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Gefahren im Vielseitigkeitsreiten:Vielen gehen Neuerungen zu weit

Bei der FEI-Generalsversammlung im November 2016 wurden weitere Änderungen der olympischen Vielseitigkeit durchgewinkt - gegen die Stimmen der großen Reiternationen, aber mit vielen Stimmen aus Ländern, in denen es keinen einzigen Buschreiter gibt. Die Geländestrecke wird jetzt also offiziell nur noch auf Drei-Sterne-Niveau ausgetragen, nicht mehr wie bisher in der schwersten Kategorie (vier Sterne) - eindeutig im Widerspruch zur Forderung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das höchstes sportliches Niveau verlangt. Und wie auch in Dressur und Springen, so besteht eine Mannschaft jetzt nur noch aus drei Reitern, davon erhofft man sich "mehr Flaggen".

Um dennoch genügend Teams nach Hause zu bringen, kann jetzt ein Reserve-Reiter gegen entsprechende Strafpunkte eingetauscht werden. Auch ein Reiter, der bereits ausgeschieden ist, darf mit bis zu 150 Strafpunkten weitermachen, nur für die Mannschaft, nicht für sein Einzelergebnis. Solche Neuerungen gehen vielen, nicht nur den Traditionalisten, zu weit.

Das Fass zum Überlaufen brachte jetzt die Entscheidung der FEI, auch die alle vier Jahre ausgetragenen Weltmeisterschaften, für die es keine Olympia-Vorgaben gibt, nur noch auf Drei-Sterne-Niveau auszutragen. Eine Ikone des Sportes, Lucinda Green, sechsfache Gewinnerin in Badminton, der schwersten Prüfung der Welt, hat sich nun in einer aufgebrachten E-mail an Giuseppe della Chiesa, den Vorsitzenden des FEI-Komitees, gewandt, sie schrieb: "Bitte gehen Sie nicht in die Geschichte ein als derjenige, der dem Vielseitigkeitssport das Herz entrissen hat."

Nicht wenige teilen Greens Sorgen: dass auf die Dauer die Vier-Sterne-Prüfungen vollständig verschwinden (zurzeit sind es sechs weltweit), das Niveau damit weiter sinken wird, dass weniger begabte Reiter und Pferde sich im Gelände versuchen werden, was wiederum die Unfallgefahr erhöht. Della Chiesa reagiert gelassen. Er schlägt vor, die Vier-Sterne-Vielseitigkeiten als eine Art "Ironman für Reiter" aufzubauen, für den harten Kern sozusagen. Das könnte man dann schon wieder Military nennen. Wenn man will.

© SZ vom 02.02.2017/jbe
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