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Geständnis von Bronson Arroyo:"Ich fühlte mich wie ein Monster!"

Das Doping-Geständnis des Baseball-Spielers Bronson Arroyo ist wohl einmalig in der Sportwelt - und sorgt für Aufregung unter Kollegen und Fans.

Bronson Arroyo dürfte kein Profisportler sein. Mit seinen langen blonden Haaren und dem zu großen T-Shirt sieht er aus wie der verstorbene Grunge-Musiker Kurt Cobain, er veröffentlichte vor einigen Jahren eine Rock-CD, hin und wieder gibt er Konzerte. Auch seine Wortwahl erinnert eher an einen Rockstar als an einen Athleten: "Es ist mir scheißegal, was die Leute von mir halten." Branson ist jedoch Baseballspieler, er ist Werfer bei den Cincinnati Reds - und er hat mit seinem Geständnis in der Tageszeitung USA Today, regelmäßig leistungsfördernde Mittel zu nehmen, die Sportwelt in Aufruhr versetzt. Ihm selbst freilich ist die Aufregung egal: "Ich mache, was ich will - und ich sage, was ich will."

Bronson Arroyo, Doping, Getty

Der Baseballer Bronson Arroyo an der Gitarre.

(Foto: Foto: Arroyo)

Es ist das wohl ehrlichste und ungewöhnlichste Geständnis in der Geschichte des Dopings, das der 32-jährige Pitcher da abgegeben hat. Arroyo wurde noch nie in seiner Karriere positiv getestet, er stand noch nicht einmal unter Verdacht - und der gewährte nun Einblick in seinen Arzneischrank. Bunte Pillen purzelten da heraus und Pülverchen, sie tragen Namen wie Triflex, Adderall oder xelR8 und enthalten Kreatin, Ginseng und Amphetamine. Die meisten davon stehen auf der schwarzen Liste der Major League Baseball. "Ich nehme zehn bis zwölf verschiedene Mittel pro Tag, an Spieltagen noch vier weitere." Erwischt wurde er bisher nicht. "Alle Tests waren negativ, also denke ich, dass alles in Ordnung ist", sagt Arroyo. Er ist damit der erste aktive Sportler, der offen zugibt, verbotene Substanzen einzunehmen.

Erstaunliche Dreistigkeit

Das wahrlich Erstaunliche jedoch ist die Lakonie, mit der Arroyo über Doping spricht. "Wenn ich im Sport etwas erreichen will und jemand gibt mir ein leistungsfördendes Mittel, dann versuche ich das", sagt er. "Wenn ich merke, dass ich damit besser spiele, dann werde ich es beim nächsten Mal auch wieder nehmen." Es sei Privatsache, was er seinem Körper zumute - und für die Folgen würde sich ohnehin niemand interessieren, so lange die Leistung stimmt: "Glaubst Du, dass sich wirklich jemand darum kümmert, ob Manny Ramirez im Alter von 50 Jahren an Nierenversagen stirbt? Die Leute wollen, dass seine Mannschaft gewinnt und fertig."

Mit seinem Geständnis nährt Arroyo den Verdacht, dass Baseball ein von Doping versuchter Sport ist und kaum etwas dagegen unternommen wird - wie sonst kann einer wie Arroyo jahrelang dopen und keiner merkt es? Die Liga verkündete kürzlich, dass während der vergangenen Saison zwischen fünf und sieben Prozent aller Spieler positiv getestet worden seien.

Konsequenzen aus diesem Test soll es frühestens ab der kommenden Spielzeit geben - nur der von Arroyo erwähnte Manny Ramirez, einer der erfolgreichsten Schlagmänner, wurde im Mai für 50 Spiele gesperrt, weil in seinem Körper ein Mittel gefunden wurde, das den Missbrauch von Steroiden kaschiert. "Viele Spieler dachten, dass es mehr als fünf Prozent sein würden", sagt Arroyo.

Arroyo wurde in Brooksville geboren, einem Kaff im Westen Floridas. Sein Vater Gus fütterte ihn bereits mit Nahrungsergänzungsmitteln, als er fünf Jahre alt war. "Aus gesundheitlichen Gründen", betont der Vater. Der Sohn ging nicht aufs College, sondern kämpfte sich von 1995 an durch die unteren Ligen und tat sich schwer, Gewicht zuzulegen. Er entdeckte Androstendion, ein Sexualhormon, das chemisch dem Testosteron ähnelt. "Ich habe es genommen, als wären es Vitame. Ich fühlte mich unglaublich, wie ein Monster", sagt er.

"Ich bereue wirklich nichts"

Arroyo wurde kräftiger, schaffte es in die Major League Baseball und gewann im Jahr 2004 mit den Boston Red Sox die World Series. Zwei Jahre später unterschrieb er bei den Cincinnatti Reds einen Vertrag, der ihm 38 Millionen Dollar für fünf Spielzeiten garantierte. Er ist einer der bestbezahlten Werfer der Liga - und gibt nun bewusstes Doping zu: "Ich bereue wirklich nichts." Seit 2004 verzichte er auf den Gebrauch von Androstendion, die anderen Sachen schluckt er weiterhin.

Arroyos Aussagen werden in der amerikanischen Sportwelt zwiespältig aufgenommen. Einerseits wird der Pitcher für seine Offenheit gelobt, andererseits gerügt wegen der Naivität seiner Worte. "Er möchte wohl so nahe wie möglich an den Abgrund kommen möchte, ohne hinuterzufallen", sagt Gary Wadler, Mitglied der Welt-Antidoping-Agentur. Einen Fürsprecher findet Arroyo in Jim Leyland, dem Trainer der Detroit Tigers: "Den Fans ist egal, was Spieler zu sich nehmen. Diejenigen, die das stört, sind Menschen, die Baseball nicht mögen."

Bezeichnend bei der Debatte ist indes, wie die Liga mit Arroyos Aussagen umgeht. Er wurde zu einem sogenannten Informationsgespräch gebeten, heißt es. Eine Strafe habe er allerdings nicht zu befürchten, so lange seine Tests negativ ausfielen. Rich Levin, Vizepräsident der MLB, erklärte lapidar: "Wenn Du Sachen nimmst, die nicht auf der offiziellen Liste stehen, dann machst Du das auf eigenes Risiko. Du bist selbst dafür verantwortlich, was Du in Deinen Körper steckst."

Arroyo freilich ist der Wirbel um seine Aussagen egal. Einen Tag nach seinem Geständnis gelang ihm gegen die Washington Nationals eine formidable Leistung. Auf die Frage, ob ihn der Rummel nicht belaste, sagte er nur: "Mein Vater kam heute mit dem Flugzeug, um sich das Spiel anzusehen. Wäre das abgestürzt, dann hätte ich genauso gut gespielt - weil mein Vater das von mir erwartet hätte. Baseball ist das Wichtigste in meinem Leben." So wie die MLB derzeit mit der Doping-Problematik umgeht, wird der uneinsichtige Manipulator Bronson Arroyo noch sehr lange Baseball spielen dürfen.