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Generalbundesanwalt zu Gewalt im Fußball:Range fordert elektronische Fußfesseln für Fußballrowdys

Randale in den Stadien, Sachschäden in Millionenhöhe: Weil die Gewalttaten im Umfeld des Fußballs nicht in den Griff zu bekommen sind, fordert Generalbundesanwalt Range ein hartes Durchgreifen. Auch das Ende der Stehplätze steht zur Debatte.

Angesichts von Gewalt in Fußballstadien hat Generalbundesanwalt Harald Range den Einsatz elektronischer Fußfesseln ins Gespräch gebracht. "Notorische Hooligans, die als Rowdys bekannt sind, könnten eine elektronische Fußfessel bekommen", sagte Range der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Bislang habe die Polizei nur die Möglichkeit, Platzverweise auszusprechen. "Aber die Kontrolle, ob diese Platzverweise von den Verdächtigen wirklich eingehalten werden, ist in der Praxis oft nicht gegeben." Für den Einsatz elektronischer Fußfesseln sei eine Erweiterung des Polizeirechts nötig, räumte Range ein, der Mitglied der FDP ist.

Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC

Fußfesseln für Hooligans? Im deutschen Fußball werden selbst bislang nicht vorstellbare Mittel diskutiert.

(Foto: dpa)

Auch der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Lorenz Caffier, hat sich im Interview mit der Welt für eine ganze Reihe von Maßnahmen ausgesprochen, um Gewalttaten im Umfeld des Fußballs einzudämmen. Der CDU-Politiker forderte eine konsequente Durchsetzung von Stadionverboten, ein Alkoholverbot, personalisierte Tickets und den Ausbau der Videoüberwachung. Auch die Abschaffung von Stehplätzen dürfe "kein Tabu" sein.

Die zunehmende Zahl der Verletzten sei ein "absolutes Alarmzeichen", sagte Caffier. "Es gibt nach wie vor einzelne Vereine, bei denen Stadionverbote umgangen werden können. Da werden Fußball-Rowdys dann über sogenannte Fan-Kontingente hereingelassen." Caffier sprach sich auch für ein Alkoholverbot aus: "Unstrittig ist, dass Alkohol die Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft deutlich absenkt. Deshalb bin ich für ein konsequentes Alkoholverbot bei der Anfahrt mit der Bahn und im öffentlichen Nahverkehr", sagte Caffier.

Zuletzt hatte die Bahn als Reaktion auf schwere Beschädigungen in ihren Zügen durch Fußballanhänger einen Fangipfel angekündigt. Im vergangenen Jahr entstand dem Unternehmen nach eigenen Angaben durch die Anhänger der Klubs ein Schaden im einstelligen Millionenbereich.

Am Wochenende hatte bereits Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Klubs aufgefordert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Entweder sie brächten die Randale-Fans zur Räson oder sie müssten für die Schäden mit aufkommen, sagte er dem Nachrichtenmagazin Focus.

© Süddeutsche.de/sid/dapd/rela/segi

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