MeinungEM-Kolumne „Sommerbärchen“Kickin’ in the rain

Glosse von Sebastian Fischer

Lesezeit: 1 Min.

„Oh, wie ist das schön“: Diese beiden dänischen Fans haben verstanden, worum es bei dieser EM geht - eine gute Regenzeit zu haben.
„Oh, wie ist das schön“: Diese beiden dänischen Fans haben verstanden, worum es bei dieser EM geht - eine gute Regenzeit zu haben. (Foto: Federico Gambarini/dpa)

Spätestens seit dem Dänemark-Spiel gehört der Regen zu dieser EM wie 2006 der Sonnenschein zum Sommermärchen. Anders als damals gibt es keinen Kaiser, der sich dafür zuständig fühlt – macht aber nichts.

Seit dem Wochenende ist klar, dass es bei dieser EM in Deutschland nichts mehr wird mit dem Sommermärchen, aber das störte die wenigsten. Auch beim „Donnermärchen“ (Spiegel, Express) bzw. dem „Sommergewitter-Märchen“ (Bild, Focus) haben die Fans sich hervorragend amüsiert. Jene, die ein trockenes Plätzchen unter den Tribünen ergattert hatten, sangen während der Spielunterbrechung sogar „Oh, wie ist das schön.“

Es war das passende Wetter dafür, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem 2:0 gegen Dänemark die Mannschaft dafür loben konnte, Widerstände überwunden zu haben. Es war das passende Wetter für die donnernden Zweikämpfe von Antonio Rüdiger. Und ohnehin ist der ständig wiederkehrende Regen vielleicht das passende Wetter für dieses Turnier, in dem es mehr denn je darum geht, allen Widrigkeiten zum Trotz (der Zustand des deutschen Schienennetzes, die politische Großwetterlage in Europa) eine gute Zeit zu haben.

Nun, für das Viertelfinale in Stuttgart, hält der Wetterbericht allerdings diese Vorhersage bereit: teils bewölkt, Höchsttemperaturen bis zu 25 Grad, kein Niederschlag. Vorteil Spanien?

Der Bundestrainer hat bereits nach dem Sieg gegen Dänemark die Zuständigkeit für meteorologische Fachfragen von sich gewiesen. „I’m not Mr. Kachelmann“, sagte er. Wäre es 2006, hätte er darauf vertrauen können, dass sich um solche Dinge Franz Beckenbauer kümmert, der nicht zuletzt deshalb mit dem Hubschrauber jedes Spiel besuchte, um höchstpersönlich jede Wolke zu vertreiben, für das zum Sommermärchen passende Kaiserwetter. Er wusste schließlich: „Erfolg ist ein scheues Reh. Der Wind muss stimmen, die Witterung, die Sterne und der Mond.“

Philipp Lahm, der Organisationschef der EM 2024, will dem gar nicht nacheifern, hat er am Sonntag im „Doppelpass“ zugegeben. Zu jedem Spiel mit dem Hubschrauber zu fliegen, das passe im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie der EM „nicht mehr in die aktuelle Zeit“. Und überhaupt: Als „kleiner Schisser“ würde er sich „sowieso nicht trauen, in einen Hubschrauber zu steigen“. Dass die „Witterungen“ bei diesem Turnier wichtig seien, hat er jedoch selbst angesprochen. Sie seien schließlich Teil der Erklärung für die Verspätungen der Bahn, mit der er zu ausgewählten Spielen anreist.

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