Galopp-Pferd Iquitos Ist Iquitos das Pferd seines Lebens?

Es folgten Starts im Ausland, darunter beim prestigeträchtigen Grand Prix de l'Arc de Triomphe in Paris, wo Iquitos starker Siebter wurde. Auch beim Japan Cup, einem der höchstdotierten Galopprennen der Welt, vor 120 000 Zuschauern, startete Iquitos schon. Gröschel reiste mit dem Pferd um die halbe Welt, auch in Tokio gab es im November wieder Kaufangebote, alle wurden abgelehnt. Gröschel sagt, er habe noch nie ein Pferd gesehen, das auf den letzten Metern so zulegen könne, so wie 2017 beim Großen Dallmayr-Preis in München-Riem, einem Gruppe-1-Rennen, als das kleinste Pferd des Feldes als Vorletzter in die Zielgerade eingebogen und trotzdem mit zwei Längen Vorsprung ins Ziel geprescht war. Stolz zeigt der Trainer auf die Wand an Iquitos' Box in Langenhagen: Siegerurkunden und Bilder aus Baden-Baden hängen dort, auch vom Gewinn der Champions League des deutschen Galoppsports. Daneben eine große Plakette für den "Galopper des Jahres 2016", auch das war Iquitos. 40 Prozent der Stimmen entfielen bei der Wahl auf ihn.

Ist Iquitos das Pferd seines Lebens? Gröschel hält kurz inne. Ja, sagt er dann. Er sei zwar kein sonderlich gläubiger Mensch, aber "da hat jemand nachgeholfen". Eine höhere Macht müsse dieses Pferd zum Trainer geführt haben: "Ich bin sehr dankbar, dass alles so gekommen ist."

Dabei wäre 2015 fast alles vorbei gewesen. Das Pferd ereilte eine schwere Darmverschlingung, eine Sonderform der Kolik. Iquitos wäre fast gestorben, die schnelle Reaktion der Tierpfleger und eine Operation in der Pferdeklinik der Tierärztlichen Hochschule in Hannover konnten ihn retten. Danach nahm sich Gröschel ein Dreivierteljahr lang Zeit, um Iquitos wieder aufzubauen. Auch eine Augenentzündung stoppte den Hengst nicht. "Der ist zäh", sagt Gröschel. Nach dem Sieg in München sagte er, Iquitos habe "so viel durchgemacht. Wenn es sauberer wäre, würde er bei mir zu Hause wohnen". Doch daraus wird nichts, vor dem Stall in Langenhagen haben sie einen Sandhügel aufgeschüttet, extra für Iquitos, weil er sich darin so gerne wälzt.

Wie es weitergeht? Iquitos ist fünf, soll noch ein Jahr auf Topniveau laufen, sagen die Besitzer. Danach winkt ihm eine Karriere als Zuchthengst, wie schon seinem Vater. Für Gröschel wäre es der nächste Zeitpunkt, um den Ruhestand anzugehen. Ob es diesmal klappt? Eines ist sicher: Iquitos sei "das Pferd" gewesen, sagt Gröschel. Er betont: "Das Pferd." Da komme auch kein besseres mehr.

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