Fußballer und Transfers:Im Museum der subtilen Botschaften

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Fußballer und Transfers: Landete am Ende doch nicht in Valencia: Rafael van der Vaart.

Landete am Ende doch nicht in Valencia: Rafael van der Vaart.

Serge Gnabry trägt ein Juventus-Käppi, Robert Lewandowski wird rein zufällig beim Essen mit Barcelona-Trainer Xavi fotografiert. Doch im Bereich der nonverbalen Kommunikation geht noch mehr!

Glosse von Philipp Schneider

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Anblick eines Apfels vom Gehirn ungefähr 60 000-mal schneller zu der erfreulichen Erkenntnis "Siehe da, ein Apfel!" verarbeitet wird als die mühselige Lektüre der Buchstaben "A" "P" "F" "E" "L". Und während die Erinnerung an ein Wort wie - nur so zum Beispiel - "Basta" schnell verblasst, können visuelle Informationen besser gespeichert werden: fünf- bis sechsmal so lang.

Der Ausflug in die Neurowissenschaften ist wichtig, um zu verstehen, warum beim FC Bayern immer weniger gesprochen und dafür zunehmend in Bildern kommuniziert wird. Wer eine elementare Botschaft senden möchte, inszeniert mit viel Liebe eine Aufnahme und lässt sie dem Adressaten auf eine Weise zustellen, die wie zufällig wirkt. Einen gelungenen Vorstoß wagte jüngst Serge Gnabry, als er im Internet einen Schnappschuss aus dem Urlaub veröffentlichte.

Ganz in Schwarz gekleidet sitzt Gnabry auf einer Bank und daddelt auf dem Handy. Beinahe wäre dem unbekannten Fotografen mithin ein Schnappschuss bar jeglicher Aussage gelungen; würde das blasse Arrangement nicht unweigerlich den Blick zum einzigen Farbtupfer lenken: einem neongrünen Streifen auf Gnabrys Käppi! Frage jetzt also: Warum trägt ein Spieler des FC Bayern, der sich weigert, seinen Vertrag zu noch üppigeren Bezügen als ohnehin schon zu verlängern, eine Kopfbedeckung aus der Kollektion von ... Juventus Turin?!

Passt bloß auf, ich kann auch gehen wäre ein passender Titel für das Bild, würde man es rahmen und ausstellen in der Galerie der subtilsten Botschaften von Fußballern. Dort hinge es neben dem Foto Ihr Amateure haltet mich nicht auf (Rafael van der Vaart, 2007). Obwohl van der Vaart noch an den HSV gebunden war, wollte der Niederländer zum FC Valencia wechseln, also hielt er schon mal ein Trikot des spanischen Klubs in die Kamera und grinste frech. Aber die Hamburger blieben damals hart.

Fußballer und Transfers: Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder (Mitte) präsentiert mit Fredi Bobic (rechts) vorschnell Torwart Andreas Köpke als vermeintlichen Zugang beim VfB Stuttgart - der Wechsel kam nie zustande.

Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder (Mitte) präsentiert mit Fredi Bobic (rechts) vorschnell Torwart Andreas Köpke als vermeintlichen Zugang beim VfB Stuttgart - der Wechsel kam nie zustande.

(Foto: Alternate/Imago)

Im Museum gleich daneben: das berühmte Foto Ich hab da noch ein Ass im Handschuh, ihr Trottel von und mit Torwart Andi Köpke. Nach einer mündlichen Zusage beim VfB Stuttgart präsentierte er 1996 bereits dessen Trikot, unterschrieb aber kurz darauf doch lieber beim FC Barcelona. Weil sein doppeltes Spiel ans Licht kam und die Spanier eine Ausstiegsklausel hinterlegt hatten, wurde Köpke von den hintergangenen Klubs in die Besserungsanstalt Olympique Marseille geschickt.

Ein Foto zeigt Bayern-Stürmer und Barça-Trainer im "Lio" auf Ibiza

Weil ihm dämmert, dass er allein mit Nörgelei in der gedruckten Bild nicht zum Ziel kommt, hat nun auch der wechselwillige Bayern-Stürmer Robert Lewandowski ein Bild zum Anschauen eingereicht. Das vom Journalisten Gerard Romero rein zufällig geschossene Foto Wir sind dann schon mal lecker essen zeigt ihn an der Seite von Barcelonas Trainer Xavi beim Eintritt in das "Lio" auf Ibiza. Im berühmten Varieté-Restaurant besprachen Trainer und Stürmer, ob sich die Pleitegeier über Barça noch rechtzeitig vertreiben lassen, bevor Lewandowski beim Trainingsstart in München die Schuhe schnüren muss. Und beim Cabaret soll Xavi nach SZ-Informationen die Idee für ein Bild gekommen sein, das die sturen Bayern endgültig an den Verhandlungstisch zwingen wird.

Sollten sie an der Säbener Straße auch den vierten und fünften Geldkoffer ablehnen, wird Lewandowski kommende Woche auf Instagram ein Foto hochladen: Es zeigt den Stürmer im Hagebaumarkt Erding, grinsend schiebt er einen Einkaufswagen vor sich her, in den er Liegestuhl, Sonnenschirm und einen BBQ-Grill-Smoker gepackt hat. Arbeitstitel: Letzte Warnung. Ich kann auch eine Saison lang schön die Füße hochlegen.

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