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Borussia Mönchengladbach:Schluss mit lustig

Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen

Bedient: Gladbachs Trainer Marco Rose (links) und Matthias Ginter.

(Foto: Martin Meissner/dpa)

Fünf Niederlagen nacheinander: Es verdichten sich die Anzeichen, dass Gladbachs Trainer Marco Rose der Mannschaft mit seiner Wechselankündigung den Stecker gezogen hat - die Spieler sind frustriert.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

So langsam ist bei Borussia Mönchengladbach wirklich Schluss mit lustig. "Wir haben keinen Spaß am Fußball, keine Freude", sagte der Angreifer Hannes Wolf nach dem Abpfiff beim Sender Sky. Das 0:1 (0:0) gegen Bayer Leverkusen war die fünfte Gladbacher Pflichtspiel-Niederlage nacheinander und das siebte Spiel in Serie ohne Sieg. Der bislang letzte Erfolg datiert vom 3. Februar.

Damals war die Gladbacher Welt noch in Ordnung. Damals war das Team noch in allen drei Wettbewerben vertreten und hatte in der Bundesliga nur einen Punkt Rückstand auf die Champions-League-Plätze. Jetzt sind es zehn Punkte, aus dem DFB-Pokal ist man ausgeschieden und aus der Champions League so gut wie raus. Bei der dritten Heimniederlage nacheinander schossen die Gladbacher erstmals seit August 2019 in einem Bundesliga-Heimspiel nicht mal ein Tor.

Es deutet sich immer mehr an, dass der Trainer Marco Rose der Mannschaft vor drei Wochen mit seinem angekündigten Wechsel zu Borussia Dortmund den Stecker gezogen hat. "Wir sind verkrampft", klagte Wolf.

Gladbach droht die schlechteste Abschlussplatzierung seit 2011

Verkrampft und freudlos - doch Wolf führte dies nicht explizit auf den Weggang des Trainers zurück, sprach stattdessen über die wachsende Serie von Misserfolgen. Manchmal sind aber auch einfache Wahrheiten richtig, und es wirkt zunehmend so, als habe Rose dem Team mit seinem Weggang die Perspektive genommen. Für den Moment ist Gladbach in der Tabelle nur noch Zehnter. Es droht die schlechteste Abschlussplatzierung seit 2011. Seither war man jedes Jahr einstellig.

Bereits vor dem Spiel hatte Rose in einer Pressekonferenz am Freitag ausgeschlossen, von sich aus zurückzutreten. Und auch nach dem Spiel sprach er vielmehr davon, dass er der Mannschaft "Lockerheit" und "Glauben" zurückbringen müsse. "Dabei muss ich vorangehen", sagte er, machte aber nicht gerade den Eindruck, in diesen Tagen überschwänglichen Spaß an seiner Tätigkeit zu haben. "In erster Linie an den Ergebnissen" wollte er die "leichte Verkrampftheit" der Mannschaft festmachen: "Intern hat sich gar nicht so viel verändert, auch die Stimmung im Training ist wie immer."

Für Leverkusen war es dagegen nach fünf Spielen ohne Sieg der erste Erfolg seit dem 6. Februar. Dass es ein minimalistisches Einsnull geworden ist, störte die Bayer-Fußballer überhaupt nicht. Im Hinspiel beim 4:3 hatten sie Anfang November noch ein Spektakel gewonnen, bei dem in der Nachspielzeit Gladbachs Valentino Lazaro einen eingesprungenen Hackentrick erzielte, der später in der Sportschau zum Tor des Jahres gewählt wurde. Diesmal gab es im Spiel auf beiden Seiten wenig Spektakuläres.

"Das war Fußball, wie ich ihn gerne sehe", sagte gleichwohl Leverkusens Trainer Peter Bosz aus nachvollziehbaren Gründen: "Ich habe keine verunsicherte Mannschaft gesehen." Für Leverkusen war es der erhoffte Befreiungsschlag. "Wir wollen wieder in eine andere Richtung", sagte der Innenverteidiger Jonathan Tah, "und das war heute hoffentlich der Start dafür."

Leverkusens Bosz wechselt kein einziges Mal aus

Der Gladbacher Lazaro hatte sich nach einer knappen Stunde vielleicht wehmütig an seinen als Scorpion-Kick berühmt gewordenen Kunstschuss im Hinspiel erinnert - jedenfalls versuchte er in der 57. Minute im Leverkusener Strafraum einen Fallrückzieher. Er traf den Ball allerdings nur ein bisschen, was ihm erstens den Torjubel versagte und zweitens ausschlaggebend war dafür, dass ein unmittelbar folgender Elfmeter anlässlich eines Fouls von Jeremie Frimpong an Marcus Thuram wieder zurückgenommen wurde. Lazaro war bei seinem Fallrückzieher nämlich im Abseits gewesen.

Den Gladbachern fehlten in Lars Stindl, Christoph Kramer und Jonas Hofmann drei bedeutende Spieler, aber das war nichts gegen jene zehn Leverkusener Ausfälle, die zusammen beinahe eine stattliche Startelf ergäben. Zuletzt hatte sich der Jungstar Florian Wirtz mit Corona infiziert und musste passen. Doch daran lag es nicht, dass in diesem Duell nur ein einziges Tor fiel. Bei Leverkusen saßen sogar noch Angreifer wie Lucas Alario und Karim Bellarabi auf der Bank, doch Bosz nahm während des Spiels nicht eine einzige Auswechslung vor. "Muss man ja nicht", sagte er keck.

In der 76. Minute hatte Gladbachs Torwart Yann Sommer gerade zum wiederholten Male eine sehr gute Einschuss-Chance des Leverkuseners Moussa Diaby zunichte gemacht, als Patrik Schick den Nachschuss im Tor unterbrachte. Diese eine Aktion genügte gegen verkrampfte Gladbacher zum Sieg. Mit drei Punkten Rückstand auf die viertplatzierten Frankfurter bleibt Leverkusen so auch aussichtsreich im Rennen um die Champions-League-Plätze. In Gladbach dagegen werden die Tage immer ungemütlicher.

© SZ/ebc/bkl
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