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Gareth Bale bei Real:"Er ist sehr glücklich in Madrid, wo er das Leben genießt"

Kuckuck, ich sehe was, was du nicht siehst! Real Madrids Gareth Bale (rechts oben) beschäftigt sich auf der Tribüne.

(Foto: Jose Breton/AP)

Faxen auf der Tribüne und Millionen auf dem Konto: Gareth Bale ist gerade vermutlich der teuerste Bankangestellte des Weltfußballs - sein Fall bei Real ist verzwickt.

Von Jonas Beckenkamp

Auch wenn er die Feierlichkeiten zur Meisterschaft schwänzte, ist Gareth Bale dem Vernehmen nach immer noch Spieler von Real Madrid. Er verdient dort königlich fürs Nichtstun, aber immerhin ein Stigma ist er neuerdings los: Seit dem Gewinn von La Liga hat ihm Eden Hazard den Titel von Real Madrids ewigem Rekordtransfer abgetrotzt - dank Prämien soll sich dessen Ablösesumme nun auf geschätzte 101 Millionen Euro belaufen. Also ein Milliönchen mehr als Real 2013 an Tottenham für Bale bezahlte.

Gespielt hat Bale, mit 31 immerhin vierfacher Champions-League-Sieger, in dieser Saison kaum noch. Trainer Zinedine Zidane weiß einfach nichts mit ihm anzufangen. Bale und Real, diese Geschichte nahm zuletzt dank einiger Faxen des Walisers neuen Schwung auf: Erst stellte er sich schlafend auf der Bank, dann imitierte er mit seinen Händen ein Fernglas, um den Kollegen bei einem Spiel zuzuschauen. Längst ist in Spanien vom "Null-Bock-Profi" die Rede, dem zwar Geld überweisen wird (35 Millionen Gehalt sollen es bis 2022 sein), aber dafür wenig leistet - außer Golf spielen.

Unter der Spezies bockender Fußballer ist Bale daher ein Sonderfall. Wer die Kulturgeschichte der Tribünenhocker im Profibetrieb studiert, stößt zwar auf allerlei Dembélés, Aubameyangs oder Demba Bas, die mal mehr mal weniger in einen sogenannten Wechselstreik traten - aber eher selten auf Fußballer wie Bale. Anders als die drei ehemaligen Bundesliga-Stürmer will Bale seinen Transfer nämlich gar nicht erzwingen, er möchte schlicht seinen Vertrag aussitzen.

"Finanziell wird er bis an sein Lebensende keine Sorgen haben"

So erklärte es kürzlich recht ungeniert sein Berater Jonathan Barnett, 70, gegenüber der BBC. "Er ist sehr glücklich in Madrid, wo er das Leben genießt. Finanziell wird er bis an sein Lebensende keine Sorgen haben, genau wie seine Kinder und Enkelkinder. Ich sehe keinen Grund, warum er seine Karriere außerhalb von Madrid fortsetzen sollte." Barnett, der selten um einen deftigen Spruch verlegen ist, vertritt mit seiner Agentur Stellar weitere Größen wie Saul Niguez, Leipzigs Ibrahima Konaté oder Englands Nationaltorwart Jordan Pickford. Früher war er auch für den Boxer Lennox Lewis zuständig.

Bale bleibt also, notfalls auch als das, was landläufig Edelreservist genannt wird. Nachdem sich ein Wechsel nach China im vergangenen Sommer zerschlug, weil Real Madrid im letzten Moment einen Rückzieher machte, ist die königliche Auswechselbank für ihn offenbar die attraktivste Option. Obwohl es Angebote gebe, werde Bale nicht gehen, versicherte Barnett. Gleichzeitig sei es aber durchaus ein Problem, dass "sich kaum ein Verein auf der Welt Gareth leisten kann". Zu teuer für anderswo, aber von Zidane trotz 105 Toren in sieben Jahren links liegen gelassen. Dieses Dilemma hat aus Bale den vermutlich bestbezahlten Bankangestellten der Welt gemacht.

Claude Makélélé, der große französische Abräumer, sagte mal in einer für ihn schwierigen Zeit beim FC Chelsea: "Ich schaute einfach auf mein Bankkonto und war glücklich." Aber liegt das Glück für einen Profi nicht auch auf dem Platz? Dort, wo man sich mit Ehrgeiz beweisen will? Wo es Tore zu erzielen gilt?

Die Zeitung Marca in Spanien fragte darum nicht ganz zu unrecht: "Hat Bale vor, bis 2022 von der Tribüne aus zu lachen? Hat er nicht das Bedürfnis, Fußball zu spielen und sich zu revanchieren?" Hat er laut seines Beraters, aber Zidane lässt ihn ja nicht. "Gareth ist nicht darauf aus, Zinédine Zidane zu überleben. Herr Zidane war sehr erfolgreich. Es gibt keinen Hass", sagt Barnett, "Herr Zidane will einfach nur nicht, dass er spielt."

Der Franzose verließ 2018 sogar im Zerwürfnis mit Präsident Florentino Perez den Klub, weil der seine einstige Hauptattraktion Bale, den damaligen Thronfolger der "Galaktischen", nicht verkaufen wollte. Jetzt ist Zidane wieder da, er wurde soeben Meister - und das Bale-Problem führt in jeder Presserunde zu Grantigkeit beim Mister aus Frankreich.

Es bleibt die Erkenntnis, dass die Lage ganz schön festgefahren ist. Aber es scheint so, als finde sich der Hobbygolfer Bale damit ab, einfach gut bezahlt zu werden fürs Ausharren. So wie einst Bodo Illgner, der sich als dritter Torwart bei Real zur Jahrtausendwende seine Tribünenaufenthalte mit angeblich 3,2 Millionen Mark Jahresgehalt versüßen ließ. Auf Geheiß seiner Beraterin und Frau Bianca genoss er in aller Zurückgezogenheit seine Entlohnung und wurde zum "unrentabelsten Fußballer" Spaniens gekürt.

© SZ.de/ebc

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