Süddeutsche Zeitung

Gibraltar:Jubel in Jerewan

Das zweitjüngste Uefa-Mitglied Gibraltar gewinnt überraschend in Armenien. Es ist der erste Pflichtspielsieg für das Land, das von den Rahmenbedingungen der viel diskutierten Nations League profitiert - wie andere kleine Fußball-Nationen zuvor.

Am 24. Mai 2013 wurde Gibraltar als 54. vollwertiges Mitglied von der europäischen Fußball-Union (Uefa) aufgenommen. Es dauerte schließlich doch etwas mehr als fünf Jahre, dann war es am Samstagabend soweit: Gibraltar hat sein erstes Pflichtspiel gewonnen: 1:0 (0:0) im D-Ligaspiel der Nations League in Armenien.

Es war ein historischer Triumph, nach dem das 34 000-Einwohner-Land durchaus einen Sinn in der Nations League erkennen wird. Unlängst hatte ja als einer von vielen auch Liverpools Trainer Jürgen Klopp gegen die von der Uefa neu geschaffene Liga gewettert und sie als "sinnlosesten Fußball-Wettbewerb der Welt" bezeichnet, der unübersichtlich sei und die Sommerpause für die ohnehin schon überlasteten Nationalspieler verkürze.

Auch die Färöer und Kosovo haben in der Nations League schon gewonnen

Doch den kleinen Teams kommt die Liga offensichtlich entgegen, hatte doch Gibraltar bislang zwar zwei Siege feiern können, jeweils 1:0 gegen Lettland und Malta - allerdings "nur" in Freundschaftsspielen. Gibraltar, die Nummer 198 der Fifa-Weltrangliste, trifft nun in der niedrigsten Spielklasse in Pflichtspielen auf ähnlich stark einzuschätzende Teams. Auch Kosovo, das jüngste Uefa-Mitglied, feierte in der Gruppe 3 der D-Liga bereits seinen ersten Pflichtspielsieg am zweiten Spieltag: 2:0 gegen die Färöer, die wiederum zuvor ein 3:1 gegen Malta bejubelten. Gibraltar verlor seine ersten Spiele gegen Mazedonien (0:2) und Liechtenstein (0:2).

In Jerewan war am Samstag Joseph Chipolina der Schütze des historischen Siegtreffers für Gibraltar: Der 30 Jahre alte Abwehr- und Futsalspieler verwandelte fünf Minuten nach dem Seitenwechsel einen Foulelfmeter gegen die drückend überlegenen Gastgeber, bei denen auch der frühere Bundesliga-Profi Henrik Mkhitaryan und der eingewechselte Regensburger Zweitliga-Spieler Sargis Adamyan die Blamage nicht verhindern konnten.

In seiner vorherigen Länderspiel-Geschichte hatte Gibraltar sämtliche Pflichtspiele verloren, darunter auch die beiden Qualifikationsspiele zur EM-Endrunde 2016 in Frankreich gegen den damaligen Weltmeister Deutschland.

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SZ vom 14.10.2018 / SZ, sid
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