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Gewichtheben:Ajan muss Macht abgeben

Weltverband der Gewichtheber will Vorwürfe gegen Präsidenten prüfen

Die Enthüllungen rund um den Gewichtheber-Weltverband IWF haben Konsequenzen für dessen Präsidenten Tamas Ajan. Allerdings schafften es seine verbandsinternen Kritiker nicht, den umstrittenen Ungarn zum direkten und vollständigen Rückzug zu zwingen. Stattdessen muss Ajan, 81, nun einen Teil seiner operativen Macht für 90 Tage abgeben, wie die Föderation nach einer Sitzung des Exekutivkomitees in Doha mitteilte. Diese übernimmt übergangsweise die Vizepräsidentin Ursula Papandrea aus den USA. Innerhalb der drei Monate soll nun eine vierköpfige Kommission um Papandrea die Vorwürfe gegen Ajan untersuchen. Zum nächsten Treffen der Exekutive sowie zum nächsten Kongress Mitte März in Bukarest soll bereits ein Zwischenbericht vorliegen.

Allerdings ist noch unklar, ob durch dieses Manöver wirklich Ajans Zeit im Verband endet, weil sein Einfluss durch seine fast 20-jährige Präsidentschaft immens groß ist. Der Ungar kämpft erkennbar darum, seine Position zu behalten, und bestreitet auch weiter Fehlverhalten. Die Vorwürfe gegen die IWF im Allgemeinen und ihn im Besonderen seien unbegründet: "Sie werden nicht von den relevanten Unterlagen oder von Personen unterstützt, die an den relevanten Entscheidungen beteiligt sind", sagte er.

Anfang Januar hatte die ARD neue Erkenntnisse veröffentlicht, wie unter Ajans Präsidentschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein System aus Dopingvertuschung, Korruption und schwarzen Kassen etabliert worden sei. Gewichtheben ist eine der Sportarten, in denen es zu besonders vielen Dopingfällen kommt. Nach der Ausstrahlung des Films erhärteten mehrere Funktionäre die Vorwürfe. Zu den zentralen Kritikpunkten gehört dabei, dass der Verbleib von Verbandsgeldern in Höhe von 5,5 Millionen Dollar ungeklärt ist. Strafrechtler fordern, dass sich die Justiz den Fall anschaut. Sie sehen in den Vorgängen rund um die IWF Anhaltspunkte für Falsch-Beurkundung, ungetreue Geschäftsbesorgung und Veruntreuung. Zuletzt war daher auch verstärkt die Forderung aufgekommen, dass die Sportart ihren olympischen Status verlieren solle; unter anderem Richard Pound, dienstältestes Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), trug dies vor.

Der Bund Deutscher Gewichtheber (BVDG) begrüßte die Entscheidung des Exekutivkomitees. "Der internationale Gewichtheben braucht einen Neuanfang, strukturell und personell", sagte BVDG-Präsident Christian Baumgartner.

© SZ vom 24.01.2020 / SZ
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