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Futsal:Wiedersehen am anderen Ende der Welt

Jahn Futsal Regensburg

Im Viertelfinale klar durchgesetzt: Regensburgs Spielertrainer Lucas Kruel (l.) behauptet sich gegen einen Spieler von Holzpfosten Schwerte.

(Foto: Florian Würthele/Fupa)

Vor zwei Jahren gründete Oliver Vogel in Regensburg eine Futsal-Abteilung. Nun spielt sie um den Titel.

Von Johannes Kirchmeier

Auslandsaufenthalte prägen einen Menschen, das ist nichts Neues. Nach einem Jahr in Spanien kann der eine plötzlich Paella kochen, seine Zeit in Frankreich schult den anderen zum Weinkenner. Auch der Regensburger Oliver Vogel, 47, entwickelte sich natürlich weiter in seinen viereinhalb Jahren in Australien: Zum Känguru-, Krokodil- oder Aborigine-Experten wurde er aber nicht, das Land weckte Vogels Futsal-Leidenschaft. So sehr, dass er nun von einem "geilen Sport" spricht.

Und so sehr, dass Vogel im Juni 2015 beim SSV Jahn 1889 Regensburg eine Futsal-Abteilung erschuf und den Sport in der Oberpfalz etablierte. Nicht einmal zwei Jahre nach der Gründung steht das Team nun in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Am Samstag (19 Uhr) gastiert der Rekordmeister Hamburg Panthers, der den Titel von 2012 bis 2016 gewann, zum Halbfinale in Ostbayern. "Es ist ein Wahnsinn, was wir hier geschafft haben", sagt Vogel, roter Jahn-Pullover, gegelte Haare, sichtlich stolz.

Vogel ist einer, der anpackt. Im fast 130 Jahre alten Verein überwand er Widerstände, nach vier Monaten gründete er die Abteilung. Dass die Regensburger Futsaler nach ihrer zweiten Saison nun schon um die Meisterschaft spielen, liegt zum großen Teil an Vogel. Er hatte ein Foto gesehen, auf dem der Bayern-Spieler Douglas Costa 2015 neben einem alten Bekannten stand: Lucas Silveira Kruel, 26, Costas Personal Trainer, ein ehemaliger Futsalspieler. In Australien spielte Kruel beim besten Klub Pascoe Vale FC: "Lucas war der beste Spieler", sagt Vogel. Jedes Wochenende schaute er Kruel zu und bewunderte, wie der in seinem schwarz-weiß-gestreiften Trikot die Gegner narrte: "Er saß auf der Bank. Da kamen Kinder, die sein Shirt anhatten. Wie bei Fußball-Profis."

Beim Jahn spielen Brasilianer. Ist das Wettbewerbsverzerrung?

Kruel beendete in der Zwischenzeit jedoch die Karriere, konzentrierte sich auf seinen Job. Vogel traf sich dann mit ihm und fixte ihn an. "Ich habe gesagt, wenn ich es mache, muss es professionell laufen", sagt Kruel, inzwischen Spielertrainer des Teams. Gleich im ersten Jahr ist es aus der Bayernliga in die Regionalliga, die höchste Klasse, aufgestiegen. Das Duell gegen Hamburg "ist ein vorgezogenes Finale", sagt Vogel. Die Regensburger werden sehen, wie weit sie sind: In der Regionalliga gewannen sie alle Spiele, das Viertelfinale 8:1 gegen Holzpfosten Schwerte.

Doch der kurzfristige Erfolg ist nur ein Ziel von Kruel und Vogel: "Wir wollen professionelles Futsal hierher bringen", sagen sie beide. Dafür hat sich der SSV Jahn mit Brasilianern verstärkt, Kumpels von Kruel. Andere sehen darin Wettbewerbsverzerrung, der Jahn will jedoch vor allem nachhaltig profitieren. "Wenn du Futsal lernen willst, brauchst du einen, der es dir beibringen kann", sagt Kruel. Seine Spieler schickt er zur Jugendmannschaft. "Ich sage ihnen: 'Geht zu den Kindern, unterstützt sie, gebt ihnen Tipps!'"

Es gibt nur ein leidiges Thema: das Geld. "Wir leben von dem was wir kriegen", sagt Vogel. Für nächste Saison sucht er einen Sponsor, damit er die Spieler, die viermal in der Woche trainieren, ordentlich bezahlen kann. Sonst könnte der Regensburger Futsal-Boom wieder abebben.

Das wäre fast schade, wenn man sieht, mit welcher Begeisterung Kruel über seinen Sport spricht. Mit strahlenden Augen sagt er: "Du darfst nie Angst vor Entscheidungen haben, musst echt mutig sein." Es klingt so, als würde er auch ein bisschen über seinen Abteilungsleiter Oliver Vogel sprechen.

© SZ vom 15.04.2017

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