Serge Gnabry beim FC Bayern:Spiel des Lebens

Champions League - Group B - Tottenham Hotspur v Bayern Munich

Kann es selbst kaum glauben: Serge Gnabry trifft viermal gegen Tottenham.

(Foto: REUTERS)

Von Christopher Gerards, London

Das Spiel war schon abgepfiffen, aber aufregende Ereignisse sollte es für Serge Gnabry noch geben. Zunächst war da ein kleineres Gefecht mit seinem Mitspieler Niklas Süle, ausgetragen während der Feierlichkeiten vor den Bayern-Fans. "Wir haben einfach ein bisschen Spaß gemacht. Ich habe ihm eine Klatsche auf den Kopf gegeben, und er hat sich umgedreht und dann hat er einfach kurz reingegrätscht", berichtete Gnabry später, "aber alles gut".

Und dann trug sich auch noch diese Geschichte mit dem Ball zu. Javi Martínez hatte ihn ins Publikum gekickt, "aber ich habe ihn wiederbekommen", wie Gnabry bei Dazn angab, "dafür vielen Dank". Wäre ja auch zu schade gewesen: das Souvenir zu verlieren, das symbolisch stand für seinen großen Abend, für seine vier Tore beim außergewöhnlichen 7:2 des FC Bayern gegen Tottenham Hotspur.

Beim vierten Tor ist Gnabry platt

Ob er das beste Spiel seines Lebens gemacht habe, wurde Gnabry, 24, später in der Mixed Zone gefragt. "Weiß ich nicht", gab er zurück, "meine ersten vier Champions-League-Tore direkt an einem Tag zu erzielen, war natürlich grandios." Es habe "schon einige gute Spiele" gegeben für ihn, "aber heute war es denke ich mit vier Toren eines der besten".

Schon nach zwei Minuten hätte Gnabry an diesem Abend treffen können, in diesem Fall konnte Hugo Lloris aber noch halten. In der zweiten Hälfte war das anders. Erst rannte Gnabry den Flügel runter, zog in die Mitte und schoss mit rechts ins Tor (53.). Kurz darauf traf er mit links und unter Beteiligung des Pfostens (55.). Dann bediente ihn Thiago sehenswert (83.). Und dann: traf er halt nochmal (88.) - irgendwie. Gnabry wisse selbst nicht, "wie er das vierte gemacht hat, weil er einfach müde war", berichtete Sportdirektor Hasan Salihamidzic: "Hat einfach geschossen, hat er gesagt."

"Das ist heute sein Abend", sagte Niklas Süle, er freue sich "unglaublich", Gnabry sei "ein sehr, sehr guter Freund". Und als Kapitän Manuel Neuer um ein Statement zu Gnabrys Leistung gebeten wurde, sagte er: "Was soll man dazu sagen? Er hat ja wirklich alles getroffen. Er hat Zug zum Tor, kann mit beiden Beinen abschließen und hat wirklich einen tollen Abschluss." Auch Niko Kovac fand bei Dazn lobende Worte, natürlich: "Ich möchte erst einmal alle hervorheben: Das war eine Sternstunde der gesamten Mannschaft. Aber natürlich ganz besonders für Serge. Wirklich ganz fantastisch", sagte er. "Er hat heute das gezeigt, was ich von ihm erwarte. Nicht nur im Spiel nach vorne, denn da weiß ich, was er kann. Sondern auch im Spiel gegen den Ball." Letzteres hatte ihn schon auf der Pressekonferenz vor dem Duell beschäftigt: Gnabrys Spiel nach hinten, das Kovac als ausbaufähig empfindet. Wobei das Thema an diesem Abend ziemlich nachrangig war.

In England erlebte Gnabry auch unglückliche Zeiten

Das Spiel in London war auch eine Rückkehr für Gnabry. Fünf Jahre spielte er in England, meist beim FC Arsenal, Tottenhams Stadtrivalen aus London. Und rund ein halbes Jahr verbrachte er im Zentralwesten, bei West Bromwich Albion. An diese Zeit - deutlich weniger glänzend als der Dienstagabend - erinnerten nun nochmal mehrere britische Medien, etwa der Guardian: "Es ist unglaublich daran zu denken, dass Gnabry 2015/16 eine unglückliche Leihe bei West Bromwich Albion unter Tony Pulis verbrachte." Gnabry habe sich gar "zu einem Welt-Star entwickelt, seit er die Premier League verlassen hat".

Das war eine sehr große Bezeichnung, aber unabhängig davon, wie treffend sie ist, steht fest, dass Gnabry ein sehr wichtiger Spieler des FC Bayern geworden ist. Mit Kingsley Coman bildet er jenes Duo auf den Flügeln, das Arjen Robben und Franck Ribéry ersetzen soll, mit Ivan Perisic muss er sich zugleich gegen einen neu dazugekommenen Konkurrenten behaupten. Er spielt dabei mal links, mal rechts, sein letzter Treffer in London gelang ihm, nachdem er - anders als zuvor - von rechts nach vorne gelaufen war.

Rhetorisch hielt sich Gnabry nach dem Spiel weitgehend zurück und blickte bereits der nächsten Aufgabe entgegen. Den Abend könne man genießen, sagte er, dann gehe es am Wochenende weiter - in München, gegen seinen Ex-Klub Hoffenheim.

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