Borussia MönchengladbachEnergiewende mit dem Trainer auf Bewährung

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Applaus nach harter Arbeit: Gladbach-Trainer Eugen Polanski beklatscht den Punktgewinn in Leverkusen.
Applaus nach harter Arbeit: Gladbach-Trainer Eugen Polanski beklatscht den Punktgewinn in Leverkusen. Federico Gambarini/dpa
  • Borussia Mönchengladbach zeigt unter dem neuen Trainer Eugen Polanski beim 1:1 in Leverkusen ein verändertes Gesicht mit mehr Energie und Beherztheit.
  • Der 19-jährige Charlie Herrmann erzielte als Einwechselspieler in der Nachspielzeit den entscheidenden Eckball zum Ausgleichstreffer durch Haris Tabakovic.
  • Polanski bleibt vorerst nur "bis auf Weiteres" Trainer und muss sich weiter bewähren, nachdem Gerardo Seoane entlassen wurde.
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Plötzlich beherzt statt mutlos: Unter Trainerdebütant Eugen Polanski zeigen die Gladbacher ein neues Gesicht. Das späte Tor zum 1:1-Ausgleich in Leverkusen soll ein Schlüsselerlebnis sein. Aber darf Polanski auch bleiben?

Von Philipp Selldorf, Leverkusen

Jens Castrop versuchte erst gar nicht zu leugnen, dass seiner Mannschaft die Ablösung des vormaligen Trainers Gerardo Seoane gutgetan hatte. Er sei zwar „auch vorher motiviert gewesen“, sagte der Mönchengladbacher Offensivspieler, seine grundsätzliche Arbeitsbereitschaft betonend. Ansonsten aber zählte er lauter Merkmale auf, die von Befreiung kündeten: „Mehr Energie“ sei entstanden, „mehr Spaß im Training“, mehr Bereitschaft, sich dem Chef von der besten Seite zu zeigen. „So ein Spiel mit einem neuen Trainer kann die Wende sein“, meinte Castrop, 22, nach dem Gladbacher 1:1 am Sonntagabend bei Bayer Leverkusen.

Beinahe wäre Eugen Polanski, 39, nach seinem Bundesliga-Debüt allerdings genauso erfolglos nach Hause gefahren wie zuletzt jedes Mal sein entlassener Vorgänger Seoane. 0:1 lagen die Borussen bei Anbruch der Nachspielzeit hinten, wieder hatten sie kein Tor geschossen, und Bayer musste sich nicht unbedingt überanstrengen, um den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Bis sich einer von Polanskis Schachzügen entscheidend bewährte: Ein paar Minuten vor Schluss hatte er den 19-jährigen Rechtsaußen Charles Herrmann eingewechselt, einen weiteren Bundesliga-Anfänger, der bisher in Polanskis Regionalliga-Team gespielt hatte. „Charlie“ sei nun mal schneller als sein Gegenspieler, Bayer-Kapitän Alejandro Grimaldo, teilte der neue Borussen-Trainer später seine Überlegung mit. Zunächst ging der Kniff allerdings nur teilweise auf: Der eifrige Herrmann war zwar tatsächlich schneller als Grimaldo, öfter aber auch schneller als der Ball, der ihm dann prompt abhandenkam. Erst als er gegen Grimaldo einen späten Eckstoß erwirtschaftete, begann die Erfolgsgeschichte.

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Roland Virkus sah die Szene mit Schrecken. „Meine Güte – jetzt macht er auch noch die Ecke“, rekapitulierte der VfL-Manager später seine Gedanken, als ausgerechnet Herrmann zur Ausführung antrat. Doch die Flanke kam an, Stürmer Haris Tabakovic – ein weiterer Einwechselspieler – erzielte den Ausgleich, und plötzlich war aus der nächsten drohenden Enttäuschung ein Erfolgserlebnis geworden. „Ein schönes Ergebnis“, bilanzierte Virkus, sichtlich im Gefühl tiefer Befriedigung.

Einer wie Polanski – zupackend, authentisch und großflächig tätowiert – gilt im Fußballbusiness als „Typ“

Bis Virkus und die übrigen Verantwortlichen im Klub nun bereit waren, Polanski das Profiteam anzuvertrauen, musste es erst mal in schneller Fahrt noch tiefer bergab gehen bei der Borussia. Seoane war schon in der vorigen Saison umstritten gewesen, was außer mit fortgesetzten Misserfolgen auch mit seinen diskreten öffentlichen Auftritten zu tun hatte. Seine Ausstrahlung aufs Publikum war stets die eines Mannes, der nur auf dreifachen schriftlichen Antrag Auskunft erteilt – und dies dann so sparsam wie möglich. Polanski hingegen benötigt keine Aufforderung, um sich mit klaren Worten verständlich zu machen. „Ich bin offen und ehrlich und sehr authentisch“, sagte der Coach auf der Pressekonferenz, und es klang sowohl nach einer glaubhaften Selbstauskunft als auch nach einer Bewerbungsrede. Polanski gehört jener Spezies an, die in der Fußballwelt als „Typ“ firmiert, was als Gütezeichen verstanden wird. Die großflächigen Tätowierungen auf den Armen passen zu ihm und seiner beherzten Art. Es gibt ja auch genügend Fußballprofis, die furchterregend tätowiert, aber furchtsam wie Lämmer sind.

Dass Polanski nichts lieber möchte, als den Posten zu behalten, der ihm vorerst vorübergehend zugeteilt wurde, daran konnte nach seinem ersten Einsatz kein Zweifel bestehen. Die Mannschaft habe sich weitgehend an seinen Matchplan gehalten, lobte der Trainer nicht nur die Mannschaft, sondern auch den Urheber des Matchplans. Das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen: Das Publikum sah eine bissige, energische Borussia, die diszipliniert und effektiv standhielt. Wenngleich gegen eine Bayer-Elf, die mitten im Umbaustress noch auf der Suche nach sich selbst ist. „Wir müssen ein Team aufbauen, aber wir müssen schnell lernen“, sagte der neue Bayer-Coach Kasper Hjulmand, der wie Polanski eilig dazu bestellt wurde, einen dringenden Notfall zu beheben.

„Eugen ist in die Köpfe der Spieler gekommen“, sagte Virkus

Ob sich die beiden beim Rückspiel 2026 wiedersehen? Gladbachs Sportchef Virkus sagt nach einer halben Trainingswoche und einem verdienten, aber glücklichen Teilerfolg nicht Nein und nicht Ja, „die Formulierung ‚bis auf Weiteres‘ bleibt bestehen“, betonte er. Polanski muss sich also weiter bewähren, während der Manager Virkus darauf achten muss, dass er wohl selbst zur Verantwortung gezogen wird, wenn ihm die Besetzung der Trainerstelle misslingt. Am Wochenende hat ihm der Bewerber Argumente geliefert, die nächstliegende Lösung zu ergreifen. „Eugen ist in die Köpfe der Spieler gekommen“, sagte Virkus.

Für Polanski war es übrigens kaum der Rede wert, dass sich der Grünschnabel Herrmann in seiner siebten Minute als Bundesligaspieler einfach selbst zum Eckstoß einteilte. Na und? „Er hat schon mehrere Ecken geschossen, und er schießt sie extrem gut“, sagte Polanski und berichtete dabei offenbar von den 37 Einsätzen, die er dem jungen Charles Herrmann im Regionalliga-Team gewährt hatte. Die Botschaft war klar: Wer wagt, gewinnt – und das ist vielleicht nicht das schlechteste Motto für den niederrheinischen Klub, der zuletzt in seiner Solidität zu erstarren drohte.

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