Der Stürmer Tim Kleindienst hat seinem Klub Borussia Mönchengladbach etwas mitgebracht vom Nationalteam: Erfolgsmentalität. „Ich habe den Schwung von der Nationalmannschaft mitgenommen, und es freut mich, dass ich der Mannschaft damit helfen konnte“, sagte der ehemalige Heidenheimer nach Gladbachs 3:2-Sieg gegen Heidenheim. Es war der dritte Saisonerfolg für die Borussen.
Zuvor hatte Kleindienst als Debütant mit der deutschen Nationalelf 2:1 in Bosnien-Herzegowina und 1:0 gegen die Niederlande gewonnen. Ein Tor war ihm dabei zwar nicht gelungen, dafür nun aber gleich zwei. „Es tut mir leid, meiner alten Liebe Heidenheim wehtun zu müssen“, sagte der 29-Jährige hinterher. Mit einem Foulelfmeter bezwang er gar seinen Trauzeugen, den Heidenheimer Torwart Kevin Müller. Dem hatte er vor dem Spiel im Scherz einen Hattrick angedroht.
Dem Gladbacher Trainer Gerardo Seoane verschaffte Kleindienst mit seinen Saisontreffern vier und fünf ein bisschen Luft. Nach vier Niederlagen in den ersten sechs Saisonspielen war der Schweizer bereits unter Druck geraten.
Das Klima soll jetzt besser werden in Mönchengladbach. Dazu plant die Stadt derzeit, etliche Mikrowälder anzulegen. Draußen, am Fußballstadion namens Borussia-Park, ist eher kein Platz für Mikrowälder, aber fürs Klima braucht es hier auch keine Bäume – sondern Siege. Das 3:2 gegen Heidenheim geriet indes schmeichelhaft. „Am Ende hatten wir so ein bisschen das Glück auf unserer Seite“, gestand Kleindienst.
Heidenheims 0:1 (12. Minute, Leonardo Scienza) hatte Ko Itakura zum 1:1 ausgeglichen (22.). Dann traf zweimal Kleindienst, erst artistisch per Hacke zum 2:1 (62.), dann per Foulelfmeter zum 3:1 (75.). Durch Marvin Pieringers verwandelten Handelfmeter zum 3:2 (80.) wurde es noch einmal spannend.
Stöger sitzt auf der Bank, stattdessen spielt Plea – und bereitet drei Tore vor
Vor dem Spiel war wie immer die Gladbacher Aufstellung verlesen worden, wie gewohnt sagte der Stadionsprecher da auch: „Unser Trainer, das ist Gerardo ...“. Doch ein Großteil des Publikums mochte den Nachnamen des Trainers nicht rufen. Stattdessen pfiffen die Fans. Nach dem Spiel sagte der Außenverteidiger Stefan Lainer über die Stimmung in der Kabine: „Der Trainer versucht, alle mitzunehmen, alle mit ins Boot zu holen.“
Seoane verzichtete in seiner Startelf am Samstag nicht nur wie gewohnt auf den Kreativspieler Florian Neuhaus, sondern etwas überraschend auch auf den im Sommer eigens verpflichteten Kevin Stöger. Anstelle des österreichischen Nationalspielers lief im zentral-offensiven Mittelfeld der Franzose Alassane Plea auf – und der bekam für jedes der drei Gladbacher Tore doch tatsächlich einen Scorerpunkt gutgeschrieben: für zwei Vorlagen ebenso wie dafür, vor dem Elfmeter gefoult worden zu sein. Als Gladbachs Sportvorstand Roland Virkus hernach gefragt wurde, wie er Stögers Rolle als Reservist aufgenommen habe, antwortete er bloß: „Plea hat alle drei Tore vorbereitet.“
Nächsten Freitag spielen die Gladbacher in Mainz. Mainz hat in dieser Saison noch kein Heimspiel gewonnen – Gladbach wiederum hat seit zweieinhalb Jahren keine zwei Bundesligaspiele nacheinander mehr für sich entschieden. Im März 2022 gelang das zuletzt unter dem Trainer Adi Hütter. „Wir müssen diese Serie jetzt beenden“, forderte der Abwehrmann Lainer. „Wir könnten sogar eine richtige Serie starten, wenn wir nicht immer so einfache Gegentore zuließen“, sagte Kleindienst.
Der Sportvorstand Virkus, selbst in der Kritik nach zwei eher schwachen Jahren seit seiner Beförderung, ist froh, einen wie Kleindienst im Kader zu haben. Ohne dessen Führungsqualitäten und fünf Tore stünde die Borussia noch schlechter da. „Man sieht, was Selbstbewusstsein im Fußball ausmacht“, sagte Virkus am Samstagabend. „Tim kam von der Nationalmannschaft mit zwei guten Spielen und hat dieses Selbstbewusstsein super auf den Platz gebracht mit Energie, Fleiß und Torgefahr – wir sind stolz, dass er bei uns ist.“

