bedeckt München 20°

Borussia Mönchengladbach:Freudlose Zeiten

Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen

Funktioniert als Spaßmacher nicht mehr besonders gut: Gladbach-Trainer Marco Rose.

(Foto: Martin Meissner/dpa)

Sieben Spiele in Serie ohne Sieg, in der Tabelle abgerutscht auf Platz zehn: Seit Trainer Marco Rose seinen Fortgang ankündigte, ist am Niederrhein der Zauber verflogen. Doch Sportdirektor Max Eberl hält am Kurs fest.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

"Wir haben ein Problem", sagt jetzt sogar Max Eberl. Allerdings meint der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbachs damit noch immer nicht seinen zunehmend glücklosen Trainer Marco Rose und dessen vor drei Wochen angekündigten Abschied zu Borussia Dortmund. Seit jenem Montag verlor Gladbach fünf Pflichtspiele nacheinander, ließ in der Bundesliga den Kontakt zu jeglichen Europapokal-Plätzen abreißen, verabschiedete sich aus dem DFB-Pokal aus und ist durch eine Hinspiel-Niederlage auch so gut wie ausgeschieden aus der Champions League. Seit Rose seinen Abschied ankündigte, ist bei Gladbach der Wurm drin. Wer denkt, das sei bloß Zufall, der glaubt auch, Erderwärmung und Gletscherschmelze hätten nichts miteinander zu tun.

"Unser Problem ist, dass wir die Spiele nicht gewinnen", führte Eberl aus, "aber deswegen ist Marco Roses Qualität als Trainer ja nicht anders." Als hartnäckiger Rose-Treuhänder darf er das so formulieren. Tatsächlich erledigt der Trainer seine Arbeit vermutlich genauso gründlich wie immer und bleibt selbstverständlich auch ein unverändert kompetenter Fußballlehrer - aber bei der Gladbacher Mannschaft scheint er schlichtweg nicht mehr seine volle Wirkung entfalten zu können. Es wirkt so, als habe Roses angekündigte Trennung einen Zauber zerstört, der den Kader zuvor mit der erforderlichen Energie versorgt hat. "Uns fehlen gerade ein bisschen Spaß und Freude am Fußball", sagte der Angreifer Hannes Wolf nach der 0:1-Niederlage gegen Bayer Leverkusen. Zumindest als Spaßmacher funktioniert Rose nicht mehr besonders gut.

Die Niederlage gegen Leverkusen war Gladbachs siebtes Spiel in Serie ohne Sieg. Der letzte Erfolg datiert vom 3. Februar. Damals war der Klub noch in allen drei Wettbewerben vertreten und hatte in der Bundesliga nur ein winziges Pünktchen Rückstand auf die Champions-League-Plätze. Damals wirkte die Mannschaft noch verzaubert von einer magischen Saison. Mittlerweile sind es zehn Punkte bis zu den Champions-League-Plätzen. Längst wirkt die Mannschaft ernüchtert. Bei ihrer dritten Heimniederlage nacheinander schossen die Gladbacher erstmals seit August 2019 in einem Bundesliga-Heimspiel nicht mal ein Tor.

Gladbach droht die schlechteste Abschlussplatzierung seit 2011

"Wir müssen Ruhe bewahren", forderte Eberl nach dem Spiel. Womöglich wäre es jetzt ohnehin schon fast zu spät für einen akuten Trainerwechsel. Gladbach ist in der Tabelle nur noch Zehnter. Es droht die schlechteste Abschlussplatzierung seit 2011, seitdem war diese jedes Jahr einstellig. Die Saison wird dem Klub wegen des Einzugs ins Achtelfinale der Champions League zwar auch in einer schönen Erinnerung bleiben, ansonsten droht ihr mittlerweile aber die Bedeutungslosigkeit.

