bedeckt München 20°
vgwortpixel

Glosse:Mode am Mittelkreis

Eigentlich hatte der Stuttgarter Trainer Tim Walter beim Schiedsrichter nur die schönen schmeichelhaft veilchenblauen Trikots des Gegner aus Aue loben wollen. Irgendwie hat er dabei aber doch eine 5000-Euro -Strafe wegen Unsportlichkeit kassiert.

Der Fußball wird auch nicht schöner, modisch gesehen. Rot in München, gelb in Dortmund, grün in Bremen: Aus Designersicht bleibt die Trikotgestaltung aufregend wie ein Faltenrock. Nur der 1. FC Köln leistete sich ein wenig Extravaganz und überrascht bei der Ausweichkollektion mit einem Grafikmuster: dem stilisierten Dom auf nachtblauem Untergrund. Ansonsten: Tristesse landauf, landab, auch beim VfB Stuttgart, der sich in der zweiten Liga weiter an seinen roten Brustring klammert.

Optisch von Vorteil ist so ein Retro-Rettungsring in keiner Hinsicht, wie Trainer Tim Walter seufzend erkannte, als seinem Team im Auswärtsspiel bei Erzgebirge Aue am 23. August angeblich ein Elfmeter versagt blieb. "Ich dachte, meine Frau pfeift heute", sagte er zum Schiedsrichter: "Die pfeift auch immer für die mit den schönsten Trikots." Aue spielt bekanntlich in schmeichelhaftem Veilchenblau. Der DFB hat Walter nun eine Strafe von 5000 Euro auferlegt, wegen Unsportlichkeit, was wiederum Walter erbost. Und in der Tat hätte sich der Verband dem Trainer, beziehungsweise der Expertise seiner Frau, auch dafür erkenntlich zeigen können, dass sie auf die modische Rückständigkeit des deutschen Fußballs hinweisen. Stattdessen haben die Walters nun ein Loch von 5000 Euro in der Familienkasse. Das hätte gereicht, um dem VfB einen neuen Trikotsatz zu spendieren. Vielleicht mit Grafikmuster. Oder in revolutionärem Violett.