Gladbach unterliegt Leverkusen:Geschlagen unter Vollnarkose

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Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen

Gut gemacht: Jonathan Tah klatscht nach der Partie gegen Gladbach mit dem Torschützen Sven Bender (links) ab.

(Foto: Marius Becker/dpa)

1:5 gegen Bayer Leverkusen: Mönchengladbach kassiert nach haarsträubenden Aussetzern die höchste Heimniederlage seit 19 Jahren - und beklagt das jähe Ende einer kurzen Aufholjagd auf die Spitzengruppe.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

"Das war ein glücklicher Sieg", sagte am Samstagabend Bayer Leverkusens Trainer Heiko Herrlich. Die Statistik stützte seine These: Gastgeber Borussia Mönchengladbach hatte 18:13 Torschüsse gehabt, 58 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent der Zweikämpfe gewonnen und mit einer 90-prozentigen Passquote auch hier den besseren Wert. Doch das Endergebnis im Borussia-Park war angesichts all dieser Zahlen und der emotionalen Wahrnehmung eine Sensation.

Eine halbstündige Vollnarkose hat die Gladbacher den Sieg und damit den Sprung auf die Champions-League-Plätze gekostet. Trotz einer 1:0-Führung und zahlreicher guter Chancen zu einem höheren Vorsprung gaben sie das Rheinderby "nach unserer besten Halbzeit dieser Saison" (Trainer Dieter Hecking) gegen Leverkusen zwischen der 48. und der 81. Minute aus der Hand und kassierten binnen 33 Minuten fünf Gegentreffer zu einer deftigen 1:5 (1:0)-Niederlage. Das bedeutete nach dem 1:6 in Dortmund vier Wochen zuvor bereits die zweite empfindliche Pleite. "Nach der Niederlage in Dortmund haben wir uns in der Tabelle herangekämpft, aber mit diesem 1:5 haben wir viel davon wieder kaputt gemacht", klagte der Kapitän Lars Stindl. Mit 17 Gegentreffern aus neun Spielen besitzt Gladbach die anfälligste Defensive der ambitionierteren Bundesliga-Teams.

"In eine Art Rausch gespielt"

Entsprechend gelöst war hingegen die Stimmung bei den eher mau in die Saison gestarteten Leverkusenern. "In seiner Pausenansprache hat der Trainer den Spielern gesagt, dass er sich hier nicht mit einem Unentschieden zufrieden geben will", verriet Bayer-Sportchef Rudi Völler hernach lächelnd und lobte die Wechsel von Herrlich, der mit der Hereinnahme von Julian Brandt für Lucas Alario zur zweiten Halbzeit den entscheidenden Akzent setzte. "Zur Pause war ich froh, dass es nur 0:1 stand", sagte Herrlich nach dem Spiel. "Meine Mannschaft hat sich in eine Art Rausch gespielt und nahezu jede Chance zum Tor genutzt."

Dabei hatte es in der ersten Viertelstunde Bayer-Sympathisanten noch Angst und Bange werden müssen um die Leverkusener Abwehr, die sich machtlos zeigte gegen Gladbachs cleveres Flügelspiel. Eine Hereingabe von Thorgan Hazard verwandelte Fabian Johnson aus dem Rücken von Panagiotis Retsos heraus zum 1:0 (7.), ehe Hazard in der 16. Minute unter umgedrehten Vorzeichen eine Johnson-Hereingabe zur höheren Führung hätte verwandeln müssen - allerdings scheiterte er aus drei Metern freistehend am Torwart Bernd Leno. Die Toleranz bei der Chancenverwertung war das größte Manko in Gladbachs flotter erster Hälfte.

Zwei Minuten, zwei Treffer

Raffael kurz vor der Pause und Oscar Wendt kurz danach besaßen weitere Gelegenheiten, für Gladbach schon so etwas wie eine Vorentscheidung herbeizuschießen, aber weil sie dies versäumten, glichen die Leverkusener zeitnah aus. Nach einer Ecke von Leon Bailey flog Borussias Torwart Yann Sommer mit den Fäusten voran durch den Fünfmeterraum, erwischte den Ball aber nicht, weshalb Sven Bender die Kugel in der 48. Minute unverhofft zum 1:1 einschieben konnte.

Nicht nur Gladbachs junge Doppel-Sechs mit Denis Zakaria, 20, und Michael Cuisance, 18, (Christoph Kramer fehlte wegen einer Zerrung im Oberschenkel) musste dann mitansehen, wie die Leverkusener das Spiel binnen 70 Sekunden für sich entschieden. Bailey (59.) und der eingewechselte Julian Brandt (60.) nutzten einen Sekundenschlaf in Gladbachs Defensive zu zwei Treffern. Von diesem 1:3 erholten sich die Borussen nicht mehr. Platz vier hätten sie zunächst erobert mit einem Sieg, aber der jüngste Aufwärtstrend ging mit dem 1:4 durch Kevin Volland (60.) und dem 1:5 durch Joel Pohjanpalo (81.) vollends kaputt. "Eine super erste Halbzeit reicht eben nicht", bilanzierte Gladbachs Stindl ernüchtert. Für Gladbach war es die höchste Heimniederlage seit 19 Jahren. Im November 1998 hatten sie auf dem Bökelberg 2:8 verloren - auch gegen Leverkusen.

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