Gladbachs Max Eberl:"Wir erleben zurzeit die böse Seite des Fußballs"

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Max Eberl äußerte sich im "Aktuellen Sportstudio" zur Lage in Gladbach.

(Foto: Martin Hoffmann Berliner Str.31 via www.imago-images.de; imago/imago images/Martin Hoffmann)

Gladbachs Manager Max Eberl erträgt die aktuelle Negativserie stoisch und hält weiter Trainer Marco Rose die Treue - dabei würde das Verpassen des Europapokals auch ihm die Arbeit erschweren.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Als Marco Rose vor einem Monat seinen Abschied von Borussia Mönchengladbach ankündigte, erklärte ihm der Sportdirektor Max Eberl öffentlich die Treue mit dem humanistisch anmutenden Versprechen: "Wir gehen hier als gute Menschen auseinander." Seither hat Gladbach unter dem Trainer Rose alle sechs Pflichtspiele verloren. Eberl ist trotzdem weiter fest entschlossen, sein Versprechen zu halten. Dass sich seine Argumente verschlechtern, wirft ihn nicht aus der Bahn. "Wir erleben zurzeit die böse Seite des Fußballs", sagte er Samstagnacht im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF. Zwei gute Menschen kämpfen gegen das Böse - bei dieser aufregendsten Geschichte seit Tolkiens "Herr der Ringe" ist man jetzt aber wirklich gespannt, wie das ausgeht.

Die Gladbacher haben am Freitagabend beim FC Augsburg mit 1:3 verloren. Sie haben in einer von ihnen klar dominierten Partie viele gut herausgespielte Torchancen vergeben. Der Kapitän Lars Stindl hat nach elf verwandelten Elfmetern in Serie erstmals seit Oktober 2016 einen Strafstoß vergeben, er schoss recht deutlich daneben. Die Borussia ist seit acht Pflichtspielen sieglos, sie ist in der Bundesliga ins Mittelfeld abgerutscht, ist aus dem DFB-Pokal ausgeschieden und wird sich am Dienstag gegen Manchester City ziemlich sicher auch aus der Champions League verabschieden.

Auf die Frage, ob er eine Erklärung für die Niederlagenserie hat, sagte Eberl: "Nein." Auf die logische Folgefrage, ob der Zusammenhang zwischen Roses angekündigtem Abschied und den schlechten Ergebnissen nicht offensichtlich sei, ging er nicht ein. Er suggerierte vielmehr, dass Ergebnisse zur Bewertung dieser Situation für ihn wenig relevant seien, indem er erklärte: "Die Ergebnisse sind das eine, aber die Art, wie wir spielen, ist etwas anderes; genau das ist es, was ich als Sportdirektor zu bewerten habe, und die Leistungen waren nicht so schlecht."

Wer sich darüber wundert, dass Eberl die Negativspirale stoisch erträgt, um - bloß noch bis Mai - treu mit einem Trainer zu arbeiten, dessen Interesse dann schlagartig zu Borussia Dortmund wechselt, der musste im Sportstudio erfahren, dass Eberl offenbar auch nicht allzu zerknirscht wäre, sollte Gladbach die Qualifikation für einen Europapokal-Wettbewerb verpassen. "Es kann sein, dass wir vielleicht auch mal eine Saison ohne Europa haben", sagte er. Darauf läuft es momentan hinaus.

Dass ihm diese Perspektive die Gespräche mit Trainerkandidaten nicht gerade erleichtert, liegt auf der Hand. Darüber hinaus gibt es im Kader allerhand Unwägbarkeiten. Von all den denkbaren Wackelkandidaten hat man soeben den Vertrag des Innenverteidigers Nico Elvedi verlängert. Der Verbleib von Spielern wie Matthias Ginter, Denis Zakaria, Florian Neuhaus, Marcus Thuram oder Alassane Pléa bleibt fraglich.

Namen kommentiert Eberl nicht

Den Namen des Trainerkandidaten Ralf Rangnick wollte Eberl nicht kommentieren. Zu Wolfsburgs Oliver Glasner habe man keinen Kontakt. Über den denkbaren Kandidaten Edin Terzic, der mit Borussia Dortmund gerade Erfolge feiert und nächste Saison als Assistent von Rose dort ins zweite Glied zurückkehren soll, sagte Eberl: "Edin Terzic macht es gut, aber er hat sich relativ klar erklärt, dass er bei Rose als Assistenztrainer arbeiten will."

Für das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League bei Manchester City am Dienstag, das wegen drohender Quarantäne-Konsequenzen für Gladbach bei der Rückkehr aus England genauso wie schon das Hinspiel in Budapest ausgetragen wird, nennt Eberl als vorrangiges Ziel, sich spielerisch zu behaupten. Von einer Sensation nach der 0:2-Niederlage im Hinspiel geht gegen den Tabellenführer der Premier League niemand aus.

Jetzt geht's gegen Schlusslicht Schalke

Für die ohnehin angeschlagene Stimmung rund um den Borussia-Park ist das nächste Bundesligaspiel am kommenden Samstagabend beim FC Schalke 04 erheblich bedeutsamer. Und zwar weniger, weil Gladbach in diesem Spiel viel wiedergutmachen könnte, sondern weil eine Niederlage beim abgeschlagenen Tabellenschlusslicht extrem peinlich wäre - und Eberls Treue zu Rose in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend auf den Prüfstand stellen würde.

Außerdem könnte eine Niederlage in Gelsenkirchen die dann achte Pflichtspiel-Niederlage nacheinander bedeuten und damit die Einstellung des negativen Vereinsrekords. Ende 1989 hatte sich der Klubpräsident Helmut Beyer genauso wie heute der Manager Eberl lange gegen die damals erste Trainerentlassung in der Geschichte der Borussia gewehrt: "Eher steigen wir mit Wolf Werner ab, als dass wir einen Trainer vorzeitig entlassen", hatte Beyer gewettert und dies auch "mit Sitte und Anstand" begründet. Nach acht Niederlagen in Serie aber spielte der Anstand keine Rolle mehr. Werner wurde entlassen, sein Assistent Gerd vom Bruch übernahm und gewann direkt gegen Kaiserslautern. Als 15. schaffte man den Klassenerhalt.

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