Gladbach vor dem Bayern-Spiel:"Wir sind Herr im eigenen Haus"

"Wir sind Herr im eigenen Haus", sagt Schippers. Unabhängigkeit steht als eines von mehreren Leitwörtern in der kleinen "Mitspielerfibel", die jeder neue Angestellte bekommt. "Wir würden an Einzelpersonen keine Anteile verkaufen", sagt Schippers: "Und wir suchen zurzeit auch keinen strategischen Partner."

Für seine sportliche Wieder-Erweckung hat der Klub länger gebraucht. Zwischen 1996 und 2011 spielte Gladbach mehrmals gegen den Abstieg und verbrachte drei Spielzeiten in der zweiten Liga. In jenen 15 Jahren beschäftigte der Klub nacheinander 14 Cheftrainer und das Zigfache an Spielern, was ihm den spöttischen Titel "Kaufhaus des Westens" einbrockte.

Doch am Karnevalssamstag 2011 hatte der zwei Jahre zuvor eingesetzte Sportchef Max Eberl eine gute Idee. Er tauschte den Trainer Michael Frontzeck im Angesicht des drohenden dritten Abstiegs gegen Lucien Favre aus. Der Schweizer rettete die Gladbacher in der Relegation und arbeitet seitdem erfolgreich an ihrer Etablierung in der nationalen Spitze.

Jetzt müssen auch die nächsten Investitionen passen

"Als Lucien kam, war Gladbach klinisch tot", sagt Bonhof, "doch dann wurde etwas geboren." Als Gladbach 1999 erstmals in die zweite Liga abstieg, war Eberl Abwehrspieler, Bonhof Trainer und Schippers Geschäftsführer. Alle drei waren in der Krise schon dabei. "Alle, die heute Entscheidungen treffen, haben die schlimmen Jahre miterlebt", sagt Eberl: "Das hat uns demütig gemacht - hier knallt niemand durch."

Und so sollen nun auch die nächsten Investitionen passen. Eberl, 41, sucht derzeit einen Verteidiger, weil Martin Stranzl nicht mehr der Jüngste ist, einen Mittelfeldmann, weil Christoph Kramer nach Leverkusen wechselt, und einen Stürmer, weil das Team mitunter Abschlussprobleme zeigt und der Verbleib von Max Kruse fraglich ist.

Weil die Borussia abgesehen vom Kapitaldienst fürs Stadion schuldenfrei ist, kann Eberl Einnahmen und Transfererlöse komplett in die Mannschaft reinvestieren. Im Büro nebenan hat Schippers gerade die ersten Animationen vom geplanten Neubau bekommen. Für knapp 30 Millionen Euro wird aus dem Borussia-Park eine Art Erlebnis-Service-Zentrum. Unvorstellbar, dass sich der Klub vor 16 Jahren die 2800-Mark-Reparatur für eine Busheizung nicht mehr leisten konnte.

Und die Renaissance soll noch nicht zu Ende sein. "Wir stehen erst am Anfang", sagt Schippers. Eberl warnt indes vor zu hohen sportlichen Erwartungen. "Die Luft wird da oben in der Tabelle immer dünner." Sie wollen in die Champions League, aber sie kalkulieren nicht damit. "In Gladbach könnte jetzt Euphorie ausbrechen", sagt Eberl, "aber dass Überschwang kein guter Berater ist, das haben wir hier aus der Vergangenheit gelernt."

Stephan Schippers, der Geschäftsführer des Tabellendritten, wird demnächst bei der Deutschen Fußball Liga, wie jedes Jahr, auch die Lizenz für die zweite Liga beantragen.

Er sieht dies als seine Pflicht. Und als eine Mahnung daran, wo man herkommt.

© SZ vom 21.03.2015/fued
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