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Gladbach:Borussia jagt Borussia

Erstmals seit vier Jahren ist die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking wieder Zweiter. Beim 4:0 gegen Mainz gelingt Jonas Hofmann der erste Dreierpack seiner Profi-Laufbahn.

"Wir siegen zusammen - wir leiden zusammen", leuchtete es kurz vor Anpfiff von den elektronischen Werbebanden im Borussia-Park. Eine klare Ansage für alle Eventualitäten war das, allerdings ist der Leidensdruck bei Borussia Mönchengladbach zurzeit eher gering. Mit einem deutlichen 4:0 (1:0) gegen den FSV Mainz 05 - und drei Toren von Jonas Hofmann - haben sich die Gladbacher erstmals seit vier Jahren wieder auf den zweiten Platz der Bundesliga geschoben.

In der letzten Oktoberwoche 2014 war ihnen das gelungen, damals unter Trainer Lucien Favre, der jetzt die einzige Mannschaft trainiert, die noch vor den Gladbachern posiert: Borussia Dortmund, oder wie Gladbachs Manager Max Eberl gern witzelt: "Die falsche Borussia." Immerhin aber stehen nun zwei Borussen ganz vorne, und wer weiß, dass "Borussia" neulateinisch für "Preußen" ist, der weiß auch, wo in Deutschland zurzeit der Fußball dominiert wird - ein bisschen jedenfalls.

Zehn Tore hatten die Gladbacher schon in den vier vorangegangenen Spielen erzielt - die Mainzer im selben Zeitraum binnen sechs Stunden: null. Allerdings hatten sie in zuvor sieben Ligaspielen auch nur vier Gegentreffer zugelassen, was eine Herausforderung für die Gladbacher darstellte, zumal bei den Gästen der Stammtorwart Florian Müller nach einer Verletzungspause ins Tor zurückkehrte. Es wurde ein bitterer Abend für den 20-Jährigen.

Wenn man gegen eine schwer zu bezwingende Mainzer Abwehr früh frei vor dem Tor zum Schuss kommt wie Gladbachs neuer Stürmer Alassane Plea schon in der 3. Minute aus fünf Metern, dann ärgert man sich, weil's auch doof aussieht, wenn man über den Ball haut. Plea musste sich aber nicht lange grämen, nur bis zur 21. Minute, als Thorgan Hazard seinen Offensivkollegen Hofmann mit einem präzisen Steilpass zum 1:0 schickte. Hofmann nahm es bei seinem ersten Treffer noch ganz genau, der Ball prallte vom Innenpfosten ins Tor. "Und wir werden deutscher Meister", sangen da bereits die Borussen-Fans. Das war wohl als verbaler Geschenkgutschein fürs Dienstjubiläum von Eberl gedacht, der anlässlich seiner zehn Jahre als Sportdirektor soeben mitgeteilt hat, er wolle mit Gladbach auch mal was gewinnen.

Mit dem vierten Sieg im vierten Heimspiel muss er jetzt zunächst einmal Vorlieb nehmen, aber auf einem guten Weg ist diese personell und taktisch erneuerte Borussia allemal. In der 53. Minute nutzte sie einen Vorstoß zum 2:0, als wieder Hofmann von Hazard bedient wurde, diesmal aber nicht steil in den Raum, sondern entlang der Torlinie. Hazard schoss von rechts - Hofmann vollendete am zweiten Pfosten.

Weil es in einer funktionierenden Elf auch ein Gerechtigkeitsgefühl gibt, wollte der Franzose Plea den fleißigen belgischen Vorbereiter Hazard dann auch einmal belohnen und legte ihm das 3:0 (58.) auf; Hazard drosch den Ball unter die Latte. Die Mainzer waren jetzt endgültig bedient, was die Gladbacher gar noch zum 4:0 nutzten (63.). Hofmann, 26, vor vier Jahren auch mal für Mainz aktiv, schnürrte seinen ersten Dreierpack.