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Geldsorgen bei Rennstall RadioShack-Nissan:Aufruhr im Großherzogtum

Die luxemburgischen Rad-Mannschaft RadioShack-Nissan sollen Defizite in Millionenhöhe plagen - prominente Angestellte wie Fabian Cancellara und die Schleck-Brüder beschweren sich inzwischen sogar wegen ausbleibender Gehaltszahlungen. Dafür haben die Team-Verantwortlichen ihre eigene Erklärung.

Das in Luxemburg lizensierte Radprofiteam RadioShack trägt bislang interne Streitigkeiten nun öffentlich aus. Dabei ist das Großherzogtum ohnehin schon in heller Aufregung, seitdem der mögliche Lizenzverlust des um die zwei Volkshelden Andy und Fränk Schleck konstruierten Teams thematisiert wird ( SZ vom 14.7.).

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Sie warten bisher auf ihr Geld - und legten offenbar Beschwerde ein: Fabian Cancellara und Fränk Schleck. 

(Foto: Getty Images)

Nun hat zudem die Trägergesellschaft des Rennstalls, Leopard S.A., erstmals eingeräumt, dass die Topverdiener hinter den bislang anonymen Protesten beim Weltverband UCI wegen Unregelmäßigkeiten bei Gehaltszahlungen stehen. "Es hat uns natürlich überrascht, dass sich die Schlecks und Fabian Cancellara bei der UCI beschwert haben", sagt Carlo Rock, Vertreter des Teameigners Flavio Becca, der SZ. "Und Jakob Fuglsang hat uns sogar verklagt, die Sache ist bei Gericht", bestätigte Monsieur Rock außerdem.

Teameigner Flavio Becca, ein 50-jähriger Baulöwe aus Luxemburg, soll in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Darauf weist nun auch eine Meldung im Luxemburger Tageblatt hin: Eine unabhängige Wirtschaftsprüfung hat allein für die anderthalb Geschäftsjahre bis Ende 2011 einen Schuldenstand der Leopard S.A: von 7,6 Millionen Euro ergeben.

Mit den vermutlich rund 500.000 Euro, auf die allein die Schlecks jeweils warten sollen, Fuglsangs Außenständen von rund 150.000 Euro und akkumulierten Verlusten könnte sich das Defizit allmählich einer achtstelligen Summe nähern. Die Leopard S.A. erklärte hingegen am Samstag in einer Stellungnahme, der Aufbau des Teams habe erwartete Defizite erzeugt, man liege voll im Finanzplan, und die UCI habe alles abgesegnet. Die UCI äußerte sich nicht.

In seiner Begründung für den Gehaltsrückstand bei den Schlecks und auch Fuglsang kritisierte Beccas Sprecher Rock nun vor allem das prominente Bruderpaar scharf. "Vielleicht kennen die beiden die komplizierten Vertragsregeln der UCI nicht. Und es gibt ja in Luxemburg Gerichte, da können sie hingehen, und dann können auch sie - wie Fuglsang - uns verklagen."

Laut Rock halte Beccas Betreiberfirma einen Teil des Gehalts - etwa ein Viertel für sogenannte "Image-Rechte", die in Luxemburg günstig versteuert werden können - zurück, weil dieser "auf Konten von undurchsichtigen Firmenkonstrukten überwiesen werden soll. Wir müssen doch sicher sein, dass wir da nicht Geldwäsche unterstützen."

Weshalb es nach nunmehr einem Jahr, in dem das Geld nicht ausbezahlt wurde, noch keine Klärung mit den Team-Assen gibt, vermochte Rock nicht zu sagen. Gegen den Geschäftsmann Becca ermittelt Luxemburgs Justiz wegen des Verdachts der Veruntreuung von Firmengeldern.

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