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Gefallener Golfer Tiger Woods:Die Golfszene hat sich verändert

Woods hat sich für die offensive Antwort auf alle Fragen entschieden. Sein Start in Ohio kam überraschend. "Er spielt aus reiner Verzweiflung", sagt der frühere Profi und heutige TV-Kommentator Brandel Chamblee. "Er glaubt, dass dies der einzige Weg aus der Hölle ist. Er will allen beweisen, dass sie im Unrecht sind. Er fühlt wahrscheinlich den Druck der Sponsoren und weiß, dass ihm die Zeit durch die Finger gleitet."

Tatsächlich hat sich die Szene seit dem 27. November 2009, dem Tag, an dem die Skandale um Woods mit seinem Autounfall begannen, stark verändert. Viele der jungen Profis, die diese Woche mit Woods am Start sind, kennen ihn hauptsächlich aus dem Fernsehen. Alte Wegbegleiter wie Phil Mickelson oder Jim Furyk treten allmählich zurück. "Es gibt da eine Menge neuer Jungs", hat Woods festgestellt. Ehrfurcht vor dem 14-maligen Majorsieger kennen sie nicht.

Der Rummel, der Tiger Woods diese Woche in Ohio begleitet, mag sie verwundern. Wozu der Hype um einen Spieler, der eine solide 68er Runde zu Beginn absolvierte, nach einer 71 am zweiten Tag aber auf Platz 38 zurückfiel, mit schon sieben Schlägen Rückstand auf die Führenden? Warum umgibt ihn ein Schwarm von Journalisten, während der Weltranglistenerste Luke Donald fast unbeobachtet trainiert?

Von Woods geht immer noch eine so große Anziehungskraft aus, dass manche Medien die Ankündigung der PGA Tour, man werde den Platz am Dienstag für die Öffentlichkeit schließen, als Gefälligkeit für Woods deuteten, damit der seine Einspielrunde in Ruhe absolvieren konnte. Tatsächlich hatten die Veranstalter nur festgestellt, dass in den vergangenen Jahren das Zuschauerinteresse am Dienstag so gering war, dass es billiger sei, an diesem Tag die Anlage zu schließen.

An Tiger Woods perlt die Aufgeregtheit ab. Wenn er spricht, dann über sein Golf. "Es hat Spaß gemacht, einfach den Ball mal wieder mit so einem flüssigen Gefühl und Geschwindigkeit zu schlagen", sagte er am Donnerstag.

Nächste Woche spielt er die US PGA Championship, das letzte Major des Jahres in Atlanta. Glory's Last Shot, die letzte Chance auf den Ruhm, wird das Turnier genannt. Zu keinem Profi passt es derzeit so gut wie zu Tiger Woods.

© SZ vom 06.08.2011/jüsc

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