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Geschichten aus der Regionalliga:Der Student

Stürmer Patrick Hasenhüttl (rechts) wurde bei der SpVgg Unterhaching, dem VfB Stuttgart und dem FC Ingolstadt ausgebildet. Im Sommer wechselte er zu Türkgücü München.

(Foto: Claus Schunk)

"Hier geht es knallhart um Punkte": Türkgücüs Torjäger Hasenhüttl über den Wechsel von einem Ausbildungsklub.

Es gibt Fußballer, die sich nach einem Hattrick samstags einen schönen und entspannten Sonntag machen und ihren Erfolg genießen. Patrick Hasenhüttl konnte das nicht: "Ich musste meine Hausarbeit am Sonntag noch formatieren", sagte der Stürmer von Türkgücü München, "das hat mehrere Stunden gekostet."

Der 22-Jährige setzt sich derzeit mit Problemen auseinander, die jeder aktive oder ehemalige Student kennt, kurz vor Abgabeschluss muss die Hausarbeit noch einmal gegengelesen, ein Inhaltsverzeichnis erstellt und der Zeilenabstand geändert werden. Hasenhüttl hatte am Montag seine Hausarbeit zum Thema "Sportkommunen" abzugeben, als Beispiel nahm er die Stadt Dortmund: "Mit dem BVB in der Stadt ist das schon interessant, nur ist das ganze Recherchieren sehr zeitintensiv." Der 22-Jährige studiert Sportmanagement per Fernstudium, als Profifußballer ist das die einzige realistische Option.

Von einem Engagement bei Borussia Dortmund ist er allerdings noch ein Stück weit entfernt. Momentan mischt Hasenhüttl mit Türkgücü die Regionalliga Bayern auf, nach zehn Spielen führt er die Torschützenliste mit acht Treffern an. Beim 4:1-Sieg gegen Rosenheim zuletzt traf er gleich drei Mal. Sein Studium hat er begonnen, weil er die Freizeit, die man als Profi hat, sinnvoll nutzen wollte: "Man weiß ja, wie schnell es im Fußball gehen kann. Eine Verletzung oder zwei schlechte Jahre, und schon ist man weg vom Fenster." Mit der Hausarbeit hat er vor wenigen Tagen das vierte Semester abgeschlossen, in einem Jahr will er seinen Bachelortitel in der Tasche haben: "Dafür nehme ich die zwei Monate intensives Lernen pro Jahr in Kauf."

Seine Karriere hat das bisher nicht beeinträchtigt, im Gegenteil: Mit Türkgücü steht er momentan als Aufsteiger auf Tabellenrang zwei. Der Verein will sich in den nächsten Jahren peu à peu in die zweite Liga vorarbeiten, alleine in diesem Sommer verzeichnete man 23 Zugänge - Hasenhüttl war einer von ihnen. "Am Anfang habe ich mir auch gedacht: Wie witzig, niemand hier kennt sich", erzählt der Unterhachinger. "Aber in den letzten Spielen merkt man, dass wir so langsam ins Rollen kommen. Ich bin auch überrascht, dass das so gut geklappt hat."

Patrick Hasenhüttl spielte vor seinem Engagement in München drei Jahre beim FC Ingolstadt II - qualitativ kein Vergleich zu Türkgücü: "Die zweite Mannschaft ist eine Ausbildungsmannschaft, da hat man noch nicht diesen Druck. Die Platzierung am Ende der Saison ist eher zweitrangig. Hier geht es knallhart um Punkte." Türkgücü hat langfristig das Ziel, der zweitbeste Verein Münchens zu werden. In Sachen Infrastruktur ist das allerdings noch ein weiter Weg. "Türkgücü möchte da hin, wo der FC Ingolstadt schon ist", sagt Hasenhüttl. "Dort wurde ein Leistungszentrum mit Kraftraumund beheizten Kunstrasenplätzen aufgebaut. Da hinkt der Verein hier noch ein gutes Stück hinterher." Ein riesiges Stück sogar: Momentan teilt man sich mit drei Amateurmannschaften die Bezirkssportanlage Perlach-Nord, der Rasenplatz ist durch die vielen Trainingseinheiten stark ramponiert.

In Ingolstadt fand Hasenhüttl nicht nur optimale Trainingsbedingungen, sondern auch ein familiäres Umfeld vor - sein Vater Ralph trainierte die erste Mannschaft. "Ich hätte aber nicht gerne unter ihm gespielt", gesteht der 22-Jährige. "Ich glaube nicht, dass es gut für das Teamgefüge ist, wenn der Sohn des Trainers in der Kabine sitzt." Inzwischen trainiert sein Vater den FC Southampton in der Premier League, den Hattrick seines Sohnes konnte er aber dank der Länderspielpause vor Ort mitverfolgen: "Er war stolz und hat sich gefreut, dass er so ein gutes Spiel erwischt hat." Das langfristige Ziel von Patrick Hasenhüttl ist die Bundesliga - dafür würde er sogar in Kauf nehmen, von seinem Vater trainiert zu werden.