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Giro d'Italia Start in Rosa

Vom eigenen guten Start überrascht: Primoz Roglic in seinem ersten Leader-Trikot bei seiner vierten großen Rundfahrt.

(Foto: Luk Benies/AFP)
Der ehemalige Skispringer Primoz Roglic gewinnt das Auftaktzeitfahren des 102. Giro d'Italia - mit beachtlichem Abstand zu den Mitfavoriten um den Gesamtsieg. Der Slowene hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich.

Der Telemark auf dem großen Podium des Giro d'Italia durfte nicht fehlen. Es ist das Markenzeichen von Primoz Roglic und erinnert an seine erste und durchaus erfolgreiche Karriere als Skispringer. Längst ist der Slowene Radprofi, und in diesem Beruf hat er es dermaßen weit gebracht, dass er nun gleich zum Auftakt der Italien-Rundfahrt das rosa Trikot übernahm. "Diesen Tag werde ich niemals vergessen. Vor fünf Jahren war das unvorstellbar", sagte der slowenische Radprofi, nachdem er das Auftaktzeitfahren in Bologna deutlich gewonnen hatte.

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Der Vorsprung hielt erwartungsgemäß auch nach der zweiten Etappe am Sonntag, bei der die Sprinter im Vordergrund standen und die aus deutscher Sicht mit einer Überraschung endete: Pascal Ackermann gewann die Entscheidung auf den letzten 250 Metern beim Finish in Bologna. "Keiner wollte den Sprint lancieren. Ich habe mir gesagt: Alles oder nichts. Ich bin als erstes losgesprintet und es hat gereicht", sagte Ackermann später. Es war der vierte Sieg in der Karriere des 25-Jährigen, der zuletzt schon den Klassiker in Frankfurt gewonnen hatte und nun beim Giro seine erste große Rundfahrt bestreitet.

Auch Roglic ist noch nicht allzu lange auf der ganz großen Rad-Bühne dabei, vor fünf Jahren hatte er gerade mal seine Radsportkarriere in Gang gesetzt, damals noch im drittklassigen Team Adria Mobil. Erst seit 2016 ist der 29-Jährige im Profigeschäft. Und seit 2016 bringt er die Experten mehr und mehr ins Staunen. In diesem Jahr gewann er schon drei Rundfahrten, stand 13 Mal auf dem Podium und holte acht Siege, was ihn nun zum Topfavoriten auf den Giro-Sieg macht. Gelingt ihm womöglich das Kunststück, wie Gianni Bugno 1990 vom ersten bis zum letzten Tag das rosa Trikot zu tragen? "Ich weiß es nicht. Aber das Wichtigste ist, es in Verona zu tragen", sagt der selbstbewusste Roglic.

In Verona kommt es am 2. Juni zum Finale der 3578,8 Kilometer langen Reise durch Italien. Bis dahin sind noch viele Berge und rund 47 000 Höhenmeter zu bewältigen. "Da kann sich noch viel ändern", sagt der italienische Mitfavorit Vincenzo Nibali, der als schlechterer Zeitfahrer seinen Schaden mit 22 Sekunden Rückstand zum Auftakt in Grenzen hielt. Doch die Abstände auf die Konkurrenten waren schon beträchtlich und haben selbst Roglic "überrascht".

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19 Sekunden auf den britischen Vuelta-Sieger Simon Yates sind es. Der ehemalige Zeitfahr-Weltmeister Tom Dumoulin (Niederlande) verlor gar fast eine halbe Minute. Letzterer hatte Roglic 2016 bei dessen Giro-Debüt in Apeldoorn das rosa Trikot im ersten Zeitfahren noch mit 22 Hundertstelsekunden Vorsprung abgenommen. Vorjahressieger Christopher Froome (Großbritannien/Ineos) verzichtet 2019 auf den Giro. Deutsche Profis waren beim Zeitfahren erwartungsgemäß nicht im vorderen Teil des Klassements zu finden, als bester kam Jasha Sütterlin (Freiburg/Movistar) auf Platz 95 (+1:41).

Roglic gewann bereits 2016 das Giro-Zeitfahren in Chianti, woraufhin er verdächtigt wurde, mit einem Motor unterwegs gewesen zu sein. Er bestritt die Vorwürfe kategorisch, wurde in den folgenden Jahren jedenfalls immer besser. 2017 gewann er bei der Tour de France die Alpenetappe in Serre-Chevalier, im vergangenen Jahr wurde er bereits Gesamtvierter bei der Frankreich-Rundfahrt. Mittlerweile bringt Roglic alles mit, um eine große Rundfahrt zu gewinnen. Er ist ein exzellenter Zeitfahrer und kommt mit einem Gewicht von nur 65 Kilogramm gut die Berge hinauf - ein Wettkampfgewicht, das er bereits in seiner ersten Karriere hatte. Dass sein schwerer Sturz beim Skispringen für den Umstieg aufs Rad sorgte, verneint Roglic aber: "Man muss die Stürze im Skispringen akzeptieren wie im Radsport." Was Roglic noch fehlt zum ersten großen Sieg, ist vielleicht die Erfahrung. Der diesjährige Giro ist erst die vierte Grand Tour, die er bestreitet. Entsprechend spekulieren die routinierten Fahrer, vor allem der erfahrene Vincenzo Nibali, dass es für den Slowenen in der letzten Woche eng werden könnte.

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