Christian Gentner:Enttäuscht war er von Hitzlspergers Entschluss. Aber: "Ich bin nicht nachtragend."

Am Ende hat nun ausgerechnet der 1. FC Union von diesem Dilemma profitiert. "Es gab auch die Möglichkeit, nach Australien oder in die USA zu wechseln", sagt Gentner, "aber weil ich in Stuttgart so spät Klarheit hatte, war die Vorlaufzeit zu kurz. Mit Familie hätte so ein Abenteuer besser vorbereitet werden müssen."

So gesehen hat es Gentner ironischerweise seinem VfB zu verdanken, dass er nun noch mal die Chance hat, neben einer regionalen auch eine überregionale Legende zu werden. Er ist zweimal deutscher Meister geworden, ohne je für den FC Bayern oder den BVB gespielt zu haben, er hat das mit dem VfB und dem VfL Wolfsburg geschafft. 377 Erstligaspiele stehen in seiner Personalakte, damit führt er die Liste der noch aktiven Profis an, abgesehen von Claudio Pizarro (472), der aber wahrscheinlich nicht gilt, weil er ja niemals aufhört. In dieser Saison könnte Gentner in den erlesenen 400er-Klub aufrücken, er könnte Klaus Augenthaler (404) überholen oder Pierre Littbarski (406).

"Mein Körper gibt mir im Moment das Signal: Okay, wir können noch ein bisschen", sagt Gentner. Mit Unions Verantwortlichen hat er vereinbart, dass sie im Winter mal schauen, ob er vielleicht sogar noch ein weiteres Jahr seine Läufe startet. In der Spiele-Rangliste könnte es dann in Richtung Gerd Müller (427) gehen.

"Ich hätte das schriftlich fixieren lassen sollen."

Der Erstligaspieler Christian Gentner wird auf jeden Fall weiter beobachten, wie es seinem VfB in der zweiten Liga geht. Thomas Hitzlsperger hat schon mal angedeutet, dass man sich LeGente in Zukunft wieder beim VfB vorstellen könnte, in einer noch nicht exakt definierten Rolle. Gentner mag das nicht ausschließen, "ich bin kein nachtragender Mensch", sagt er, aber er will sich das lieber schriftlich geben lassen. Mit dem Sportvorstand Michael Reschke und dem Präsidenten Wolfgang Dietrich hat er schon mal eine Zusammenarbeit nach seinem Karriereende vereinbart, aber unpraktischerweise sind die beiden inzwischen kein Sportvorstand und kein Präsident mehr.

"Ich hätte das schriftlich fixieren lassen sollen", sagt Christian Gentner, "das ist die Lehre, die ich daraus gezogen habe. Für mündliche Zusagen ist die Fluktuation einfach zu hoch." Im Profifußball. Beim VfB. Und der Einzige, der wirklich für Kontinuität und Treue steht, der spielt jetzt für Union Berlin.

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