Geweint hat am Samstag im Borussia-Park nur einer: Haris Tabakovic. Mönchengladbachs ausgeliehener Stürmer, der beim 4:0-Sieg mit einem Treffer dazu beitrug, dass sein Vertragsklub TSG Hoffenheim die Champions League verpasste, knickte in der zweiten Halbzeit um, humpelte vom Feld und hatte große Angst, deswegen nicht mit Bosnien-Herzegowina an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu können. Eine Diagnose stand zunächst aus.
Weil Stuttgart in Frankfurt nur 2:2 spielte, hätte Hoffenheim in Gladbach ein Sieg gereicht, um zum zweiten Mal nach 2018 die Champions League zu erreichen. Die TSG aber holte sich eine Klatsche ab. „Das tut ein bisschen weh“, sagte der Geschäftsführer Andreas Schicker, „aber es überwiegt das Gefühl, eine großartige Saison gespielt zu haben.“ In der vergangenen Spielzeit wäre Hoffenheim beinahe abgestiegen. „Wenn man bedenkt, wo wir herkommen, ist dieser fünfte Platz großartig“, fand Schicker: „Wir haben nicht die Champions League verloren, sondern die Europa League gewonnen.“
Und so stand auf den T-Shirts, die sich Spieler und Funktionäre der TSG nach dem Spiel überzogen: „Nicht schlecht für einen Dorfverein: zum fünften Mal international“. Nach einer Teilnahme an der Champions League unter Trainer Julian Nagelsmann (2018/19) und drei Teilnahmen an der Europa League (17/18, 20/21, 24/25) spielt Hoffenheim in der kommenden Saison zum fünften Mal im Europapokal. Der Klub hat da allerdings etwas aufzuholen: Nur in der Saison 20/21 erreichte man die Runde der besten 32. Dreimal kam Hoffenheim nicht in die K.-o.-Phase.
Unter Marco Rose spielte Gladbach Champions League, davon ist die Borussia heute weit entfernt
Das haben die Gladbacher den Hoffenheimern voraus – sogar in der jüngeren Vereinshistorie. Im Frühjahr 2021 stand Gladbach unter dem Trainer Marco Rose im Achtelfinale der Champions League und schied gegen Manchester City aus. Seither hat die Borussia aber nicht nur nicht mehr international gespielt, sondern auch in der Bundesliga den Anschluss an die Spitzenteams verloren. Daran konnten seit Roses Weggang 2021 nacheinander die Trainer Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane und auch der seit September amtierende Eugen Polanski nichts ändern.
Nun stellt sich bei der Borussia die Frage, ob die sportliche Führung um Rouven Schröder dem Coach Polanski zutraut, mit einem modifizierten Kader in der kommenden Saison bessere Leistungen abrufen zu können – oder ob Schröder eine neue Trainerlösung sucht. Diese Entscheidung scheint offen zu sein. Schröder bekennt sich nicht zu Polanski. „Die Saison war ein Auf und Ab, mit Luft nach oben“, sagt der Sportchef: „Wir halten jetzt mal kurz inne und nehmen uns Zeit, Dinge zu besprechen.“ Für eine Entscheidung in der Trainerfrage gebe es „keine Timeline“.