Rose selbst hatte in einer Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Leverkusen ausgeschlossen, von sich aus zurückzutreten. Nach dem Spiel sprach er davon, dass er der Mannschaft "Lockerheit" und "Glauben" zurückbringen und "dabei vorangehen" müsse. Er glaube, dass eine gewisse Verkrampftheit der Mannschaft aber "in erster Linie an den Ergebnissen" liege. Von verlorenem Zauber spricht bei der Borussia niemand. "Intern hat sich bei uns gar nicht so viel verändert", sagt Rose, "auch die Stimmung im Training ist wie immer."

Fußball 1. Bundesliga 24. Spieltag Borussia Mönchengladbach - Bayer 04 Leverkusen am 06.03.2021 im Borussia-Park in Mön

Fand in Gladbach meistens gute Lösungen - aber ist Max Eberl diesmal Teil des Problems?

(Foto: Revierfoto/imago)

Einen trotzig-positiven Ruck, wie ihn etwa vor drei Jahren bei Eintracht Frankfurt die angekündigte Trennung von Niko Kovac mit dem Gewinn des DFB-Pokals auslöste, ist in Mönchengladbach bislang nicht festzustellen. "Wir sind verkrampft", sagte der Mittelfeldspieler Wolf zwar nur über die Verfassung der Mannschaft im Spiel gegen Leverkusen, diese Analyse lässt sich aber auf die vergangenen Wochen ausdehnen. Die Mannschaft versuchte stets erkennbar, ihre eintrainierte Strategie umzusetzen, aber an allerhand Kleinigkeiten war zu erkennen, dass die Köpfe wohl nicht frei sind.

"Ich sehe nicht, dass eine Person daran schuld sein soll, dass die Ergebnisse momentan nicht stimmen", hatte Eberl vor dem Leverkusen-Spiel am Freitag gesagt. "Ich kann aber auch jede Kritik verstehen, weil die Ergebnisse eben gerade nicht da sind." Er habe sorgfältig abgewogen, in welcher Konstellation er die größtmögliche Chance auf Erfolg sehe. Eberl will sich vor diesem Hintergrund also ganz bewusst dafür entschieden haben, mit Rose bis zum Saisonende weiterzumachen. Mittlerweile räumt er aber auch ein: "Natürlich kann man Wochen und Monate später auch sagen: Okay, es war verkehrt." Die Bewertung erfolge erst hinterher. Für den Moment beteuert Eberl: "Da gehen wir weiter durch, ich habe breite Schultern."

Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen

Mit Glück in die Lücke: Patrik Schick (in Rot) erzielt per Außenrist an allen Gladbachern vorbei das Siegtor für Leverkusen.

(Foto: Martin Meissner/dpa)

Die in Mönchengladbach spürbare Abneigung gegen akute Personalwechsel ist offenbar ansteckend und hat beim Kontrahenten Leverkusen dazu geführt, dass der Trainer Peter Bosz im Laufe der 90 Minuten keine einzige Auswechslung vorgenommen hat. Trotzdem wurde das Spiel durch einen Treffer von Patrik Schick (76.) gewonnen. Es war Bayers erster Erfolg nach zuvor fünf sieglosen Spielen. "Man darf wechseln - aber man muss nicht", witzelte Bosz und spendete Eberl die Idee zu einem lakonischen Motto für den Fall, dass er auch weiterhin bis zum Saisonende an Rose festhalten will.

© SZ/bkl/schm
Zur SZ-Startseite
GER, 1.FC Koeln vs SV Werder Bremen / 07.03.2021, RheinEnergieSTADION, Koeln, GER, 1.FC Koeln vs SV Werder Bremen, im B

Köln gegen Bremen
:"Hat ja der Keller auch so gesehen"

Der 1. FC Köln vermeidet beim 1:1 gegen Bremen die nächste Niederlage - weil Werder-Torwart Pavlenka beim Ausgleichstreffer nicht an den Ball kommt.

Von Philipp Selldorf

Lesen Sie mehr zum Thema