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Robert Glatzel gegen den FC Bayern:Ronaldo, Lukebakio, Glatzel

Bayern Muenchen v 1. FC Heidenheim - DFB Cup

Robert Glatzel war beim DFB-Pokalabend in München der prägende Heidenheimer.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Dass die heldenhaften Heidenheimer den großen FC Bayern beim 4:5 im DFB-Pokalviertelfinale ganz nahe ans Ausscheiden brachten, das lag auch an den Toren von Robert Glatzel.
  • Der gebürtige Münchner erzielte drei Tore gegen den Favoriten, sein letztes per Panenka-Lupfer.
  • Der Schneid, den er zeigte, stand stellvertretend für den des 1. FC Heidenheim.

Mit großen Augen empfingen sie ihren Helden. Sie konnten es wohl selbst noch nicht so ganz glauben, was er an diesem Abend der Ekstase kurz zuvor vollbracht hatte. Am Zaun der Münchner Arena traf der Heidenheimer Angreifer Robert Glatzel seine Familie und seine Freunde nach dem Spiel wieder. Sie umarmten sich - Glatzels Moment der Ruhe neben dem Rasen. Bevor er wieder sein Geschäft tun musste, Mitspieler abklatschen, Interviews geben. Dabei sprach er mit einem Lächeln über die Begegnung am Zaun. Seine Familie hat ihm die nötige Kraft für diese Partie gegen den FC Bayern gegeben, und doch wirkte er etwas traurig, zumindest einen Moment lang. "Mein Vater ist auch hier, aber den habe ich nicht gesehen."

Glatzel ist ja gebürtiger Münchner. Deswegen waren sie alle gekommen, seit der Auslosung hat der 25-Jährige diesem Tag entgegengefiebert - und nun hat er der gesamten Stadt gezeigt, was für ein starker Mittelstürmer er ist. Er hat dafür Jahre gebraucht, beim TSV 1860, bei der SpVgg Unterhaching und beim SV Heimstetten konnte er sich nicht durchsetzen, er wurde zeitweise als "Chancentod" verschrien. Doch dieser Chancentod kam nun gestärkt aus dem Ostwürttemberger Exil zurück - und schoss drei Tore gegen den großen FC Bayern in dessen Arena, das gelingt selbstverständlich nicht vielen. Einge davon waren der Düsseldorfer Dodi Lukebakio, Schalkes Ebbe Sand oder auch Marek Lesniak. Cristiano Ronaldo war immerhin so vornehm, seine drei Tore gegen die Bayern im Bernabeu zu erzielen. Und jetzt also ein Heidenheimer: "Robert Glatzel war in Überform", sagte sein Trainer Frank Schmidt.

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Er übertrieb nicht: Dass die heldenhaften Heidenheimer den großen FC Bayern beim 4:5 ganz nahe ans Ausscheiden brachten im DFB-Pokalviertelfinale, das lag vor allem an den Toren von Glatzel. "Das war ein Spiel für die Ewigkeit", sagte er. "Wir haben soooo geil gespielt!" Damit meinte er nicht nur die gnadenlose Effektivität des Zweitligisten, sondern auch die Umsetzung eines großen Plans. Trainer Schmidt, einst als Libero ein Vestenbergsgreuther Bayern-Besieger, sagte: "Wir haben es uns so vorgestellt, dass wir so ein wildes Spiel bekommen. Dass wir es schaffen, über Leidenschaft und unheimliche Arbeit in der Defensive das Spiel offen zu halten."

Permanent Unruhe schaffen, die Bayern zu Fehlern zwingen und selbst davon profitieren: Am Ende der provozierten Wildnis stand dann immer dieser kühle Ranger Glatzel, der mit seinen 1,93 Metern den Überblick behielt im zugegebenermaßen gar nicht mal so gefährlichen Bayern-Strafraum. Das Kuriose war ja: Glatzel ist in etwa genauso groß wie Mats Hummels und Jérôme Boateng - doch die Kopfballduelle gewann meist er, und am Boden ließ er die beiden von Bundestrainer Joachim Löw aufs Altenteil Geschickten noch mal ein paar Jahre älter aussehen. "Man denkt dann gar nicht mehr daran, dass das Weltmeister sind, gegen die man da spielt", sagte Glatzel. Und wenn man ihn so sah, wie er schonungslos ihre Schwächen offenlegte, schlossen sich die Zuschauer bald seiner Empfindung an.

Bremen und Stuttgart sollen an Glatzel interessiert sein

Mit zwölf Toren aus der zweiten Liga war er angereist, dann überwand er dreimal Sven Ulreich, erst per Kopf zum 1:1. Und später, als die Partie schon verloren schien, drehte er erst richtig auf. Aus 16 Metern schoss er das 3:4. "Wir haben unsere Aktien zu jeder Zeit im Spiel gehalten. Wir haben so eine Mentalität, dass wir wirklich erst aufhören, das Spiel zu spielen, wenn es abgepfiffen ist", sagte Schmidt. Eine Viertelstunde vor dem Ende glich Glatzel mit seinem Elfmeter erneut aus, nachdem er einen Panenka-Lupfer ins Tor schnibbelte. Den Schneid muss man erst einmal haben.

Schon im Abschlusstraining traf er so gegen den FCH-Torwart Kevin Müller. Aber dass er sich das auch in der Arena traut, das hätte auch Müller nicht für möglich gehalten. "Nach zwei Toren war das Selbstbewusstsein groß und ich mir sicher, dass er spekuliert", sagte dagegen Glatzel. "Wir haben heute eine Visitenkarte abgeben können, was Heidenheim ausmacht. Es hat Spaß gemacht, das war ein Wahnsinns-Abend aus unserer Sicht mit dem falschen Ergebnis."

Ganz Fußball-Deutschland kennt jetzt dieses heldenhafte Heidenheim - und dessen Mittelstürmer Robert Glatzel. Angeblich sollen Werder Bremen und der VfB Stuttgart an ihm interessiert sein. Es wird wohl nicht sein letzter Abend der Ekstase in der Heimat gewesen sein.

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