bedeckt München 19°

Futsal-Spieler Timo Heinze:Auf Umwegen zum Futsal-Pionier

FIFA Futsal Coach Course

Futsal spielen andere Länder schon lange auf höchstem Level - der DFB beginnt jetzt damit.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • An diesem Sonntag tritt erstmals eine deutsche Nationalmannschaft in der Fußballvariante "Futsal" an.
  • Ihr oberster Botschafter ist Timo Heinze, der früher für den FC Bayern spielte.

Von Benedikt Warmbrunn

Manche Leidenschaften entdeckt der Zufall, so war das auch bei Timo Heinze. Er studierte im Herbst 2010 im ersten Semester an der Sporthochschule Köln, als ihn Kommilitonen fragten, ob er nicht Zeit und Lust habe, am Wochenende zu einem Futsal-Turnier mitzufahren. Heinze hatte nichts anderes vor, er sagte zu, und so saß er wenige Tage später im Bus, dort las er sich die Regeln der Sportart durch. Heinze wusste, dass Futsal eine Variante des Hallenfußballs ist. Aber was den Spielern erlaubt ist und was nicht (etwa keine Grätschen im Zweikampf), das wusste er nicht.

Was seine Mitspieler nicht wussten: Dass sie gerade mit einem Zugang unterwegs waren, der sich als grandiose Verstärkung herausstellen sollte.

Heinze spielte in seiner Kindheit Vereinsfußball, erst für den SV Westerndorf, später für den TSV 1860 Rosenheim. Dort spielte er so gut, dass er als Zwölfjähriger zum FC Bayern wechselte. Am Ende seiner elf Jahre im Verein war er Kapitän der zweiten Mannschaft. Aber all das wussten Heinzes Mitfahrer im Herbst 2010 eben nicht.

An diesem Sonntag (15 Uhr) tritt in Hamburg erstmals eine deutsche Futsal-Nationalmannschaft zu einem Testspiel an, gegen England, und aus Heinze, 30, der 2010 noch ein stiller Mitfahrer war, ist inzwischen das Gesicht einer Sportart geworden, die sich selbst in Deutschland noch einen Wiedererkennungswert erspielt.

Futsal-Kader DFB

Tor: Yalcin Ceylani (Hamburg Panthers), Pavlos Wiegels (KS Antonio Orzel Futsal), Marco Pohl (VfL Hohenstein-Ernstthal).

Feld: Tim Baumer, Eduard Nickel, Christoph Rüschenpöhler (alle UFC Münster), Timo di Giorgio (Portus Pforzheim), Durim Elezi, Lennart Hartmann (beide FC Liria Berlin), Adam Fiedler (FC Eilenburg), Daniel Fredel, Timo Heinze (beide Panthers Köln), Saboor Khalili, Stefan Winkel, Michael Meyer (alle Hamburg Panthers), Nils Klems (Holzpfosten Schwerte), Danijel Majdancevic (FC Deisenhofen), Christopher Wittig (Hohenstein-Ernstthal).

Trainer: Paul Schomann, 65.

Hallenfußball ist in Deutschland vor allem als jener Sport bekannt, zu dem sich ehemalige Profifußballer meist kurz nach Neujahr treffen. Üblicherweise präsentiert das im Fernsehen irgendein Biersponsor, und ganz erschließt sich auch nicht, ob es nun wirklich um Fußball geht oder doch um Bier. Futsal dagegen ist eine eigene Variante des Fußballs, sehr populär in Südamerika und in Spanien, und sie ist zumindest ein bisschen populärer geworden in Deutschland. "Es herrscht gerade Pionierstimmung bei uns", sagt Heinze, "dieses Länderspiel ist ein Riesensignal für die ganze deutsche Szene, nachdem sie sehr, sehr lange unter dem Radar lief."

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite