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Gladbach überrollt Düsseldorf:Historische Freude

Fortuna Duesseldorf v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Drei Torschützen: Gladbachs Zweifach-Torschütze Lars Stindl (mitte), Florian Neuhaus (links) und Jonas Hofmann (rechts) feiern den Sieg.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Erstmals seit 1990 gewinnt Gladbach das kleine rheinische Derby in Düsseldorf und rechnet sich nach dem 4:1-Sieg noch einiges im Titelkampf aus: "Möglich ist diese Saison einiges." Die Fortuna kann nach der Pause nicht mehr mithalten.

Das Trikot des Matchwinners hatte Marcus Thuram längst stilecht über die Eckfahne gestülpt, als der gefeierte Lars Stindl mit seinen Mitspielern vor dem Gästefanblock umhersprang und genüsslich den Gesängen der gut 5000 mitgereisten Anhänger lauschte: "Die Nummer eins am Rhein sind wir", schallte es aus der Gästekurve. Doch nicht nur die derzeitige Vormachtstellung im Rheinland untermauerte Borussia Mönchengladbach mit dem 4:1 (1:1)-Derbyerfolg bei Fortuna Düsseldorf, auch die Ansprüche im Titelrennen wurden dank einer auffälligen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit nachhaltig zementiert. "Es waren viele Sachen, die dann einfach aufgegangen sind", sagte Trainer Marco Rose über die Umstellung und die damit verbundene Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit.

"Wir haben vor der Halbzeit nicht so wirklich Zugriff bekommen", sagte Stindl, dem sein erster Doppelpack seit über drei Jahren gelang, bei Sky: "Wir haben das System in der Halbzeit ein bisschen verändert. Über die Dauer des Spiels haben wir dadurch unsere Qualitäten immer besser auf den Platz gebracht und am Ende verdient gewonnen." Nach dem ersten Bundesligasieg seit knapp 30 Jahren in der Landeshauptstadt reifen die Meisterträume, zumal das Team ja noch ein Heimspiel gegen Köln in der Hinterhand hat: "Möglich ist diese Saison einiges, weil wir vieles richtig machen", sagte Jonas Hofmann: "Es macht Spaß, in der Spitzengruppe dabei zu sein. Darauf wollen wir uns jetzt aber nicht ausruhen."

Was soll da erst die Fortuna sagen? Auch im dritten Ligaspiel unter Trainer Uwe Rösler blieb man ohne Sieg: "Wir haben es gerade in der ersten Halbzeit eigentlich ganz gut gemacht", sagte Rouwen Hennings: "Nachher waren wir nicht mehr nah genug am Mann. Es ging etwas zu deutlich aus." Torschütze Erik Thommy (29.) fügte hinzu: "Es war nicht alles schlecht." Hofmann (22.), Stindl (51./77.) und Florian Neuhaus (82.) trafen im 50. Bundesliga-Duell beider Teams für die Gäste, die zuletzt fünf Mal in Serie in der Fremde nicht gewonnen hatten.

Vor der Pause bietet sich Düsseldorf sogar die Chance zum 2:1

Die Fortuna startete vor 51.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena nervös, Spielfluss kam zunächst nicht auf. Die überwiegend gut stehende Düsseldorfer Verteidigung wurde allerdings nach dem ersten krassen Stellungsfehler direkt bestraft. Kasim Adams lief bei einem Gladbacher Konter erst Thuram hinterher und ließ sich dann simpel ausspielen, der angespielte Hofmann schoss sicher ins lange Eck ein. Die Fortuna schockte der Rückstand aber nicht - im Gegenteil: Röslers Mannschaft mischte gegen den Favoriten munter mit. Nach einem langen Ball von Ayhan setzte sich Thommy im Strafraum geschickt gegen Stefan Lainer durch und überwand Torhüter Yann Sommer im Fallen. Wenig später verpasste Düsseldorfs Topstürmer Hennings aus zentraler Position sogar knapp eine mögliche Führung (34.).

Es blieb ein ausgeglichenes Spiel, welchem Gladbach durch seine spielerischen Vorteile zunehmend seinen Stempel aufdrückte. Thuram, der mit seinem Doppelpack das Hinspiel (2:1) entschieden hatte, sorgte fast immer für Gefahr. Auch bei der sehenswert erspielten erneuten Führung war der Franzose beteiligt, als Stindl so gut freigespielt wurde, dass er nur noch ins leere Tor einschieben musste. Das brachte spürbar Sicherheit. Die Kombinationen bei den Gästen liefen deutlich flüssiger, die fußballerisch nun klar schwächere Fortuna kam nur noch selten in die Nähe von Sommers Tor und suchte ihr Glück aus der Distanz. Hennings Schuss rauschte aber knapp am Tor vorbei (73.). Dann schlug erneut Stindl zu, ehe Neuhaus mit einem abgefälschten Schuss den Schlusspunkt setzte.

© SZ vom 16.02.2020 / sid
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