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Bundesliga:Gladbach ist zurück unter den Besten

Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC

Zufrieden: Breel Embolo und Trainer Marco Rose

(Foto: dpa)

Die Borussia macht die Champions-League-Teilnahme perfekt. Wie schnell das Konzept von Trainer Marco Rose aufgegangen ist, überrascht selbst die Beteiligten.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Als Borussia Mönchengladbach das letzte Mal eine Saison so erfolgreich beendet hatte, haben sie einen Film daraus gemacht. Der Titel: "Auf, auf, auf in die Champions League". Die Fans haben diese Zeile im Frühjahr 2015 immer wieder gesungen, und sie hätten es auch diesmal gesungen, wenn sie im Stadion hätten dabei sein dürfen.

66 Punkte hatten die Gladbacher vor fünf Jahren nach der finalen Saison unter dem Trainer Lucien Favre, und auf 65 kommen sie jetzt in dieser ersten Saison unter dem Trainer Marco Rose. Mit einem 2:1 (1:0) gegen Hertha BSC beendeten sie die Spielzeit angemessen. "Unzähmbar durch Europa", stand auf ihren Jubel-T-Shirts, die sie sich hinterher überzogen.

Knapp vier Jahre nach dem bislang letzten Gladbacher Auftritt in der Champions League im Dezember 2016, einer 0:4-Klatsche beim FC Barcelona (Trainer war damals André Schubert), dürfen die Borussen vom kommenden September an wieder in der europäischen Meisterklasse mitspielen. "Das fühlt sich gut an", sagte hinterher recht gefasst der Trainer Rose, "ein Dank geht an unsere Fans, ohne die hier eine Menge gefehlt hat." Von draußen vor dem Stadion hörte man allerhand Auto-Hupen, irgendwie mussten sich die Fans ja bemerkbar machen.

Der Brasilianer Raffael macht nach sieben Jahren sein letztes Spiel für Gladbach

Gladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof auf der Haupttribüne trug unter seinem recht seriös karierten Hemd ein grellgrünes Gladbacher Sondertrikot und bejubelte, dass sich der vor einem Jahr von allerhand Nebengeräuschen begleitete Trainerwechsel zu Gunsten von Rose und zu Ungunsten von Dieter Hecking als durchaus gerechtfertigt erwiesen hat. "Dass das, was wir uns erhofft hatten, so schnell greift, hat niemand erwartet", sagte Bonhof. "Die Qualifikation für die Champions League ist die Bestätigung einer außergewöhnlich guten Saison."

Vor einem Jahr hatten die Gladbacher die Champions-League-Teilnahme am letzten Spieltag noch an Bayer Leverkusen verloren, weil sie selbst gegen Borussia Dortmund daheim mit 0:2 verloren. Diesmal bescherte ihnen der Spielplan am finalen Spieltag einen Gast namens Hertha BSC, für den es um nichts mehr ging und der den Gladbachern in der ersten Halbzeit so viele unfreiwillige Geschenke machte, dass es zur Pause viel höher hätte stehen müssen als bloß 1:0. Breel Embolo konnte eine Vorlage vom Hertha-Torwart Dennis Smarsch nicht unter Kontrolle bringen, sonst hätte er den Ball nur noch ins Tor schieben müssen. Lars Stindl schoss eine vergleichbare Vorlage vom Hertha-Verteidiger Alexander Esswein nur an den Pfosten und Jonas Hofmann scheiterte allein vor Smarsch. Das einzige Tor vor der Pause erzielte Hofmann in der 7. Minute, aber das komplette Lob dafür gebührte Embolo, weil er sich zuvor mit vollem Einsatz gegen die diesbezüglich eher suboptimal agierenden Abwehrspieler Jordan Torunarigha, Dedryck Boyata und Niklas Stark durchgesetzt und Hofmann den Ball dann aufgelegt hatte.

In der zweiten Halbzeit zeigten sich die Berliner nicht mehr so großzügig, machten den Gladbachern das Resultat aber auch nicht so richtig streitig, so dass die Gastgeber den Sieg heimspielten in dem Wissen, dass ihnen im Fernduell mit Bayer Leverkusen auch ein Unentschieden genügt hätte. Das vorentscheidende 2:0 durfte Embolo in der 78. Minute schießen, diesmal revanchierte sich Hofmann mit einer Vorlage. Das 1:2 durch Vedad Ibisevic in der Nachspielzeit tat nicht mehr weh. Nach dem Schlusspfiff hüpften und tanzten die Spieler über den Rasen und waren sicher auch ein bisschen traurig darüber, dass sie diesen Moment nicht zusammen mit den Fans genießen durften. Deshalb wird es diesmal vermutlich keinen Film geben.

Aber die schönsten Erinnerungen trägt man ja eh im Herzen. "Das ist eine Riesensache für uns", sagte Hofmann über die Champions-League-Qualifikation, "wir sind überglücklich." Sein Mittelfeldkollege Christoph Kramer klang ein wenig sachlicher, als er vorrechnete: "Wer 65 Punkte holt, hat die Champions League verdient." Kramer war im Dezember 2016 beim 0:4 in Barcelona einer von fünf Gladbachern gewesen, die auch jetzt gegen Hertha mitgespielt haben - neben Yann Sommer, Nico Elvedi, Tony Jantschke und dem Brasilianer Raffael, der nach sieben Jahren am Samstag sein letztes Spiel für Gladbach gemacht hat.

© SZ vom 28.06.2020
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