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Zum Tod von Georg Volkert:Eine Nürnberger Legende

Georg volkert

Für seine Strafstöße berühmt: Georg "Schorsch" Volkert.

(Foto: imago sportfotodienst)

Georg "Schorsch" Volkert gewann mit dem Club die Bundesliga und stieg als Meister ab. Mit 74 ist er nun gestorben. Seine Legende lebt auch in einem Gedicht weiter.

Nachruf von Markus Schäflein

Der frühere Nationalspieler und langjährige Bundesligaprofi Georg "Schorsch" Volkert ist tot. Der gebürtige Mittelfranke starb, wie erst am Montag bekannt wurde, bereits am vergangenen Sonntag in Erlangen mit 74 Jahren an Herzversagen.

1961 kam Volkert mit 16 Jahren von der SpVgg Ansbach zum 1. FC Nürnberg. Mit dem Club wurde er in der Saison 1967/68 deutscher Meister; dabei bildete er mit Zvezdan "Zick-Zack" Čebinac die gefürchtete Flügelzange und setzte die Mittelstürmer Franz Brungs (25 Tore) und Heinz Strehl (18) in Szene. Auch beim so genannten "Jahrhundertspiel", einem 7:3 gegen Bayern München am 2. Dezember 1967, wirkte er mit und steuerte einen Treffer bei. Im März 1968 debütierte er unter Bundestrainer Helmut Schön in der Nationalmannschaft, für die er bis 1977 auf zwölf Einsätze kam.

Nach der Meisterschaftssaison stiegen Volkert und die ganze Nürnberger Mannschaft aufgrund verfehlter Personalpolitik in die zweite Liga ab. "Man denkt sich immer: Ach, des pack ma scho wieder, wir kriegen noch die Kurve. Wir haben ja noch sechs Spiele", erklärte Volkert später. "Doch dann hat man nur noch fünf, nur noch vier ... und plötzlich ist dann ein Knacks da." So zählte er zu den ganz wenigen Spielern, die behaupten können, als amtierender Meister aus der Bundesliga abgestiegen zu sein - bis auf den Club ist das noch keinem anderen Verein passiert.

Volkert wechselte daraufhin zum FC Zürich und 1971 für 500 000 Mark zum Hamburger SV. Dort erlebte er seine sportlich erfolgreichste Zeit. 1977 gewann er mit den Hanseaten den Europapokal der Pokalsieger, beim 2:0-Sieg im Endspiel in Rotterdam gegen den RSC Anderlecht erzielte Volkert das erste Tor per Elfmeter in der 80. Minute selbst und bereitete den zweiten Treffer durch Felix Magath (90.) vor. Überhaupt war er für seine Strafstöße berühmt: Mit 31 (von 35) verwandelten Elfmetern in 410 Spielen gehörte er zu den besten Strafstoßschützen der Bundesliga; insgesamt erzielte Volkert 125 Treffer.

Volkert ist in einem Gedicht des Schrifstellers Peter Handke verewigt

1978 wechselte der Angreifer zum VfB Stuttgart, 1980 kehrte er schließlich zum Club zurück, wo er 1981 ein kurioses Karriereende erlebte. Am vorletzten Spieltag, als sich die Nürnberger durch ein 2:0 gegen Arminia Bielefeld den Klassenverbleib sicherten, feierten die Fans die Mannschaft. Volkert verletzte sich in einer Jubeltraube und fiel für sein letztes Spiel als Profi mit dem Club in Leverkusen aus.

Danach ging Volkert zunächst zurück nach Hamburg. Er übernahm die Generalagentur einer Versicherungsgesellschaft und eröffnete ein Immobilienbüro. 1986 begann er seine Karriere als Manager beim FC St. Pauli; diese Funktion übernahm er später auch beim HSV, beim VfB Lübeck und schließlich ab 1996 beim 1. FC Nürnberg. Dort wurde er allerdings im Dezember 1998 entlassen, womit seine Laufbahn als Vereinsmanager beendet war. Er lebte danach in der Gemeinde Sachsen bei Ansbach in der Nähe seiner Geburtsstadt und betrieb eine Sportagentur.

2017 erlitt Volkert einen Herzinfarkt, von dem er sich nie mehr ganz erholte. Im November 2019 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden. "Schorsch Volkert ist echter Clubberer und eine fränkische Fußball-Legende. Er prägte eine große Zeit beim 1. FC Nürnberg samt der Überraschungsmeisterschaft 1968", sagte Ministerpräsident Markus Söder.

Weil Volkert ein großer Fan des Nürnberger Vereinslieds "Die Legende lebt" war, kam er einmal zu einem Konzert der Band von Komponist Mark Bender in Nürnberg und überreichte ihm ein Autogramm - mit der Aufschrift "Von Legende zu Legende". Für Bender war das "ein schöner Moment" - und in der Tat lebt nun auch Volkerts Legende weiter. Auch in der Literatur, weil der österreichische Dichter Peter Handke ihn in seinem Band "Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt" in einem Gedicht verewigte. Es trägt den Titel "Die Mannschaftsaufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27.1.1968".

© SZ vom 18.08.2020/tbr
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