Der Leichtathletik-Weltverband, World Athletics (WA), hat als erster olympischer Weltsportverband in der jüngeren Historie verpflichtende DNA-Tests beschlossen. So soll die biologische Zugehörigkeit einer Athletin beziehungsweise eines Athleten bestimmt werden. Verbandspräsident Sebastian Coe bezeichnete die Entscheidung des WA-Councils als „wirklich wichtigen Schritt zum Schutz der Frauen“. Man wolle „nicht nur über die Integrität des Frauensports sprechen, sondern sie tatsächlich garantieren“.
Das Thema der Differenz der Geschlechtsentwicklung (DSD) war zuletzt wieder in den Fokus gerückt. Beim olympischen Boxturnier in Paris hatte es Debatten darüber gegeben, ob die späteren Siegerinnen Imame Khelif und Yu-tin Lin in der Frauenklasse hätten starten dürfen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte auf die Reisepässe der Athletinnen verwiesen, in denen das weibliche Geschlecht ausgewiesen ist. Coe hatte die Debatte während seiner Kandidatur um das Präsidentenamt des IOC immer wieder thematisiert, er war beim Wahlsieg von Kirsty Coventry mit nur acht von 97 Stimmen aber chancenlos.
Coe betonte nun, dass der Abstrichtest nicht als übermäßig invasiv angesehen werde. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Richtlinie einer rechtlichen Anfechtung standhalten könne. „Wir haben wegen unserer DSD-Regelungen vor dem Schiedsgericht geklagt. Sie wurden bestätigt und auch nach Berufung erneut bestätigt.“ Auslöser waren Klagen der südafrikanischen Läuferin Caster Semenya gewesen. Die Debatte hatte dazu geführt, dass DSD-Athleten in der Leichtathletik bis zuletzt ihren Hormonspiegel mit Medikamenten senken mussten, um an Wettbewerben der Frauen teilzunehmen. Diese Regel wird nun von den neuen DNA-Tests abgelöst.