Gladbacher 2:1-Sieg:Der Hahn kräht

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Die Borussia hat beste Chancen auf Rang vier und damit zwei Qualifikationsspiele zur Champions League - was Mannschaft und Sportdirektor zu einem Bekenntnis für Trainer Schubert veranlasst.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Das Zeremoniell nach dem Spiel dauerte fast so lange wie eine Halbzeit. Die scheidenden Spieler Havardt Nordtveit, Martin Stranzl, Roel Brouwers, Branimir Hrgota und Martin Hinteregger mussten alle ans Stadion-Mikrofon, um sich bei den Fans zu verabschieden. Alle Spieler und alle Mitglieder des Funktionsteams standen vor dem Fanblock auf dem Rasen und verabschiedeten sich von den Zuschauern. Die Stimmung war aber eher überschwänglich als wehmütig, weil Borussia Mönchengladbach nach dem letzten Heimspiel und vor dem letzten Saisonspiel in Darmstadt den vierten Platz und damit zwei Qualifikationsspiele zur Champions League bereits so gut wie sicher hat. Durch den 2:1 (1:1)-Sieg gegen Bayer Leverkusen haben die Gladbacher drei Punkte und elf Tore Vorsprung vor den Mainzern, 15 Tore vor den Berlinern und 16 Tore vor den Schalkern. Ihre drei Verfolger sind alle punktgleich.

"Wir haben jetzt eine gute Ausgangsposition", sagte der zweimalige Torschütze André Hahn und ist mit diesem Satz Anwärter auf den Sonderpreis 'Untertreibung der Saison'. Hahn, monatelang verletzt, hat die Borussen mit den letzten vier Toren binnen drei Spielen gleichsam allein auf diesen vierten Platz gehievt. Deshalb durfte er am Samstagabend verdientermaßen sagen: "Ich bin stolz."

Ein Spiel als Spiegel der Saison, findet André Schubert

Gladbacher 2:1-Sieg: Gladbacher Doppeltorschütze: Andre Hahn.

Gladbacher Doppeltorschütze: Andre Hahn.

(Foto: Martin Meissner/AP)

Es wäre ein zu plumper Gag zu behaupten, der Hahn habe die Gladbacher aufgeweckt, aber Tatsache ist ja schon, dass diese Mannschaft keines ihrer jüngsten zehn Auswärtsspiele gewonnen hat. Ihr wäre dieser vorzeitig nahezu sichere vierte Platz nicht gelungen, wenn sie nicht sieben Heimspiele nacheinander gewonnen hätte und wenn Hahn zum 3:1 gegen Hoffenheim und zum 1:1 in München nicht jeweils einen Treffer beigesteuert hätte - sowie jetzt, zum 2:1 gegen Leverkusen, sogar beide.

Sieben Spiele nacheinander hatten die Leverkusener zuvor gewonnen, aber diesmal wirkten sie ein bisschen saftlos, weil ihnen die Champions League bereits sicher war und weil mit Kevin Kampl, Julian Brandt, Jonathan Tah und Karim Bellarabi vier relevante Spieler beim Gastspiel in Gladbach fehlten. Trainer Roger Schmidt hatte angesichts des kurzfristigen Ausfalls von Kampl und Brandt sogar nur drei Feldspieler auf der Ersatzbank.

Weil die Gladbacher ihre hochkarätigen Chancen aber zunächst allesamt vergaben, und weil Charles Aranguiz mit dem 1:0 in der 20. Minute sein erstes Tor für Bayer erzielte, drohte den Gladbachern dieses Spiel der großen Chance zu missraten. Doch stattdessen sollte die Partie vielmehr zum Symbol einer schwierigen Gladbacher Saison werden. Nach fünf Auftaktniederlagen, nach der Flucht des Trainers Lucien Favre, nach zuletzt zehn sieglosen Auswärtsspielen und nach einem 0:1-Rückstand gegen Leverkusen rafften sich die Borussen einmal mehr auf. "Dieses Spiel spiegelt die Saison wider", sagte Hahn und lobte seine Gladbacher als "Stehaufmännchen".

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Alle Beteiligten widersprechen Gerüchten um Markus Weinzierl

"Ein Kompliment an die Mannschaft" vergab auch der Trainer André Schubert, der seine Fußballer im Laufe der Saison "durch viele Schwierigkeiten und viele Probleme" hat gehen sehen, trotzdem in 27 Spielen 52 Punkte mit ihr geholt hat und sich trotz der respektablen Ausbeute nun Gerüchten ausgesetzt sieht, der Verein denke womöglich daran, zur kommenden Saison den Augsburger Trainer Markus Weinzierl zu verpflichten. Solchen Spekulationen widersprechen alle Beteiligten allerdings energisch, und der stets entwaffnend ehrliche Kapitän Granit Xhaka stellte offen die Frage: "Warum sollte man einen Trainer wechseln, der eine Mannschaft in der Bundesliga auf den vierten Platz geführt hat?"

Gründe für einen solchen Wechsel könnte es allenfalls intern geben, aber auch solchen Spekulationen entgegnet der Sportdirektor Max Eberl vehement. "Ich habe jetzt binnen weniger Tage mehrfach gesagt, dass wir zu unserem Trainer stehen und trotzdem kommen immer wieder immer kreativere Nachfragen - und im Interview mit der 'Sportschau' nach unserem Sieg gegen Leverkusen wird auf Anhieb nach Weinzierl gefragt." Eberl hat sich ein bisschen aufgeregt am Samstag, aber dann war es wieder gut. Der vierte Platz versöhnte ihn. "Das ist einfach großartig", fand er.

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