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Gladbach - Mainz (15.30 Uhr):Kein Denkmal mehr

Andre Schubert

Bröckelnder Rückhalt? Gladbachs Trainer André Schubert.

(Foto: Manu Fernandez/AP)

Nach acht Ligaspielen ohne Sieg und dem 0:4 in Barcelona wächst die Kritik an Gladbachs Trainer Schubert und Manager Eberl.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Der Fußballtrainer André Schubert hat bei Borussia Mönchengladbach eine Menge Kredit angesammelt. Er hat die Mannschaft übernommen, nachdem sein Vorgänger Lucien Favre im September 2015 geflohen war. Unter Schubert hat Gladbach zunächst eine spontane Siegesserie hingelegt und sich später für die Champions League qualifiziert. Schuberts erster Lohn im Spätherbst 2015 war ein Cheftrainer-Vertrag bis 2017, sein zweiter Lohn nur ein Jahr später war eine frühzeitige Verlängerung bis 2019. Sein offenbar größter Fürsprecher im Vereinspräsidium, der Vizepräsident Hans Meyer, sagte noch vor drei Wochen: "Man sollte André Schubert ein Denkmal bauen."

In Mönchengladbach sucht dieser Tage niemand nach einem geeigneten Platz für ein Schubert-Denkmal. Im Gegenteil. Es verdichten sich Warnhinweise, dass diese Saison Schuberts unvollendete werden könnte. Einerseits haben sich die Gladbacher zwar fürs DFB-Pokal-Achtelfinale (7. Februar beim Zweitligisten Fürth) und fürs Europa-League-Sechzehntelfinale (Auslosung am Montag) qualifiziert, andererseits haben sie in der Bundesliga seit acht Spielen nicht mehr gewonnen, tendieren tabellarisch gen Abstiegszone und können sich mental schon mal darauf einrichten, in der kommenden Saison keine Belastung mehr durch internationale Spiele zu haben.

In Mönchengladbach mehren sich die skeptischen Stimmen erst seit wenigen Wochen. Emotionsloser hat in dieser Woche die spanische Presse über eine Borussia geurteilt, die ohne Mumm und Leidenschaft mit 0:4 beim FC Barcelona verloren hat: "sehr zahm" (Sport), "ohne klaren Plan" (El Mundo), "hat nicht mal versucht, konkurrenzfähig zu sein" (Marca). Die Zeitung AS nannte Gladbach: "eine Marionette". Auch intern klangen unwohnt skeptische Töne an. Auf Schuberts defensive Taktik mit bis zu sechs Spielern in der letzten Reihe angesprochen, sagte der vereinsamte Stürmer André Hahn hinterher: "Die Sechserkette hat mich auch überrascht, aber der Trainer hat das so entschieden."

Stand nach 13 Spieltagen: Gladbach ist 13. mit 13 Punkten und 13 Toren

Gladbach ist nach 13 Spieltagen in der Bundesliga 13. mit 13 Punkten und 13 Toren. Gladbach hatte bislang kein Glück. Aus den jüngsten acht Ligaspielen holten die Borussen nur drei Heim-Remis-Zähler, auswärts verloren sie vier Mal nacheinander bei 1:13 Treffern. Schuberts wiederholte Ansagen lauten sinngemäß: Man könne es besser und müsse nächstes Mal am Limit spielen. Aber genau davon ist die Mannschaft ja weit entfernt. Sie zeigt auf dem Platz allenfalls taktisch, aber gewiss nicht physisch und mental ihr Limit. Ihr fehlen Power, Selbstvertrauen und ein Anführer. "Ein lautstarker Anführer, wie Granit Xhaka einer war, der fehlt uns", sagt Schubert, "das ist ein Umbruch, den wir vielleicht etwas unterschätzt haben."

Vor dem drittletzten Spiel des Kalenderjahres am Sonntag gegen Mainz wächst sich die Gladbacher Saison in mehrerer Hinsicht zu einem kleinen Drama aus. Neben der sportlichen Misere ranken sich Gerüchte um einen Fortgang des Sportdirektors Max Eberl, der sich vor Kurzem in einem seltsamen Anfall von Fatalismus ziemlich kritisch über pfeifende Fans geäußert hat und unterdessen Kontakt zum FC Bayern nicht dementiert. Seit dieser Woche gibt es zudem noch eine moralisch-medizinische Debatte, denn der Abwehrmann Alvaro Dominguez, der mit 27 Jahren seine Karriere beendet, wirft dem Klub vor, ihn falsch behandelt zu haben. Hier droht gar eine juristische Auseinandersetzung. Es gibt mittlerweile derart viele Baustellen bei der Borussia, da ist jene hinter der Haupttribüne, wo bis 2018 ein Geschäftsgebäude inklusive Klub-Hotel entsteht, noch die schönste.

© SZ vom 11.12.2016
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