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Gaudino beim FC Bayern:Feine Kunststücke fürs Theaterpublikum

Bayern München - ZSKA Moskau Champions League Gianluca Gaudino

Schmächtig aber wehrhaft: Gianluca Gaudino, r.

(Foto: dpa)

Erster Auftritt in der Champions League: Der 18-jährige Gianluca Gaudino erhält beim Sieg des FC Bayern gegen Moskau Szenenapplaus. Und darf hoffen, dass Trainer Guardiola ihn weiterhin fördert.

21 Minuten hat Gianluca Gaudino gebraucht, um alle Blicke auf sich zu ziehen. Instinktiv leitete er, bedrängt von zwei Gegenspielern, einen Ball mit der Hacke zu Bastian Schweinsteiger weiter. Sein feines Kunststückchen gegen ZSKA Moskau goutierte sogar das meist distinguierte Münchner Theaterpublikum mit einem tosenden Szenenapplaus.

Im letzten Gruppenspiel der Champions League durfte der 18 Jahre alte Mittelfeldspieler am Mittwochabend mal wieder bei den Profis des FC Bayern München mitspielen. 73 Minuten stand er beim 3:0-Sieg auf dem Platz. Dabei war es zuletzt etwas ruhiger geworden um den Sohn von Ex-Nationalspieler Maurizio Gaudino, nachdem der damals noch 17-jährige Schüler im Sommer zwei Klassen auf einmal übersprungen hatte: Von den A-Junioren direkt hinein in die Profimannschaft ohne den üblichen Zwischenschritt Regionalligamannschaft. Am ersten Spieltag stand er in der Startelf gegen den VfL Wolfsburg. Pep Guardiola hatte anschließend über den schmächtigen Burschen kundgetan, dass er es verdient habe, "hier zu sein".

Zuletzt stand er viermal im Kader der Profis. Doch zu mehr als ein paar Minuten Dehnübungen und Hopserlauf kam er nicht mehr.

Gegen Moskau war die Gelegenheit indes günstig. Der Bayern-Trainer schonte ein paar Stammspieler und Gaudino durfte zeigen, dass er alles mitbringt für eine Profikarriere beim FC Bayern. Schmächtig ist er noch immer und er brauchte nach der Zeit in der A-Junioren-Bundesliga ein paar Minuten, um sich an Tempo und Härte bei den Männern zu gewöhnen. "Er hat das gut gemacht", sagte Guardiola über Gaudinos Debüt in der Champions League. Es wäre interessant gewesen, zu erfahren, wie er selbst darüber denkt, ihm fehlt im familieninternen Duell nur noch ein Auftritt in der europäischen Eliteklasse, um mit seinem Vater gleichzuziehen. Für den VfB Stuttgart bestritt dieser in der Saison 1992/1993 zwei Partien. Gianluca Gaudino verließ aber schweigend das Stadion.

Dafür redet sein Vater gerne über seinen Sprössling. Er tritt auch als dessen Berater auf. "Er ist stärker als ich", hatte er in einem SZ-Interview erzählt. Aber größere Vergleiche mag er nicht ziehen, weil sie zwei verschiedene Spielertypen seien. Gaudino Senior war stets ein offensiver Mittelfeldspieler, mit Drang zum Tor, Gianluca fühlt sich vor der Abwehr wohler, wenn er das Spielfeld vor sich hat und mit Pässen seine Mitspieler besser machen kann. "Er hat seine eigene Persönlichkeit, Fußball zu spielen", sagt sein Vater. "Ich bin natürlich froh, dass ich ihn mit meiner Erfahrung unterstützen kann."

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Gegen Moskau spielte er weiter vorne, eine Art Achter. Die Position war ein bisschen ungewohnt für ihn, manchmal dribbelte er, wenn er passen sollte, und manchmal passte er, wenn er besser hätte dribbeln sollen. Ob er auch am Samstag in Augsburg spielen darf, weiß wohl im Moment nicht einmal Guardiola selbst, der sich nun wieder in sein Zimmer einschließen wird, um Tag und Nacht über die Taktik zu befinden im Spitzenspiel beim Tabellendritten der Bundesliga.

Aber auch wenn Gianluca Gaudino am Samstag 90 Minuten auf der Bank sitzen wird - es sieht so aus, als dürfte er bei diesem Trainer sicher wiederkommen. Guardiola schätzt ihn als sicheren Passspieler. Und ein paar Kunststückchen zur Erheiterung des Publikums hat er ja auch drauf.


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