, das hat mich zurückgebracht."

Im dritten Satz führten die Deutschen bald und hielten den Gegner auf Abstand. Beim Stand von 14:11 schien das Spiel entschieden, doch vor nur wenigen Wochen hatten Reckermann und Brink genau diesen Vorsprung bei einem Turnier in Moskau noch verspielt, noch 16:18 verloren. Bei 14:14 sah es fast nach einer Wiederholung dessen aus. "Als wir die zwei Dinge reinfallen lassen am Ende, ei, ei, ei, da ist mir das Herz in die Hose gerutscht, aber diesmal war dann der Volleyball-Gott auf unserer Seite", sagte Brink. Reckermann erinnerte sich: "Ich hab' gedacht: diesmal nicht, diesmal kämpfen wir bis zum Ende. Egal, welcher Dreck vorher passiert ist. Ich kann mich an die Punkte kaum mehr erinnern." Als Denkhilfe: Den Punkt zum 15:14 schmetterte Reckermann selbst ins Feld, dann schickte Emanuel einen Ball Zentimeter neben das Feld - 16:14, die Deutschen hatten Gold.

Später bei der Pressekonferenz benutzten beide Spieler mehrfach das Wort "Drama", so viele Höhen und Tiefen hätte das Spiel gehabt. Mit den Goldmedaillen um den Hals ordneten sie diesen Erfolg ins Große und Ganze ein: "Ich hoffe, dass das Spiel alle begeistert hat", sagte Brink im Hinblick darauf, ob Beachvolleyball in Deutschland durch den Sieg einen neuen Schub erhalten werde. Wie lange das Olympia-Paar noch Werbung für seine Sportart machen wird, wussten Reckermann und Brink in dieser Londoner Nacht noch nicht. Selbst eine Teilnahme an den Spielen in Rio schlossen sie nicht aus.

© Süddeutsche.de.de/fred/woja
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