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Tennis:Görges wagt den zweiten Neustart der Saison

Australian Open

Mit dem Jahr 2020 bislang nicht zufrieden: Julia Görges

(Foto: Lee Jin-Man/dpa)
  • Ende Oktober 2019 begann Julia Görges die Partnerschaft mit Trainer Jens Gerlach.
  • Nun ist diese von beiden Seiten einvernehmlich beendet worden.
  • Das kommt überraschend, schätzt die Tennisspielerin doch die kontinuierliche Zusammenarbeit.

Im Profitennis gibt es einige wenige Zeitfenster im Jahr, die sich für personelle Veränderungen innerhalb der Teams von Spielerinnen und Spielern eher eignen als andere Zeiten. Das erklärt zum Beispiel, warum es Ende des vergangenen Jahres recht turbulent zuging: Fast jede zweite Akteurin der Weltspitze tauschte auf der Frauentour WTA ihren Trainer aus, was insofern Sinn ergab, weil sie die wichtige Saisonvorbereitung gemeinsam gestalten und gleich neue Justierungen vornehmen können. Eine erste Zäsur erfolgt dann meist nach den Saisonauftaktturnieren in Australien sowie jenen in Dubai/Doha, was auch daran liegt, dass dann ein wenig Luft ist, um sich wiederum auf die kommenden wichtigen Wettkämpfe in Indian Wells und Miami einzustimmen. Die nächste passende Gelegenheit für Korrekturen wäre wieder vor dem Start der Sandplatzturniere, aber so lange wollte Julia Görges nach Lage der Dinge diesmal nicht warten. Ihre Partnerschaft mit Jens Gerlach, 46, die Ende Oktober 2019 offiziell begann, ist nun von beiden Seiten einvernehmlich beendet worden.

Zum einen ist dieser eher schnelle Schnitt natürlich überraschend. Görges ist nicht bekannt für einen Hire-and-Fire-Führungsstil, im Gegenteil. Sie schätzt die kontinuierliche Zusammenarbeit. Zum anderen passt der Entschluss aber doch zu Görges, die durchaus mit Klarheit ihr eigenes Tennis-Unternehmen als CEO stets führte und halbe Sachen eben nicht so gerne befürwortet. "Jens und ich haben beschlossen, unsere Spieler-Trainer-Beziehung zu beenden", bestätigt Görges der SZ in der ihr eigenen Aufgeräumtheit und erklärt dazu: "Nachdem wir unsere Partnerschaft und die persönlichen Umstände überprüft haben, halten wir es für das Beste, getrennte Wege zu gehen. Ich möchte Jens für seine harte Arbeit danken."

Görges verlor zu oft zu früh

Dass nicht alles so zusammenpasste, wie es sich beide beim Start erhofft hatten, liegt in der Natur einer Trennung und ließ sich wohl auch an den letzten Ergebnissen auf dem Platz ein wenig ablesen. Sie verlor zu oft zu früh. Auch Gerlach lässt in seiner Aussage gewisse Differenzen erkennen. "Julia und ich haben in den vergangenen fünf Monaten sehr intensiv an einigen Dingen gearbeitet", sagt der Allgäuer. "Aus persönlichen Gründen haben wir uns allerdings darauf verständigt, dass es im besten Interesse aller liegt, wenn ich von meiner Trainerrolle zurücktrete." Eindeutig erkennbar ist auf beiden Seiten der Wille, einen sauberen Schnitt ohne Misstöne zu vollziehen, und so, wie sich die beiden als Profis in ihren Bereichen stets gaben, sollte dieses Vorhaben gelingen. Gerlach, der 2004 die Russin Anastasia Myschkina zum French-Open-Titel geführt hatte, betreute danach zwei Jahre lang mit seiner freundlichen, harmoniebetonten Art die deutschen Fed-Cup-Frauen und ließ sich dann eigens für Julia Görges vom Verband DTB freistellen, als das Angebot kam.

So sehr Trennungen zwischen Spielern und Trainern auch immer festhalten, dass es sportlich nicht lief, so sehr dokumentiert sie in Görges' Fall aber auch ihren Ehrgeiz, wieder in höhere Ranglistenbereiche vorzustoßen. Sie war, das ist gar nicht so lange her, Nummer neun der Welt in ihrem grandiosen Jahr 2018, als sie in Wimbledon gar im Halbfinale stand. Derzeit wird sie auf Platz 38 geführt, was sicherlich nicht zu ihren Ambitionen und Fähigkeiten passt. Und Görges, daraus macht sie keinen Hehl, sie nahm es stattdessen stets amüsiert zur Kenntnis, wird nicht jünger. 31 Jahre alt ist die beste deutsche Spielerin neben Angelique Kerber. Ende 2019 hatte sie der SZ verraten, nur noch "Richtung zwei, drei Jahre" spielen zu wollen, weil es auch ein Leben danach gebe.

Den größten Teil ihrer Karriere hat Görges also hinter sich, was auch heißt, den Rest sorgsam zu planen. Sie werde sich daher Zeit nehmen bei der Auswahl eines neuen Trainers, betont sie. Bei den Turnieren in Indian Wells, Miami und Charleston wird sie, so der Plan, erst mal ohne Coach antreten. Alleine reist sie indes nicht. Fitnesstrainer Scott Byrnes und Physio Jörg Fauland begleiten sie beim zweiten Neustart 2020.

© SZ vom 04.03.2020/sonn
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