Gesichter der Leichtathletik-WM:"Wir alle verdienen dieselben Rechte"

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Gesichter der Leichtathletik-WM: Nick Symmonds kritisiert das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz.

Nick Symmonds kritisiert das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz.

(Foto: AFP)

Als erster Sportler der Leichathletik-WM kritisiert der US-Amerikaner Nick Symmonds die Diskriminierung von Homosexuellen in Russland. Er widmet seine Silbermedaille über 800 Meter seinen lesbischen und schwulen Freunden.

Von Victor Fritzen

Als Nick Symmonds am Dienstagabend bei der Leichtathletik-WM das 800-Meter-Finale als Zweiter beendete, gab er den Journalisten bereitwillig Auskunft. Darüber, dass er auf den letzten 100 Metern schwere Beine bekommen habe. Dass er um Gold gekämpft habe, mit Silber aber auch zufrieden sei. Und er sprach ein Thema an, an das sich bislang kein Athlet herangetraut hatte: die Diskriminierung von Homosexuellen in Russland.

Der US-Amerikaner nutzte seinen Erfolg für eine politische Botschaft: "Egal, ob du schwul, hetero, schwarz oder weiß bist: Wir alle verdienen dieselben Rechte", teilte der 29-Jährige einem Reporter der russischen Agentur R-Sport mit. "Soweit ich das offen sagen kann, bin ich der Ansicht, dass alle Menschen Gleichberechtigung verdienen, wie auch immer Gott sie geschaffen hat", sagte der Läufer nach seiner persönlichen Bestleistung, die er seinen schwulen und lesbischen Freunden in der Heimat widmete. "Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, für gleiche Rechte einzutreten, werde ich das tun, egal, ob ich dafür ins Gefängnis gehe."

Eine ungewöhnlich forsche Aussage. Trotz des neuen Gesetzes. Trotz der möglichen juristischen Konsequenzen. Trotz der Warnung der russischen Regierung. Denn wer in Russland über die Beziehung und Liebe zum gleichen Geschlecht spricht, muss neuerdings aufpassen, wo und in wessen Beisein er das macht. Seit Juni könnten derartige Äußerungen strafrechtliche Konsequenzen haben.

Das jüngst verabschiedete Gesetz zum Verbot von "Propaganda nicht-traditioneller Beziehungen" stellt unter anderem positive Äußerungen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen oder über Medien, auch das Internet, unter Strafe. Wer dagegen verstößt, dem drohen hohe Geldstrafen, mitunter auch Gefängnis. Das Gesetz schließt auch Ausländer ein, die von russischen Behörden bis zu 15 Tage in Gewahrsam genommen werden können.

Ob auch Nicholas, genannt Nick, Symmonds, noch von den russischen Behörden belangt wird, ist unklar. Der 29-Jährige, geboren in Sun Valley, Idaho, ist nicht immer so nachdenklich. Beispielsweise dann, wenn der Name Paris Hilton fällt. Dann schwärmt er. 2012 durfte er die Schicki-Micki-Hotel-Erbin gar in einer Lounge des Beverly-Hills-Hotels treffen.

Moskau war Symmonds dritte WM - und seine beste. Schließlich gewann er erstmals eine Medaille. Schon vor den Wettbewerben hatte er in einem Blogbeitrag für Runners World seine Opposition formuliert. "Ich respektiere dieses Land. Aber ich bin mit seinen Regeln nicht einverstanden." Jene Gesetze würden die öffentliche Diskussion über Homosexualität kriminalisieren. "Als Amerikaner glaube ich an die Meinungsfreiheit und Gleichheit für alle, und kann deshalb dem Gesetz, das Russland in Kraft gesetzt hat, nicht zustimmen."

Abseits der Tartanbahn des Lushniki-Stadions ist das neue Gesetz längst zum Politikum geworden. Im Westen werden Forderungen nach einem Boykott der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und der Fußball-WM 2018 laut. Selbst die Mächtigsten schalten sich ein. US-Präsident Obama und der britische Premier Cameron sind besorgt wegen der Schikanierung von Homosexuellen.

Nick Symmonds verspricht seinen schwulen und lesbischen Freunden, auch nach seiner Rückkehr für ihre Rechte einzusetzen. "Ich werde weiter gegen die Ungerechtigkeiten kämpfen, mit meinen Worten und meinen Füßen."

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