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Julia Görges im Tennis:Ihr Alter hilft ihr

Helfen bei diesem Justierungsprozess dürfte Görges ihr Alter. Denn auch wenn sie sich über ihres lustig macht und sich dafür bedankt, dass man sie an die 31 erinnere, weiß sie um die Kraft der Erfahrung. Sie wird zum Beispiel nicht mehr wie in jungen Jahren "von Turnier zu Turnier hopsen - wenn ich wo nicht spielen will, spiele ich nicht", Schlussstrich. Sie lässt ihre Karriere, das klingt auch durch, ausklingen - aber nur mit vollem Einsatz und zu ihren selbstbestimmten Bedingungen. Sie sehe immer noch "Raum für Verbesserung", sagt sie, körperlich sei sie fit, der Spaßfaktor im Team hoch.

Und doch benennt sie ihr Karriereende erstmals klar mit der Angabe: "Richtung zwei, drei Jahre" - "dann bin ich 33, 34, und es gibt auch ein Leben danach". Was sie meint? "Ich hoffe, dass ich dann irgendwann eine Familie gründen kann", sagt sie. Sie habe nicht bloß Träume. Sie wolle sie auch verwirklichen. Wobei mancher Traum so sachlich wirkt, dass Görges selbst wieder schmunzeln muss. Eine Vorliebe von ihr ist tatsächlich: Buchhaltung. "Es wäre schön, später mal ein paar Tage in der Woche in einem Betrieb zu arbeiten", sagt sie und biegt sich zurück.

Ja, es ist unübersehbar, dass die goldene Generation ihr letztes Kapitel angeht, Andrea Petkovic hat Essays verfasst und gerade ihr Debüt als Sportmoderatorin gewagt. Angelique Kerbers Manager Aljoscha Thron richtet 2020 in Bad Homburg ein Rasenturnier aus, Kerber dürfte dort später eine Rolle übernehmen. "Tennisdeutschland wird sich noch mal wundern, wenn wir alle abgetreten sind", sagt Görges, die weiß, dass ebenbürtige Nachfolgerinnen nicht in Sicht sind.

Sie wird 2020 mit Barty bei allen Grand Slams und den großen WTA-Events im Doppel antreten; dass die Australierin auf die Deutsche zurückgreift, zeigt auch den Respekt, den Görges genießt. "Es wäre schön, im Einzel noch mal in die Top Ten zu kommen", sagt sie. Mut macht ihr eine Erkenntnis: "Die Wege, die ich gegangen bin, haben mir fast immer den Erfolg gebracht, den ich wollte."

Eine Einstellung, die ihr übrigens auch bei der Familienplanung noch nützlich sein könnte. Auf die Frage, dass ja vielleicht auch ein Mann dafür ganz hilfreich wäre, erwidert sie herzhaft lachend: "Das wird sich auch noch regeln lassen!"

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