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Gladbach mit Mühe:Hochmut kommt vor dem Tor

Borussia Moenchengladbach v 1. FC Nuernberg - Bundesliga

Klassischer Konjunktiv: Hätte Gladbachs Torwart Yann Sommer den Kopfball von Adam Zrelak aus nächster Nähe nicht über die Latte gelenkt, wäre Nürnberg früh in Führung gegangen und hätte punkten können.

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Beim Gladbacher 2:0 gegen starke Nürnberger spielt Hazard die Hauptrolle.

Schlusspfiff um 20:23 Uhr im Borussia-Park, und auf dem Rasen ergab sich das Bild, das gemeinhin erwartet worden war: Die Hausherren gratulierten einander zum nunmehr elften Heimsieg hintereinander, die Gäste standen enttäuscht in der Gegend herum. Seit dem 3:0 gegen Düsseldorf Ende September ist dem 1. FC Nürnberg kein Sieg mehr gelungen, der Club hatte sich ehrenwert um die Überraschung bemüht, aber am Ende musste man wieder aus den Randerscheinungen Hoffnung schöpfen: "Es war richtig stark, wie die Mannschaft heute aufgetreten ist", fand FCN-Coach Michael Köllner. An der 0:2-Niederlage seiner Mannschaft und dem Verbleib auf dem vorletzten Tabellenplatz änderte das Kompliment allerdings nichts.

Der Club lässt sich auskontern - gegen die Borussia eine Todsünde

Lange Zeit war es dem Club gelungen, die Gladbacher auf Distanz zu halten. Die Reihen vor dem Strafraum standen solide und ließen einer mäßig inspirierten Borussia keinen Raum für ihre berüchtigten Vorstöße in die Tiefe, und es waren sogar die Gäste, die dem ersten Treffer am nächsten kamen: Alexander Fuchs' Schuss landete an der Unterkante der Latte (7.), dem Nachsetzen durch Adam Zrelak warf sich Gladbachs Torwart Yann Sommer entgegen.

Da habe man es "leider versäumt, ein Zeichen auf der Anzeigetafel zu setzen", sagte Köllner. In den letzten Minuten vor der Pause ging es dann aber auch vor dem Nürnberger Tor heikel zu: Denis Zakaria verpasste die Führung gleich zweimal, wobei er bei der zweiten Chance das Kunststück fertigbrachte, aus vier Metern Entfernung statt ins quasi leere Tor den Abwehrspieler Tim Leibold zu treffen, der eher zufällig als planvoll den hinteren Pfosten bewacht hatte. In der Nachspielzeit schlug schließlich das Schicksal in Gestalt von Schiedsrichter Robert Schröder zu: Nach einer allenfalls minimalen Feindberührung durch Ondrej Petrak ging Florian Neuhaus zu Boden, dem Referee genügte das, um einen Elfmeter zu verhängen.

Die berechtigten Nürnberger Proteste interessierten Schröder nicht, irrigerweise war er sich der Sache so sicher, dass er nicht mal vom Videobild Gebrauch machen wollte. Thorgan Hazard tat daraufhin das einzig richtige: Er setzte den Strafstoß übers Tor, es sah beinahe wie Absicht aus - in Wahrheit war es wohl eher der Hochmut des Kunstschützen. Der Gladbacher Trainer hielt sich deswegen aber nicht mit Tadel auf. Erstens hatte Dieter Hecking gar nicht hingesehen, zweitens amnestierte er den Täter umgehend: "Thorgan hat das 1:0 gemacht, das war die beste Antwort."

Denn der zweite Durchgang war kaum eröffnet, da lag der Ball schon im Nürnberger Tor. Der Club hatte sich auskontern lassen, die Todsünde schlechthin für einen Aufsteiger auf Auswärtstour. Ein abgewehrter Freistoß tief in der Gladbacher Hälfte - und Ibrahima Traoré legte die Nürnberger Deckung bloß: Er stürmte über den rechten Flügel voran und durfte sich den Abnehmer für seine diagonale Hereingabe aussuchen. Nachdem Zakaria noch vorbeigerutscht war, schob Hazard den Ball über die Linie, Bredlow konnte nur noch zusehen (47.). Gäste-Trainer Köllner beklagte später, dass Schiedsrichter Schröder beim vorangegangenen Angriff den Nürnberger Vorteil abgepfiffen hatte, seiner Meinung nach war das ein weiterer Fall von "zweierlei Maß" beim Spielleiter und dies stets zu Lasten des Clubs: "Die Vorteilssituation war der Gipfel auf dem Ganzen."

Stürmer Pléa läuft los - und setzt das entscheidende zweite Tor

Szenen wie beim 0:1 sollten sich nun des Öfteren wiederholen, der Club musste aufrücken, um den Ausgleich zu erzielen, die Borussia erhielt im Gegenzug den Raum zum Konterspiel, was bekanntlich zu den Spezialitäten von Heckings Elf gehört. Keine guten Vorzeichen, doch die Nürnberger schafften es lange Zeit, das Gleichgewicht aus Risiko und Absicherung zu wahren. Ihre Angriffe brachten die Borussen allerdings nur selten und dann auch höchstens ansatzweise in Verlegenheit, zu umständlich und fehlerhaft blieben die Bemühungen ums 1:1. Einen Vorteil beim Ballbesitz und eine Reihe von Eckstößen - mehr brachte der FCN nicht zustande. Schließlich beendete ein weiterer Konter die Hoffnungen auf den Punktgewinn: Alassane Pléa lief allen davon und setzte den Treffer zum 2:0 (86.).